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Brigitte-Diät

 

Die sogenannte „Brigitte-Diät“ wurde 1969 von der Redaktion der Frauenzeitschrift „Brigitte“ in Zusammenarbeit mit Ernährungsexperten und Ärzten konzipiert. In den darauffolgenden knapp 50 Jahren wurde die Brigitte-Diät mehrfach überarbeitet und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst.

Die Brigitte-Diät soll neben einer Gewichtsabnahme vor allem eine Änderung der Essgewohnheiten herbeiführen. Die Rezepte orientieren sich an den Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE), die für eine Gewichtsabnahme und -stabilisierung eine vollwertige und ausgewogene Mischkost empfiehlt.

Im Jahr 2012 rief die Brigitte eine Diätwende aus, um neue Erkenntnisse aus der Ernährungswissenschaft und Stoffwechselforschung zu berücksichtigen. Seitdem werden in der Diät auch bestimmte zeitliche Abstände zwischen den Mahlzeiten („Stundenformel“), proteinreiche Mahlzeiten mit geringem Fettgehalt („Fatburnkick“) und Lebensmittel mit geringer Energiedichte („Kalorienbremse“) berücksichtigt.

Die Brigitte-Diät erscheint mehrmals im Jahr mit verschiedenen saisonalen Rezepten. Neben den Rezepten in der Zeitschrift sind auch „Brigitte“-Bücher erhältlich wie etwa eine Kochschule mit Tipps zur kalorienarmen Zubereitung von Mahlzeiten. Zudem stehen im Internet (www. brigitte.de) Informationen über die Diät bereit. Ein kostenpflichtiger Brigitte-Diät-Coach ergänzt das Angebot durch Einkaufslisten und individuelle Speise- und Sportpläne. Unterstützung gibt es auch in digitaler Form, mit einem Online-Portal zum Download von Einkaufs- und Vorratslisten und einer Smartphone-App mit Rezepten.

Ganz neu ist die 2018 entwickelte Brigitte-Flexi-Diät mit den vier Programmen „Genuss“, „Easy“, „Boost“ und „Coach“. Im klassischen „Genuss“-Programm werden im Zwei-Wochen-Abnehmprogramm die zur Auswahl stehenden Rezepte zubereitet. Wer die Zeit nicht aufbringen kann oder will, kann die Brigitte-Diät mit dem „Easy“-Programm und „Meal Preps“ (vorgekochten To-go-Gerichten) noch einfacher an den Alltag anpassen. Das „Boost“-Programm beinhaltet im Zwei-Wochen-Diät-Plan regelmäßige Fastenphasen. Und wer die Gewichtsabnahme mit Workouts und Experten-Beratung begleiten möchte, erhält mit dem „Coach“-Programm ein digitales Rundum-Paket im neuen Online-Portal.

 

Ablauf der Brigitte-Diät

In der derzeitigen Brigitte-Diät sind Rezepte für Frühstück, Mittagessen und Abendessen verfügbar, die frei miteinander kombiniert werden können. Zudem werden Einkaufslisten für sieben oder 14 Tage bereitgestellt. Für die Zubereitung der Rezepte wird täglich etwa eine Stunde Zeit einkalkuliert. Die Rezepte enthalten für Frauen 1 200 kcal (1 400 kcal für sportlich aktive Frauen) pro Tag und jeweils 300 kcal mehr für Männer.

Die Zusammensetzung der Brigitte-Diät sieht folgendermaßen aus: Sie enthält viel „hochwertiges“ Protein, das die Konzentration an Blutglucose konstant halten und daher lange sättigen soll. Bei den Kohlenhydraten sind vor allem die als „Slow Carbs“ bezeichneten Ballaststoffe zu nennen, die nur wenig Energie enthalten und vor Heißhunger schützen sollen. Als Fette werden aufgrund der günstigen Fettsäurezusammensetzung Oliven- und Rapsöl, Nüsse, fetter Fisch und Avocados empfohlen. Sie sind Geschmacksträger und sättigen lange. Zudem schützen sie das Herz-Kreislauf-System und hemmen Entzündungsprozesse im Körper. Der Fettgehalt der Diät beträgt maximal 40 g pro Tag.

 

Die Regeln der Brigitte-Diät

  • Die Stundenformel 4–4-10:
    Für den Abbau von Körperfett sind längere Pausen zwischen den Mahlzeiten empfehlenswert. Idealerweise werden tagsüber zwischen den Mahlzeiten mindestens vier Stunden und nachts mindestens zehn Stunden Esspause eingehalten. Dadurch soll das häufig energiereiche „Snacking“ wegfallen.
  • Der „Fatburn-Kick“: Proteinreiche Mahlzeiten mit wenig Kohlenhydraten fördern den Fettabbau und sättigen besonders gut. Der Verzicht auf leicht verdauliche Kohlenhydrate wie Zucker, Stärke und Weißmehl soll das Abnehmen erleichtern.
  • Die „Kalorienbremse“: Für eine gute Sättigung werden Lebensmittel und Mahlzeiten empfohlen, die eine geringe Energiedichte (ED) aufweisen. Diese weisen pro Gramm nur wenig Energie auf, reduzieren die Konzentration an Blutglucose und verhindern Heißhungerattacken. Anhand der Energiedichte lässt sich leicht erkennen, ob ein Lebensmittel oder Gericht ernährungsphysiologisch zu empfehlen ist. Lebensmittel mit einer ED bis 1,5 (1,5 kcal/g) dürfen reichlich verzehrt werden. Lebensmittel mit einer ED bis 2,5 sind nur in Maßen und in Kombination mit Lebensmitteln mit niedriger ED zu verzehren. Lebensmittel mit einer hohen ED (> 2,5) sollten dagegen nur in sparsamen Mengen auf dem Speiseplan stehen. Die ED lässt sich leicht ausrechnen, indem der Energiegehalt pro 100 g (kcal/100 g) durch 100 geteilt wird.

Weitere Tipps der Brigitte-Diät umfassen langsames und bewusstes Essen, gründliches Kauen und das Meiden von Ablenkung durch Medien. Neben der Ernährung wird auch viel Wert auf die richtigen Getränke gelegt. Mindestens zwei Liter pro Tag sollten in Form von Wasser, ungesüßtem Früchte-, Ingwer- oder Kräutertee aufgenommen werden. Ein Glas Wasser vor jeder Mahlzeit soll den Hunger dämpfen. Ein weiterer wichtiger Punkt im Rahmen der Diät ist ausreichend körperliche Aktivität.

Die Brigitte-Diät ­ ein Überblick über die wissenschaftliche Studienlage

Laut der Interdisziplinären Leitlinie der Qualität S3 zur „Prävention und Therapie der Adipositas“ gilt vermehrte Bewegung in Kombination mit einer energiereduzierten Kost als optimale Lebensstiländerung zur Gewichtsreduktion. Dieser Ansatz wird im Konzept der Brigitte-Diät berücksichtigt. Sie basiert auf den Ernährungsempfehlungen der DGE und kombiniert eine Energiereduktion mit vermehrter körperlicher Aktivität. Eine solche mäßig energiereduzierte Mischkost wird von verschiedenen medizinischen Fachgesellschaften wie der Deutschen Adipositas-Gesellschaft als „erfolgreichste, nebenwirkungsfreie Standardtherapie“ beschrieben.

Das Ausmaß der Energiebegrenzung hängt dabei allerdings von der individuellen Situation ab. Wird neben einer Begrenzung des Fettanteils in den Mahlzeiten auch der Verzehr von Kohlenhydraten und Eiweiß reduziert, kann ein Energiedefizit von 500 bis 800 kcal pro Tag erreicht werden. Dies ist beispielsweise bei der Brigitte-Diät der Fall. Damit gelingt eine Gewichtsreduktion von im Mittel 5,1 kg in einem Zeitraum von zwölf Monaten (Hauner et al. 2004).

In der Adipositas-Leitlinie empfehlen die Autoren zur Prävention von Übergewicht und Adipositas, den Verzehr von Lebensmitteln mit hoher Energiedichte zu reduzieren und gleichzeitig den mit geringer Energiedichte zu erhöhen (DAG 2014). Auch die DGE kommt in einer Stellungnahme zu dem Schluss, dass Maßnahmen zur Gewichtskontrolle die Energiedichte der Nahrung berücksichtigen sollten (Bechthold 2014). Die Strategie zur Reduktion der Energiedichte der Ernährung besteht in einem erhöhten Konsum wasser- und ballaststoffreicher Lebensmittel wie Gemüse und Obst und einem niedrigen Konsum von fettreichen Lebensmitteln und Lebensmitteln mit zugesetztem Zucker bzw. energieliefernden Getränken wie Alkoholika, Säften und Nektaren sowie zuckergesüßten Erfrischungsgetränken. Auch dieser Aspekt wird bei der Brigitte-Diät berücksichtigt.

Fazit und ernährungswissenschaftliche Bewertung

Das Konzept der Brigitte-Diät kann den Einstieg in eine langfristige Ernährungsumstellung erleichtern. Vor allem die Kombination einer ausgewogenen und vollwertigen Mischkost mit ausreichend körperlicher Aktivität kann so auch dauerhaft zu einer erfolgreichen Gewichtsabnahme und -stabilisierung führen. Die Gewichtsabnahme erfolgt in der Brigitte-Diät über die reduzierte Gesamtenergiemenge.

Die Rezepte der Brigitte-Diät enthalten alle wichtigen Nährstoffe in ausreichender Menge. Daher kann die Diät auch ohne das Risiko eines Nährstoffmangels über längere Zeit durchgeführt werden.

Die detaillierten Speisepläne bieten übergewichtigen Personen Orientierung für Planung, Einkauf und Zubereitung von Mahlzeiten. Berufstätigkeit und Zeitmangel beim Zubereiten von Lebensmitteln werden vor allem in der aktuellen Diät-Ausgabe berücksichtigt. Die verschiedenen Möglichkeiten der Unterstützung in Form von Rezepten, Büchern, digitalen Medien und Coaching gehen auf verschiedene individuelle Bedürfnisse ein.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Brigitte-Diät, Weight Watchers-Diät, ICH nehme ab – ein Überblick. DGEinfo (6/2018) 90-95

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