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Presseinformation: Presse, DGE aktuell, 2005 03/2005 vom 26.01.2005
DGE aktuell

Zu viel, zu fett, zu träge?

Ergebnisse des Ernährungsberichts 2004 der DGE


(dge) Zu fett und zu viel - so lauten nach wie vor die Hauptfehler bei den deutschen Essgewohnheiten. Problematisch ist vor allem, dass mehr Kalorien verzehrt werden, als für den heute üblichen bewegungsarmen Alltag notwendig wären. Eine träge Lebensweise ist inzwischen für die meisten Menschen Realität. Computerarbeitsplätze mit sitzender Tätigkeit erleichtern nicht nur in Büros, sondern bei der Lagerarbeit und in der Produktion an vielen Maschinen die Arbeit. Das hat Konsequenzen: Zahlreiche Laufwege, Treppen steigen oder körperlich schwere Arbeiten fallen weg. Wer seine Freizeit zudem träge auf dem Sofa verbringt und alle Besorgungen mit dem Auto erledigt, läuft Gefahr, dick zu werden.

In Deutschland haben über 65 % der Männer und etwa 55 % der Frauen übergewicht (BMI >25 kg/m2) und damit erhöht sich ihr Risiko an Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten und bestimmten Krebsarten wie z. B. Dickdarmkrebs zu erkranken.

So stellt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) in ihrem Ernährungsbericht 2004 fest: „Zur Verbesserung der Ernährungssituation ist eine Verhaltensänderung in der Bevölkerung erforderlich. Diese betreffen nicht nur die Ernährung, sondern auch die Zunahme der körperlichen Aktivität“.

Diese Aussage ist nicht neu. Bereits in früheren Ernährungsberichten stellte die DGE fest: „Die Deutschen essen zu viel und zu fett.“ Man könnte den Eindruck gewinnen, wir seien in doppelter Hinsicht träge: bewegungsmüde und zu bequem für Veränderungen. Das heißt konkret: Es muss sich etwas tun in Deutschland; mehr bewegen und die Essgewohnheiten deutlich verändern.

„Nährstoffdichte“ Lebensmittel lautet das Zauberwort für die Lebensmittelauswahl bei wenig Bewegung. Das sind Lebensmittel, die sowohl einen niedrigen Energiegehalt haben als auch viele wichtige Nährstoffe enthalten. Dazu zählen z. B. Gemüse, Obst, Vollkorngetreideprodukte und fettarme Milchprodukte. Gemüse, Obst und Kartoffeln dürften deutlich öfter auf den Tellern liegen. 650 g Gemüse und Obst täglich, das wäre ideal - mit durchschnittlich rund 300 g erreichen wir gerade mal die Hälfte der DGE-Empfehlungen.

Hintergrundinformation

Energie, gemessen in Kalorien oder Joule, ist das "Benzin" des Körpers. Selbst wenn wir schlafen, verbraucht der Körper Kalorien für den Herzschlag, Gehirnarbeit oder den Auf- und Umbau von Körperzellen, das ist der so genannte Grundumsatz. Zusätzlich wird Energie verbrannt, um die Körpertemperatur konstant zu halten, um Essen zu verdauen und schließlich damit die Muskeln arbeiten. "Gehirnarbeit" wie Lernen oder Denken verbraucht vergleichsweise weniger Kalorien. Muskelarbeit im Beruf, Freizeit oder Sport verbrennt dagegen deutlich mehr.

Alle Erwachsenen - Männer (älter als 25 Jahre) und Frauen (älter als 15 Jahre) - nehmen im Durchschnitt mehr Kalorien auf, als sie durch ihre Arbeits- und Bewegungsgewohnheiten verbrauchen. Besonders hohe Kalorienaufnahmen haben die über 51-Jährigen. Dies erklärt die vielen übergewichtigen Menschen in Deutschland. Sie tragen ein höheres Risiko für Folgekrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten und bestimmte Krebsarten wie z. B. Dickdarmkrebs und Brustkrebs (postmenopausal).

Woher kommen die Kalorien? Der Ernährungsbericht 2004 macht deutlich, dass vor allem die Fettaufnahme derzeit noch zu hoch ist. Sie liegt zwischen 33 und 38 % der täglichen Energiezufuhr. Menschen, die sich wenig bewegen, sollten jedoch zirka 30 Energieprozent Fett nicht überschreiten. Insbesondere sollten sie auf die Qualität bzw. die Zusammensetzung der aufgenommenen Nahrungsfette achten und bevorzugt pflanzliche Fette wie z. B. Raps- und Walnussöl verzehren.

Doch ein Blick auf die Essgewohnheiten ist nur ein Teil der Lösung des übergewichtproblems. „Die wachsende Prävalenz von übergewicht in Deutschland stellt sowohl ein Ernährungs- als auch ein Bewegungsproblem dar“, macht die DGE in ihrem Ernährungsbericht 2004 deutlich. „Eine Steigerung der körperlichen Aktivität (…) könnte auch helfen, viele Ernährungsziele ohne einschneidende Ernährungsumstellungen zu erreichen, da bei erhöhter körperlicher Aktivität die Energiebilanz leichter ausgeglichen gestaltet werden kann“.

Bewegungsmuffel sollten unbedingt ihre Ernährungsweise überdenken. Fettreiche Kost, insbesondere mit hohem Anteil an gesättigten Fettsäuren meiden und „nährstoffdichte“ Lebensmittel wie Gemüse, Obst und Vollkornprodukte mit hohem Ballaststoffgehalt bevorzugen, so lautet der Rat zur Vorbeugung von übergewicht. Eine hohe Nährstoffdichte ist zudem gewährleistet, wenn die Zuckerzufuhr z. B. über gesüßte Getränke, Süßwaren, Kuchen usw. reduziert wird.

1Nach Empfehlungen der World Health Organisation (WHO) sollte die Zufuhr verschiedener Zuckerarten auf maximal 10 % der Energiezufuhr beschränkt sein.


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