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Lebensphasen

Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit

Während der Schwangerschaft und Stillzeit werden die Weichen für ein neues Leben gestellt. Deshalb ist in dieser Zeit eine ausgewogene Ernährung besonders wichtig. Sie wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden der Mutter und auf die optimale Entwicklung und Gesundheit des Kindes aus. Und das nicht nur kurzfristig, sondern auch noch lange über Schwangerschaft und Stillzeit hinaus.
  • Eine ausgewogene Ernährung vor und in der Schwangerschaft sowie in der Stillzeit wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden der Mutter und auf die optimale Entwicklung und Gesundheit des Kindes aus – auch noch lange über Schwangerschaft und Stillzeit hinaus.
  • Der Mehrbedarf an Nährstoffen kann mit wenigen Ausnahmen wie Folsäure und Jod über eine ausgewogene Ernährung gedeckt werden.
  • Muttermilch ist in den ersten 4 bis 6 Monaten die beste Nahrung für den Säugling.
  • Stillende können, mit Ausnahme von Jod, den Mehrbedarf an Energie, Vitaminen und Mineralstoffen mit Ausnahme von Jod infolge der Milchbildung mit einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung decken.

Die ersten 1 000 Tage, also von der Schwangerschaft bis zum zweiten Geburtstag des Kindes, prägen die Gesundheit des Kindes, der Mutter und der Familie. Auch die Zeit vor der Schwangerschaft spielt eine entscheidende Rolle. Deshalb ist in diesem Zeitraum eine gesunde Lebensweise mit einer ausgewogenen Ernährung, regelmäßigen Bewegung und weiteren gesundheitsrelevanten Aspekten besonders wichtig. Die bundesweit einheitlichen Handlungsempfehlungen fassen wichtige Botschaften zu Ernährung, Bewegung und weiteren Gesundheitsaspekten vor und während der Schwangerschaft zusammen. PD Dr. Ute Alexy, Mitglied des Wissenschaftlichen Präsidiums der DGE, war an der Erarbeitung der Handlungsempfehlungen beteiligt. Sie ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Netzwerks.

Das Netzwerk „Gesund ins Leben“ hat im Juli 2026 aktualisierte Handlungsempfehlungen „Ernährung, Bewegung und weitere Gesundheitsaspekte vor und während der Schwangerschaft“ veröffentlicht. 

Ernährung vor und während der Schwangerschaft

Eine schwangere Frau bereitet in der Küche einen frischen grünen Salat zu.

Energie und Nährstoffbedarf in der Schwangerschaft

Schwangere Frauen sollen vor allem auf die Qualität ihrer Ernährung achten. Für die meisten ist es nicht notwendig, dass sie die Energiezufuhr im Verlauf der Schwangerschaft steigern. Insbesondere Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft übergewichtig oder adipös waren, sollten ihre Energiezufuhr nicht erhöhen. Im Verhältnis zum Energiebedarf steigt der Bedarf an einzelnen Vitaminen und Mineralstoffen einschließlich Spurenelementen in der Schwangerschaft deutlich stärker. Mit dem DGE-Referenzwerte-Tool kann man sich die für Schwangere empfohlenen Mengen für die tägliche Zufuhr von Energie und Nährstoffen filtern und anzeigen lassen.

Ernährungsweise

Der Mehrbedarf an Nährstoffen lässt sich mit wenigen Ausnahmen über eine ausgewogene Ernährung decken. Ideal ist eine pflanzenbetonte und abwechslungsreiche Ernährung vor und in der Schwangerschaft, die sich bei der Lebensmittelauswahl an den DGE-Ernährungsempfehlungen für gesunde Erwachsene orientiert. Alkoholhaltige Getränke sollen in der Schwangerschaft nicht konsumiert werden und koffeinhaltige Getränke nur in moderaten Mengen. Ebenso sollte auf chininhaltige Getränke (z. B. Bitter Lemon oder Tonic Water) verzichtet werden. Zum Schutz vor Infektionen durch Lebensmittel gibt es noch weitere Empfehlungen für Schwangere, z. B. keine rohen tierischen Lebensmittel zu essen und Tiefkühlbeeren sowie Sprossen nur zu verzehren, wenn sie stark erhitzt wurden.

Vegetarische und vegane Ernährung

Eine ausgewogene vegetarische Ernährung mit Verzehr von Milch(produkten) und Eiern (ovo-lakto-vegetarisch) kann grundsätzlich auch in der Schwangerschaft den Bedarf an den meisten Nährstoffen decken. Zur Absicherung ist eine Ernährungsberatung durch qualifizierte Fachkräfte zu empfehlen. Zusätzlich zu Jod und Folsäure sollten Schwangere, die sich vegetarisch ernähren, auch Docosahexaensäure (DHA) supplementieren.

Bei einer veganen Ernährung in der Schwangerschaft soll eine adäquate Supplementierung von Nährstoffen – neben Jod und Folsäure auch Vitamin B12 und DHA und bei Bedarf ggf. weitere Mikronährstoffe – erfolgen, um einem Nährstoffmangel und daraus folgenden Schädigungen der kindlichen Entwicklung vorzubeugen. Die Versorgung mit potenziell kritischen Nährstoffen soll ärztlich überprüft werden und eine Ernährungsberatung durch qualifizierte Fachkräfte erfolgen. Aufgrund der weiterhin eingeschränkten Datenlage kann die DGE weder eine eindeutige Empfehlung für noch gegen eine vegane Ernährung aussprechen. Weitere Informationen bietet das DGE-Positionspapier „Neubewertung der DGE-Position zu veganer Ernährung“ von 2024. 

Supplemente

Vor und während der Schwangerschaft ist es für einen gesunden Schwangerschaftsverlauf erforderlich, einzelne Nährstoffe zu ergänzen. Zu den kritischen Nährstoffen während der Schwangerschaft zählen Folsäure, Jod, DHA (Docosahexaensäure), Vitamin D und Eisen.

Folsäure: Frauen mit Kinderwunsch sollen zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung 400 µg Folsäure pro Tag bzw. eine äquivalente Menge anderer Folate supplementieren. Die Einnahme soll ab Kinderwunsch beginnen und bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche fortgesetzt werden. Frauen, die mit der Supplementierung von Folsäure nicht mindestens vier Wochen vor der Empfängnis begonnen haben, sollen 800 µg Folsäure pro Tag bzw. eine äquivalente Menge anderer Folate bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche einnehmen.

Jod: Schwangere sollten zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung mit Jodsalz täglich ein Supplement mit 100 bis 150 µg Jod über die gesamte Zeit der Schwangerschaft einnehmen. Bei Schilddrüsenerkrankungen sollte vor der Supplementierung Rücksprache mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt erfolgen.

DHA (Docosahexaensäure): Schwangere sollen täglich 200 mg DHA zuführen. Diese Menge können sie mit fettreichem Meeresfisch 1- bis 2-mal pro Woche oder alternativ über die Einnahme eines Supplements erreichen.

Vitamin D: Um eine gute Vitamin-D-Versorgung durch körpereigene Bildung sicherzustellen, genügt es, Gesicht, Hände und Arme unbedeckt und ohne Sonnenschutz 2- bis 3-mal pro Woche für die Hälfte der Zeit, in der man sonst ungeschützt einen Sonnenbrand bekommen würde, der Sonne auszusetzen. Beispielsweise bedeutet dies für Menschen mit Hauttyp II bei hohen sonnenbrandwirksamen UV-Bestrahlungsintensitäten (UV-Index 7) rein rechnerisch eine Bestrahlungszeit von circa 12 Minuten. Ein Sonnenbrand soll auf jeden Fall vermieden werden. Bei Schwangeren, die sich bei Sonne selten draußen aufhalten oder ihre Haut weitgehend bedecken bzw. vor Sonne schützen, und bei dunkler Hautfarbe ist mit einer geringen oder fehlenden Vitamin-D-Eigensynthese zu rechnen. Sie sollten täglich 20 μg (800 IE) Vitamin D supplementieren.

Eisen: Eine gezielte Eisensupplementierung zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung soll nur nach einem laborchemisch diagnostizierten Eisenmangel erfolgen.

Quelle: Alaze-Hagemann F, Reiss K, Rybak C: Aktualisierte Handlungsempfehlungen für die Zeit vor und während der Schwangerschaft. DGE-Wissen 7/2026, S. 108-111

Ernährung in der Stillzeit

Ein Baby wird gestillt.

Die Stillzeit stellt besondere Anforderungen an die Ernährung der Mutter, denn neben ihrer eigenen Nährstoffversorgung ist auch die Versorgung des Säuglings mit allen für Wachstum und Entwicklung erforderlichen Nährstoffen über die Muttermilch zu gewährleisten. Stillen ist das Beste für Mutter und Kind: Die Zusammensetzung der Muttermilch ist an die kindlichen Bedürfnisse angepasst. Sie ist hygienisch einwandfrei, richtig temperiert, immer verfügbar und kostet nichts. Darüber hinaus kann Stillen die emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind fördern und sich positiv auf die Gesundheit der Mutter auswirken. Stillende Frauen haben ein geringeres Risiko für Eierstock- und Brustkrebs und die Gebärmutter bildet sich schneller zurück.  

Hinweis

Die Empfehlungen zur Stilldauer wurden in der S3-Leitlinie Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung von 2026 geändert. Die Leitlinie empfiehlt, reifgeborene Kinder in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich oder überwiegend zu stillen. Darüber hinaus wird eine Gesamtstilldauer von mindestens zwölf Monaten empfohlen.

Die Handlungsempfehlungen für Säuglinge und Stillende Frauen des Netzwerks Gesund ins Leben werden daher gegenwärtig überarbeitet (Stand Juli 2026).

Energie- und Nährstoffbedarf

In der Stillzeit ist der Bedarf an Energie, Protein, Vitaminen und Mineralstoffen infolge der Milchbildung erhöht. Die für Stillende empfohlenen Mengen für die tägliche Zufuhr von Energie und Nährstoffen lassen sich mit dem DGE-Referenzwerte-Tool anzeigen. Mit einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung können stillende Frauen den Mehrbedarf an Nährstoffen mit wenigen Ausnahmen decken. Die Lebensmittelauswahl kann sich an den DGE-Ernährungsempfehlungen für Erwachsene orientieren.

Der Energiebedarf in der Stillzeit ist abhängig von der Intensität und Dauer des Stillens. Für Frauen, die ausschließlich während der ersten 4 bis 6 Lebensmonate des Säuglings stillen, werden zusätzlich 500 Kilokalorien am Tag zugrunde gelegt. Bei der täglichen Ernährung sollten Stillende aufgrund des Flüssigkeitsverlusts durch die Frauenmilch darauf achten, über den Tag verteilt genügend zu trinken, z. B. 1 Glas Wasser zu jeder Stillmahlzeit. Auf alkoholische Getränke ist auch während der Stillzeit zu verzichten, denn Alkohol geht in die Frauenmilch über.

Supplemente

Die während des Stillens mit der Frauenmilch abgegebene Menge an Jod muss ersetzt werden. In der Stillzeit steigt die empfohlene Jodzufuhr auf 260 μg pro Tag. Damit wird einer Jodunterversorgung der Mutter vorgebeugt und dem Kind ausreichend Jod über die Muttermilch zur Verfügung gestellt. Während der Stillzeit sollten Frauen zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung mit jodiertem Speisesalz ein Supplement mit 100 μg Jod pro Tag einnehmen.

Wie Schwangere sollten auch Stillende im Durchschnitt täglich mindestens 200 mg DHA aufnehmen. Dies kann mit 2 Portionen Fisch pro Woche, mindestens eine davon fettreicher Meeresfisch, erreicht werden. Stillende Frauen, die nicht regelmäßig Fisch verzehren, können die Zufuhr dieser Omega-3-Fettsäure über Supplemente erreichen.

Vegetarische und vegane Ernährung

Eine vegetarische Ernährung mit Verzehr von Milch(-produkten) und Eiern (ovo-lakto-vegetarisch) kann bei gezielter Lebensmittelauswahl auch in der Stillzeit eine ausreichende Nährstoffzufuhr gewährleisten. Aufgrund der weiterhin eingeschränkten Datenlage kann die DGE weder eine eindeutige Empfehlung für noch gegen eine vegane Ernährung aussprechen. Zusätzliche Supplemente mit Vitamin B12 und ggf. weiteren potenziell kritischen Nährstoffen sowie eine ausgewogene und gut geplante Lebensmittelauswahl mit einem gezielten Einsatz nährstoffdichter Lebensmittel sind von noch größerer Bedeutung als in der gesunden erwachsenen Allgemeinbevölkerung. Jod ist unabhängig von der Ernährungsweise zu supplementieren. Für eine entsprechende Umsetzung ist eine Ernährungsberatung durch qualifizierte Fachkräfte dringend angeraten. 

Quellen: 

Abou-Dakn M, Abou-Omar K, Alaze-Hagemann F et al. Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden Frauen 2024. Teilaktualisierte Handlungsempfehlungen des bundesweiten Netzwerks Gesund ins Leben. Monatsschr Kinderheilkd 2024, 172,  doi.org/10.1007/s00112-024-02014-7

Klug A, Barbaresko J, Alexy U, Kühn T, Kroke A, Lotze-Campen H, Nöthlings U, Richter M, Schader C, Schlesinger S, Virmani K, Conrad J, Watzl B on behalf of the German Nutrition Society (DGE): Update of the DGE position on vegan diet – Position statement of the German Nutrition Society (DGE). Ernahrungs Umschau 2024; 71(7): 60–84. + eSupplement