Group Ernährungsberater*in finden

Ernährungsarmut

"Gesund Aufwachsen? Gesund alt werden? Ernährungsarmut verhindert beides!"

Immer mehr Menschen kämpfen aus finanzieller Sicht mit einer unzureichenden Ernährung. Die Auswirkungen für Gesundheit und Gesellschaft sind gravierend. In einer Zeit, in der soziale Ungleichheiten zunehmen und die Lebenshaltungskosten steigen, betrifft Ernährungsarmut zunehmend Menschen aus allen Lebensbereichen. Sie ist nicht nur eine Frage des Mangels an Nahrung, sondern berührt auch die Gesundheit, die soziale Teilhabe und die Würde der Betroffenen.
Wie komplex und vielschichtig Ernährungsarmut ist und dass sie nicht nur ein individuelles Problem, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung ist, stellten Ernährungsexpert*innen beim dritten digitalen “Parlamentarischen DGE-Dinner” heraus.

Die Veranstaltung wurde gemeinsam von der DGE und ihren Sektionen Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Thüringen im Juni 2025 ausgerichtet. Zusammen mit über 100 Akteur*innen aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft wurden Problemfelder und mögliche Lösungsstrategien unter der Moderation von Prof. Dr. Jörg Meier, Hochschule Neubrandenburg, intensiv erörtert.

Das Programm beinhaltete die Vorstellung von zwei Studien und die Präsentation der praktischen Erfahrungen der DGE und ihrer Sektionen zum Thema.

Vortrag 1

”Wenn Armut die Ernährung in Familien mit Kindern gefährdet - was kann getan werden? Einblicke aus der MegaKids-Studie”

Dr. Anja Simmet von der Universität Hohenheim, präsentierte die Studie und stellte am Anfang ihres Vortrags die Frage:

Ernährungsarmut - was ist das? Sie zitierte die Antwort des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE):

„Von materieller Ernährungsarmut betroffen sind Menschen, denen es aufgrund fehlender finanzieller Mittel nicht möglich ist, sich gesundheitsfördernd zu ernähren.“

(Der Wissenschaftlicher Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Ernährungsarmut unter Pandemiebedingungen. Stellungnahme. Berlin: WBAE 2023).

Vortrag 2

“Ernährungs- und Lebenssituation von Senioren und Seniorinnen in Armut - Einblick aus dem ELSinA-Projekt”.

Dr. Eva Hummel und Lena Fehrenbach vom Institut für Ernährungsverhalten des Max Rubner-Instituts (MRI), Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel erläuterten das Ziel des Projektes. Ein tiefgreifendes Verständnis über die Ernährungs- und Lebenssituation von armutsbedrohten Seniorinnen und Senioren soll entwickelt werden, ebenso wie ein Aktionsplan mit wirksamen Maßnahmen zur Verbesserung der Situation, mit dem Schwerpunkt, die Verhältnisse zu verändern.

Mehr Wissen durch Forschung schaffen

Das DGE-Team informierte über Ansätze und Erfahrungen, wie Ernährungsarmut in Deutschland gezielt begegnet werden kann. Die DGE identifiziert offene Forschungsfragen und -bedarfe, z. B. im DGE-Positionspapier „Perspektiven der Ernährungsforschung 2022“ oder durch die Förderung von Forschungsvorhaben im Rahmen der DGE-Ernährungsberichte aus Mitteln des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH).

Dazu erschien beispielsweise im 15. DGE-Ernährungsbericht die MEGA_kids-Studie zum Thema

  • Die Ernährungs- und Gesundheitssituation armutsgefährdeter Familien mit minderjährigen Kindern in Deutschland (Laufzeit: 07.2021 bis 06.2024)
Handlungsempfehlungen der Studie MEGA_kids für armutsgefährdete Familien, dargestellt über 3 Zahnränder (=Handlungsempfehlungen) die ineinander greifen. 1. Wissen schaffen, 2. Verhältnispräventiv handeln, 3. Verhältnispräventiv ergänzen.

Im 16. DGE-Ernährungsbericht, der 2028 erscheint, wird die "SEED-Studie" publiziert. Mit ihr soll die materielle und soziale Ernährungsarmut in der Gesamtbevölkerung in Deutschland systematisch untersucht werden. Schwerpunkt der Studie sind:

  • Soziale Aspekte der Ernährung: Ursachen, Determinanten und Auswirkungen von Ernährungsarmut in Deutschland und politische Handlungsoptionen
    (Laufzeit: 06.2025 bis 04.2028)

Aktivitäten und Projekte der DGE-Sektionen und Vernetzungsstellen

Gemeinsam gegen den Rest!

In Schleswig-Holstein widmet sich die DGE intensiv der Reduzierung der Lebensmittelverschwendung. Eigene Restemessungen, die im Rahmen einer Projektförderung des Landes Schleswig-Holstein in Kitas, Schulen und Senioreneinrichtungen durchgeführt wurden, zeigen eindrucksvoll, wie hoch der Anteil an Resten in der Gemeinschaftsverpflegung ist und welche Auswirkungen dieses sowohl in Bezug auf die Nachhaltigkeit als auch auf die monetären Verluste hat. Eine lückenlose Kommunikation ist erforderlich, um vom Einkauf bis zur Reinigung Reste zu vermeiden.

Investition in Zukunft: mit Zuschuss zum Mittagessen

Die Mittagsverpflegung an Thüringer Schulen sollte durch eine Teilsubventionierung des Projekts "(K)eine Frage des Preises?" verbessert werden.

Hier betonte das Team der DGE-Sektion Thüringen, dass damit:

  • der Zugang zu regelmäßiger, ausgewogener Mahlzeit,
  • der Ausgleich von sozialen Ungleichheiten,
  • die Stigmatisierung abgebaut und
  • die Ernährungsbildung durch begleitende Maßnahmen gestäkt werden kann.

Es schlussfolgerte, dass eine Subventionierung des Mittagessens ein wirksames Instrument gegen die Folgen von Ernährungsarmut sein kann. Sie ist aktive Gesundheitsförderung.

Gemeinsam handeln - regionale Akteure einbinden

Unter dem Leitgedanken „Gemeinsam handeln – regionale Akteure einbinden“ veranstaltete die DGE in Mecklenburg-Vorpommern (MV) ein landesweites Austauschtreffen zum Thema: „Dimensionen der Ernährungsarmut – Ursachen und Handlungsmöglichkeiten für MV“. Vertreter*innen aus Verbänden, Schulen, Kitas und Kommunen schilderten ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Verbesserungsvorschläge. Die Netzwerktreffen sollen fortgeführt werden, um wirkungsvolle und passgenaue Unterstützungsangebote in MV zu fördern.

BuT-Mittagessen - Hürden abbauen, Teilnahme erhöhen

Obwohl Familien, die Sozialleistungen beziehen, im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets (BuT) Anspruch auf ein kostenfreies Schulmittagessen für ihre Kinder haben, wird dieses zu wenig in Anspruch genommen. Die Vernetzungsstelle Schulverpflegung der DGE in Niedersachsen identifizierte 9 Verfahrensschritte, an denen sich Probleme manifestieren können. SIe entwickelte Handlungsoptionen, die in einer Arbeitshilfe inzwischen zur Verfügung stehen. Informieren Sie sich über das INFORM-Projekt BuT: Kostenfreies Schulmittagessen.

Chancengleicheit durch Social Media

In der Sektion Baden-Württemberg – DGE e. V. werden Social Media-Kanäle als eine wichtige Informationsquelle genutzt. Seit Mitte März 2025 hat die DGE-BW e.V. mehrere Social Media Kanäle mit dem gemeinsamen Namen "Essperimente:Teller & Theorie". Im Vergleich von klassischen Fastfood-Gerichten und selbst zubereiteten Alternativen wird aufgezeigt, dass selbst gekochte Gerichte nicht nur gesünder, sondern auch deutlich günstiger sein können. Kreative Ideen, wie etwa die Zubereitung von Suppen aus Gemüseresten oder die Herstellung von Mayonnaise aus überschüssigem Öl, veranschaulichen, wie Lebensmittelverschwendung reduziert und gleichzeitig das Haushaltsbudget maximal ausgenutzt werden kann.

Initiierung eines Frühstücks in Kita und Schule

Die Sektion Hessen DGE e. V. setzt auf ein pädagogisches Frühstück in Kitas, das von (entsprechend) geschulten Erzieher*innen umgesetzt wird und allen Kindern, unabhängig vom Einkommen der Eltern, zur Verfügung steht. Für Schulen wird dieses im Rahmen von „Unser Cleveres Esszimmer“ weitergeführt. Mit Fördergeldern werden kostenfreie Schulcoachings ermöglicht, bei denen nachhaltige Strukturen geschaffen werden. Durch die Partizipation der Schüler*innen ist das Frühstück „cool“ und wird auch „gelebt“.