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Presseinformation: Presse, DGE aktuell, 2008 12/2008 vom 18.11.2008
DGE aktuell

Gender & Ernährung – männlich, weiblich, anders?

Ernährungsphysiologische Differenzen zwischen Mann und Frau


(dge) Frauen sind nicht nur anders als Männer, sie essen und trinken auch anders. Oder sollten es jedenfalls. Aufgrund geringerer Muskel- und größerer Körperfettmasse verbrauchen Frauen pro Stunde nur 55,8 kcal, Männer hingegen 72,5 kcal. Bei gleichem Körpergewicht dürfen Männer daher mehr essen als Frauen. Umgerechnet auf die Durchschnittsdeutschen bedeutet das bei niedriger körperlicher Aktivität – einen Mehrbedarf des Mannes an Energie von durchschnittlich 500 Kalorien (kcal) am Tag.

Aber wie sieht es in der Realität aus? Essen Männer mehr und anders als Frauen? Die aktuellen Ergebnisse aus der Nationalen Verzehrsstudie II bestätigen, dass Männer tatsächlich durchschnittlich 166 g mehr Lebensmittel am Tag essen. Besonders auffällig sind die Unterschiede beim Verzehr von Fleisch, Wurstwaren und Fleischerzeugnissen. Männer essen doppelt so viel Fleisch wie Frauen, pro Tag nämlich 103 g Fleisch und Wurstwaren. Bei Frauen landen nur 53 g auf dem Teller. Interessanterweise sind die Unterschiede bereits im Kindesalter vorhanden. Männer verzehren auch mehr Milch und Milchprodukte als Frauen. Bei beiden Geschlechtern nimmt der Verzehr jedoch mit zunehmendem Alter ab. Absolut gesehen essen Männer weniger pflanzliche Lebensmittel als Frauen, wobei Frauen vor allem mehr Obst essen und zwar im Durchschnitt eine Obstmenge, die in etwa einer Kiwi am Tag entspricht. Damit werden die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) für den Obstverzehr von 250 g pro Tag von Frauen relativ gut erreicht. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern beim Obstverzehr ist ebenfalls bereits in der Kindheit vorhanden und bleibt bis ins hohe Alter erhalten. In Bezug auf Gemüse sind die Unterschiede eher gering. Es besteht lediglich eine Differenz von 20 g, das entspricht in etwa einem Radieschen. Auch für Brot und Getreideprodukte sind die Unterschiede eher marginal.

„Neben der Quantität unterscheidet sich aber auch die Qualität der Lebensmittel zwischen den Geschlechtern. Männer sind seltener Vegetarier, trinken weniger Kräuter- und Früchtetees, dafür aber mehr Limonade und Alkohol“ sagt Dr. Annett Hilbig vom Max Rubner-Institut auf dem Journalistenseminar „Gender und Ernährung – männlich, weiblich, anders?“ der DGE in Hamburg zu den Geschlechterunterschieden.

Hintergrundinformation

Frauen benötigen aufgrund ihres geringeren Energiebedarfs eine höhere Nährstoffdichte, also nährstoffreichere Lebensmittel mit geringerem Energiegehalt, um die Versorgung mit essenziellen Nährstoffen sicherzustellen. Denn bei einigen Nährstoffen wie Vitamin C, Vitamin B12, Calcium oder Jod muss die Frau bei geringerem Energiebedarf die gleiche Menge Nährstoffe aufnehmen wie der Mann. Hinzu kommt ein erhöhter Nährstoffbedarf während Schwangerschaft und Stillzeit.

Generell beruht die Ableitung von Empfehlungen und Schätzwerten für die Nährstoffe auf unterschiedlichen Kenngrößen. Während bestimmte essenzielle Nährstoffe wie die Vitamine B1, und B2 auf den Richtwert für die Energiezufuhr bezogen sind, richten sie sich bei Vitamin K und Protein nach der Körpermasse und bei Vitamin B6 nach der empfohlenen Proteinzufuhr. In absoluten Zufuhrzahlen ausgedrückt bedingt das für diese Nährstoffe höhere Nährstoffempfehlungen bzw. Richtwerte für den Mann.

Bei anderen Nährstoffen bedingen physiologische Unterschiede unterschiedliche Zufuhrwerte. So hat die Frau aufgrund der Blutverluste im gebärfähigen Alter einen höheren Eisenbedarf, beim Mann schlagen sich die höheren Verluste von Zink über den Schweiß in unterschiedlichen Zufuhrempfehlungen nieder. Die als tolerabel angesehene Alkoholzufuhr ist beim Mann höher als bei der Frau, wie sich in zahlreichen epidemiologischen Studien gezeigt hat.

Praktisch bedeutet das für Frauen, dass sie mehr pflanzliche Lebensmittel, weniger tierische und außerdem fettärmere Produkte essen sollten, was sie nach den Ergebnissen der Nationalen Verzehrsstudie II auch tatsächlich tun. Dabei macht es Sinn, fettreiche Lebensmittel gegen vergleichbare fettarme Lebensmittel auszutauschen, also z. B. anstelle der fettreichen Ölsardine mit 34 g Fett pro 100 g den mit 14 g/100g Fett fettärmeren Brathering. Auch bei Gemüse und Obst gibt es deutliche Unterschiede. So ist der Blumenkohl in puncto Energiegehalt den Erbsen überlegen, die Banane mit 0,9 kcal pro Gramm ist ein – verglichen mit Äpfeln, die 0,5 kcal pro Gramm Energie mitbringen – vergleichsweise energiereiches Obst.


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