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Heilfasten

Heilfasten hat eine jahrtausendalte Tradition und soll der Reinigung von Körper, Geist und Seele dienen. Heilfasten wird von Gesunden, zum Einstieg in eine Gewichtsabnahme sowie bei bestimmten Krankheiten angewendet.

Das Heilfasten ist eine Fastenform, die auf den Arzt Otto Buchinger (1878 – 1966) zurückgeht. Diese Fastenmethode kann sowohl zur Gesundheitsprävention als auch zur Therapie bei bestimmten Krankheiten angewendet werden. Im Gegensatz zum totalen Fasten wird dem Körper beim Heilfasten eine geringe Menge Energie zugeführt. Heilfasten wirkt laut Buchinger nicht nur auf der medizinischen Ebene, sondern auch auf psychosozialer und spiritueller Ebene. Diese 3 Dimensionen bilden zusammen eine nicht zu trennende Einheit. Buchinger sprach daher auch von einer „Diät der Seele“ während des Fastens. Der Fastende soll sich schönen Dingen wie Musik, Büchern, Natur und Meditation widmen und Medienkonsum sowie täglichen Stress meiden.

Um den erfolgreichen Einsatz des Fastens zu gewährleisten, sollte das Fasten von Ärzten oder Therapeuten betreut werden, die für die Fastentherapie zertifiziert sind. Seit 1996 können Ärzte und Ärztinnen im Rahmen eines Curriculums zum Erwerb des Weiterbildungszertifikates „Fastenärztin/Fastenarzt“ der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung e. V. eine ausgewiesene Qualifikation erwerben.

Eine Klassifikation des Heilfastens kann zum einen anhand des Gesundheitszustands erfolgen (therapeutisches Fasten, präventives Fasten, Fasten für Gesunde) oder auch nach Art der Betreuung (stationär mit Begleitung durch Ärzte in Kliniken, Fasten außerhalb der Klinik mit ärztlicher Betreuung, Fasten-Betreuung durch Fastenleiter).

Ablauf einer Heilfastenkur

Das traditionelle Buchinger-Fasten beginnt am Tag vor der Fastenkur mit einer Energiereduktion auf etwa 1 000 kcal/d. Die Zufuhr von Koffein, Alkohol und Nikotin wird spätestens zu diesem Zeitpunkt eingestellt. Mäßige bis normale körperliche Aktivität wird ebenso empfohlen wie eine emotionale Vorbereitung auf das Fasten (Stressvermeidung, mehr Ruhe). Die Fastentherapie sollte laut Leitlinien zur Fastentherapie am besten in einer Gruppe unter ärztlicher Betreuung durchgeführt werden.

Zu Beginn des ersten Fastentages erfolgt für die „Darmreinigung“ die Einnahme von 1 Liter Wasser mit 30 – 40 g Glaubersalz innerhalb von 20 Minuten. Der Geschmack kann mit Zitronensaft verbessert werden. Nach 30 Minuten wird eine weitere Flüssigkeitsmenge von 0,5 – 1,0 Liter (Wasser oder Tee) aufgenommen.

Während der Fastentage erfolgt eine tägliche Zufuhr von:

  • Gemüsebrühe (0,25 l),
  • Obst- oder Gemüsesäften (0,25 l) (möglichst frisch gepresst) und
  • Honig (30 g) sowie
  • täglich mindestens 2,5 l Flüssigkeit durch Kräutertee oder Wasser.

Die maximal erlaubte Energiezufuhr liegt bei 250 – 500 kcal/d. Für länger anhaltende Fastenkuren ist auch die Zufuhr von Buttermilch erlaubt (Fahrner 1991).

Nach Buchinger beträgt die optimale Fastendauer 2 – 4 Wochen, wobei individuelle Aspekte berücksichtigt werden sollten. Häufig sind kürzere Fastenzeiten leichter zu realisieren oder werden aus medizinischen Gründen bevorzugt. Vor allem Gesunde, die nicht aus therapeutischen Gründen fasten, profitieren auch von kürzeren Phasen. Längere Fastenperioden – bis zu 6 Wochen – können bei bestimmten Indikationen angezeigt sein. Die Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung (ÄGHE) empfiehlt, für eine Heilfastenkur als Standarddauer 7 – 10 Tage plus 1 Vorbereitungstag und danach 3 Tage zur Normalisierung des Essverhaltens einzuplanen.

Das Fasten endet typischerweise mit dem sogenannten Fastenbrechen. Dazu isst der Fastende langsam einen rohen reifen oder gekochten Apfel. Abends gibt es eine Kartoffelsuppe. Der Kostaufbau nach dem Fastenbrechen (refeeding) besteht in einer leichten ovo-lacto-vegetarischen Kost (aus frischen Bio-Produkten), die ballaststoffreiche Lebensmittel, vermehrt ungesättigte Fette (kalt gepresste Pflanzenöle) und nur wenige gesättigte Fette enthält. Die Lebensmittel sollten langsam und bewusst gekaut werden. Am ersten Tag werden dem Körper etwa 800 kcal zugeführt, am zweiten ca. 1 000 kcal, am dritten ca. 1 200 kcal und am vierten ca. 1 600 kcal. Zwischen den Mahlzeiten benötigen die Fastenden weiterhin viel Flüssigkeit. Spontane Darmbewegungen und Stuhlgang sollten spätestens am vierten Tag auftreten.

Heilfasten – ein Überblick über die wissenschaftliche Studienlage

Für folgende Krankheiten gibt es vorteilhafte Effekte des Fastens:

  • Metabolisches Syndrom
  • chronische Entzündungen
  • chronische kardiovaskuläre Krankheiten
  • chronische Schmerzzustände
  • atopische Krankheiten
  • psychosomatische Krankheiten.

Für die Behandlung der rheumatoiden Arthritis besteht eine Level 1-Evidenz durch eine systematische Übersichtsarbeit aus randomisierten Studien (Müller et al. 2001).

Vorläufige Evidenz aus kleineren, nichtrandomisierten Studien oder Beobachtungsstudien bestehen für das Metabolische Syndrom, Osteoarthritis, Fibromyalgie, Bluthochdruck, chronische Schmerzen des Bewegungsapparates, Migräne, Unterstützung bei der Umstellung des Lebensstils, psychisches Wohlbefinden, Unterstützung der Chemotherapie und Besserung der Stimmung (zusammengefasst in Wilhelmi de Toledo et al. 2013).

Der Wunsch des Patienten, zu fasten, ist ein wichtiger Bestandteil für den Erfolg der Therapie. Auch die Erfahrung des Arztes bestimmen über den Erfolg.

Während des Fastens können folgende Nebenwirkungen auftreten:

  • leichte Kreislaufbeschwerden
  • milde Hypoglykämie
  • Elektrolytstörungen,
  • Hyponatriämie
  • Kopfschmerzen, Migräne
  • akute Rückenschmerzen
  • Muskelkrämpfe
  • vorübergehend schlechteres Sehvermögen
  • vorübergehende Flüssigkeitsretention
  • Veränderungen im Schlafverhalten

Zu einem Abbruch der Heilfastentherapie wird geraten, wenn keine Compliance des Fastenden vorliegt, Herzrhythmusstörungen, Magenprobleme und Reflux auftreten, ernste Elektrolytstörungen (K+ < 3,0 mmol/l oder Na+ < 125 mmol/l oder Cº < 90 mmol/l) oder ein Kreislaufkollaps (HF < 45/min, RRsys < 70 mm Hg und/oder RRdia < 40) auftritt. Bei der Einnahme bestimmter Medikamente müssen ggfls. Anpassungen in der Dosierung erfolgen. Dazu zählen nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), systemische Corticoide, Antihypertensiva (v. a. Betablocker und Diuretika), Medikamente gegen Diabetes mellitus, Kontrazeptiva (abgeschwächte Wirkung), Antikoagulanzien, Psychopharmaka (v. a. Neuroleptika und Lithium) sowie Antiepileptika.

Fazit und ernährungswissenschaftliche Bewertung

Medizinisches Fasten (Fastentherapie) hat in Europa eine lange Tradition und ist als klar definierter therapeutischer Ansatz in speziellen Fastenkliniken oder in klinischen Abteilungen für integrative Medizin etabliert. Im Jahr 2002 wurden erstmals Richtlinien zur Fastentherapie veröffentlicht (Wilhelmi de Toledo et al. 2002). Eine Expertengruppe überarbeitete und aktualisierte die Fassung 2013 (Wilhelmi de Toledo et al. 2013).

Diese Richtlinien empfehlen das Heilfasten sowohl präventiv für Gesunde als auch bei bestimmten Krankheiten wie rheumatoider Arthritis oder dem Metabolischem Syndrom zur Besserung des Gesundheitszustands.

Entscheidend für den Erfolg einer Heilfastentherapie ist neben der Compliance des Fastenden vor allem die Unterstützung durch erfahrene Fastenärzte bzw. speziell geschulte Fastenleiter. Individuelle Probleme wie beispielsweise medikamentöse Anpassungen sind in jedem Fall zu berücksichtigen.

Für eine Gewichtsabnahme ist das Heilfasten nur bedingt zu empfehlen. Es kann aber möglicherweise einen Einstieg in eine Ernährungsumstellung darstellen.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Heilfasten, Basenfasten, Intervallfasten – ein Überblick. DGEinfo (2/2018) 18-25

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