Methodenpapier zur Optimierung von Ernährungsempfehlungen
Gesundheit und Umwelt gehen Hand in Hand. Das im Food & Nutrition Research veröffentlichte neue Methodenpapier „Investigations of a multi-objective diet optimization model including human health, environment, and observed dietary intake“ liefert Grundlagen für die mathematische Optimierung von Ernährungsempfehlungen.
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Es beschreibt, wie sich die drei Komponenten Minimierung des Krankheitsrisikos, der Umweltlast und der Abweichungen vom üblichen Verzehr im Modell gegenseitig beeinflussen. Außerdem zeigt es die Ableitung eines Gesundheitsindikators, um die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Erkrankungsrisiken in das Modell zu integrieren. Erstautorin des Artikels Anne Carolin Schäfer vom Referat Wissenschaft der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) betont: „Bei der Ableitung der neuen lebensmittelbezogenen DGE-Empfehlungen war es uns besonders wichtig, transparent vorzugehen. Mit den Analysen in dieser Publikation haben wir die Basis für die finalen Entscheidungen für unser Optimierungsmodell gelegt“.
Ableitung des Gesundheitsindikators – ein einfach anwendbares Verfahren
Im Forschungsbereich von Optimierungsmodellen für Ernährung wurde die ausreichende Nährstoffversorgung zwar bislang als Determinante der menschlichen Gesundheit oft einbezogen, doch nur selten wurden die Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Lebensmittelverzehr messbar gemacht. Daher wurde ein quantifizierbarer Gesundheitsindikator anhand von sogenannten DALYs (Disability-Adjusted Life Years, krankheitsbereinigte Lebensjahre) aus der Global Burden of Disease Study (GBD1) und Beobachtungsdaten von Schwingshackl et al.2 entwickelt. Proof-of-Concept-Analysen zeigten, dass dieser Gesundheitsindikator weitgehend mit den Daten aus der Literatur übereinstimmte. Damit liegt eine neuartige, benutzerfreundliche Methode zur Ableitung eines dynamischen Indikators für die Zusammenhänge zwischen Lebensmittelverzehr und Gesundheit vor.
Wie sich Gesundheit und Umwelt gegenseitig verstärken
Der Gesundheitsindikator wurde in die Zielfunktion des Optimierungsmodells integriert. Die Interaktionen der drei Komponenten wurden in 42 Modellvarianten mit unterschiedlichen Gewichtungsschemata systematisch untersucht, um Zielkonflikte und Synergieeffekte aufzudecken. Es zeigte sich eine hohe Korrelation zwischen den Gesundheits- und Umweltdaten, insbesondere im Vergleich zur üblichen Ernährung. Mit einer stärkeren Gewichtung der Krankheitslast sank auch die Umweltlast und umgekehrt. Die Berücksichtigung des üblichen Verzehrs spielt ebenso eine wichtige Rolle: Wurde ausschließlich hinsichtlich der Krankheitslast oder Umweltbelastung optimiert, führte dies zu erheblichen Abweichungen vom üblichen Verzehr. Das Einbeziehen aller drei Komponenten verbesserte die Stabilität des Modells.
Neue Erkenntnisse für die Entwicklung von Ernährungsempfehlungen
Diese methodischen Untersuchungen liefern eine wichtige Grundlage für die Entwicklung der wissenschaftlich fundierten Ernährungsempfehlungen der DGE. Das Methodenpapier zeigt, wie Gesundheit, Umwelt und Ernährung miteinander zusammenhängen und unterstreicht die Bedeutung aller drei Komponenten für das Optimierungsmodell. Gleichzeitig liefert die Publikation wichtige Einblicke für Forschende, die sich mit der Entwicklung von FBDG befassen. Sie beschreibt praktische Erfahrungswerte zum Einsatz von Optimierungsmodellen und unterstützt damit die Ableitung wissenschaftlich fundierter Ernährungsempfehlungen.
Hintergrund zu den lebensmittelbezogenen Ernährungsempfehlungen (FBDG)
Die lebensmittelbezogenen DGE-Ernährungsempfehlungen „Gut essen und trinken“ und der aktualisierte „DGE-Ernährungskreis“ wurden im März 2024 veröffentlicht. Sie gelten für die gesunde erwachsene Allgemeinbevölkerung in Deutschland im Alter von 18–65 Jahren, die sich isokalorisch und mit Mischkost ernährt. Die Empfehlungen richten sich nicht an Personen, die aufgrund von Krankheit eine spezielle Ernährungsweise befolgen müssen. Hier empfiehlt die DGE, sich bei zertifizierten Ernährungsfachkräften ernährungstherapeutisch beraten zu lassen.
Weitere Informationen
- Methodenpapier „A methodological framework for deriving the German food-based dietary guidelines 2024: food groups, nutrient goals, and objective functions“. PLoS One. 2025 Mar 12; 20 (3): e0313347
- Schäfer AC, Boeing H, Conrad J, Watzl B für die DGE Arbeitsgruppe Lebensmittelbezogene Ernährungsempfehlungen: Wissenschaftliche Grundlagen der lebensmittelbezogenen Ernährungsempfehlungen für Deutschland. Methodik und Ableitungskonzepte. ErnährungsUmschau 2024; 71 (3): M158–66. e5–7.
Quellen
1GBD 2021 Risk Factors Collaborators. Global burden and strength of evidence for 88 risk factors in 204 countries and 811 subnational locations, 1990–2021: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2021. Lancet 2024; 403: 2162–203. doi: 10.1016/S0140-6736(24)00933-4
2Schwingshackl L, Knüppel S, Michels N, Schwedhelm C, Hoffmann G, Iqbal K et al. Intake of 12 food groups and disabil¬ity-adjusted life years from coronary heart disease, stroke, type 2 diabetes, and colorectal cancer in 16 European countries. Eur J Epidemiol 2019; 34: 765–75. doi: 10.1007/s10654-019-00523-4