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Basenfasten

Als Basenfasten wird das Fasten mit Obst und Gemüse bezeichnet. Ziel des Basenfastens ist neben der Gewichtsabnahme vor allem eine „Entsäuerung“ des Körpers. Das Basenfasten wird häufig in der Alternativmedizin angewendet und von seinen Anhängern als heilend und gesundheitsfördernd bezeichnet.

Die Hypothese des Basenfastens beruht darauf, dass der Säure-Basen-Haushalt des Körpers eine wichtige Bedeutung für die Gesundheit hat. Eine Übersäuerung des Körpers, die durch hohe Mengen an „Zivilisationskost“ wie Proteinen, Zucker, Kaffee und Weißmehl entstehen soll, kann sich laut den Anhängern des Basenfastens durch Müdigkeit, Energiemangel und Verdauungsprobleme zeigen. Auch viele verschiedene Krankheiten wie Gicht, Allergien oder Osteoporose werden mit einem gestörten Säure-Basen-Haushalt in Verbindung gebracht. Während einer Basenfastenkur soll daher auf säurebildende Lebensmittel verzichtet werden, um dem Körper überschüssige Säuren zu entziehen und sogenannte Schlacken zu entfernen. Geeignet sind dagegen basenbildende Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Nüsse.

Das Basenfasten wird seit mehreren Jahrhunderten angewendet. In Deutschland ist vor allem die sogenannte Wacker-Methode als Konzept des Basenfastens bekannt. Sie wurde 1997 von der Ärztin und Heilpraktikerin Sabine Wacker begründet.

Eine abgewandelte und derzeit weit verbreitete Variante des Basenfastens ist eine Fastenkur unter dem Namen Detox (Detoxifikation, Entgiftung). Während einer Detox-Kur des Körpers werden ebenfalls überwiegend Basenbildner verzehrt und Säurebildner gemieden. Detox-Anhänger schwören auf verschiedene Produkte wie Detox-Tees und Detox-Nahrungsergänzungsmittel. Inzwischen hat sich für Detox-Produkte ein großer Markt gebildet, der Detox-Parties, aber auch verschiedene Detox-Körperpflegemittel wie Detox-Shampoos und -Duschgels, Körperbürsten und Fußpflaster zum Entgiften umfasst. Wissenschaftlich belegt sind die Wirkungen von Detox-Kuren nicht. Auch klinische Studien am Menschen dazu fehlen (Klein und Kiat 2014).

Ablauf einer Basenfastenkur

Während einer Basenfastenkur wird morgens nur Obst, mittags Salat und abends Gemüse gegessen. Zusätzlich wird empfohlen, sogenannte „Basenpulver“ in Form von Nahrungsergänzungsmitteln einzunehmen.

Das ursprüngliche Wacker-Konzept war in Bezug auf die Mahlzeiten sehr streng und sah mittags lediglich Salat und abends gekochtes Gemüse vor. Bei der Durchführung des Fastenkonzepts in Hotels und wenn der primäre Grund des Basenfastens nicht die Gewichtsabnahme ist, dürfen die Fastenden die Mahlzeiten auch in zwei Gängen verzehren (beispielsweise mittags ein kleiner Salat und ein gekochtes Gericht, abends neben einer klaren Gemüsebrühe ein Gemüsegericht). Zwischenmahlzeiten sind nur für Diabetiker vorgesehen.

Die Einteilung der Lebensmittel in basisch oder sauer erfolgt nicht nach ihrem Geschmack, sondern nach ihrem pH-Wert (pH > 7 = basisch, pH < 7 = sauer). Die Einteilung ist allerdings schwer nachzuvollziehen und auch nicht immer einheitlich. Für eine hundertprozentige basische Ernährung dürfen nur Basenbildner wie Obst, Gemüse, Kräuter, Keimlinge, einige Nüsse (Mandeln, Walnüsse, Paranüsse, Macadamianüsse und Pistazien) sowie „hochwertiges“ Öl (Lein-, Oliven- oder Rapsöl) verzehrt werden. Auch Kokosflocken sind basenbildend und können ein basisches Müsli oder eine Karottensuppe anreichern (Kokosmilch aus der Dose ist allerdings säurebildend).

Auf Säurebildner wie Fleisch, Wurst, Milchprodukte, Weißmehl, Vollkornprodukte, Teigwaren, Reis, Eier, Kaffee, Süßigkeiten und Alkohol wird dagegen verzichtet.

Die Flüssigkeitszufuhr in Form von reinem Quellwasser und verdünntem Kräutertee liegt bei 2,5 bis 3 Litern täglich. Drei Tage vor Beginn des ersten Basenfastens sollte zudem auf Koffein verzichtet werden, um mögliche Entzugserscheinungen des Koffeinverzichts nicht mit dem Basenfasten in Verbindung zu bringen.

Zur Dauer des Basenfastens werden für Normalgewichtige maximal 10 Tage empfohlen. Bei Übergewicht kann die Kur zwei bis drei Wochen erfolgen. Laut Wacker halten vor allem Männer die Kur auch teilweise monatelang durch. Für gestresste Frauen empfiehlt sie, alle sechs Monate eine Basenfastenkur durchzuführen, um Stress abzubauen und den Säure-Basen-Haushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Für eine dauerhafte Ernährung wird dazu geraten, 80 % Basenbildner und 20 % Säurebildner aufzunehmen.

Basenfasten ­ ein Überblick über die wissenschaftliche Studienlage

Zum Thema Basenfasten liegen keine klinischen Studien am Menschen vor (Klein, Kiat 2014). Auch wenn das Thema durch den neuen Detox-Trend verstärkt in den Medien präsent ist und viele Anhänger hat, fehlen wissenschaftliche Beweise für eine Wirkung dieser Fastenmethode.

Inwiefern gesunde Menschen von alkalisch wirkenden Mineralsalzen in Form von Nahrungsergänzungsmitteln profitieren, wurde bisher vorrangig anhand der Knochengesundheit untersucht. Auch hierfür fehlen wissenschaftliche Beweise (MacDonald et al. 2008, Weberschock et al. 2008).

Fazit und ernährungswissenschaftliche Bewertung

Basenfasten ist vor allem bei Anhängern der Naturheilkunde sehr beliebt. Allerdings ist aus wissenschaftlicher Sicht weder die Existenz von Schlacken noch die Annahme, dass säurebildende Lebensmittel den Säure-Basen-Haushalt stören, nachgewiesen.

Eine durch die Ernährung verursachte Übersäuerung ist bei gesunden Menschen nicht zu befürchten. Dafür sorgen verschiedene Puffersysteme des Körpers, die die Säure-Basen-Konzentration im Blut regulieren und sie konstant halten. Überschüssige Säuren werden beispielsweise über die Nieren, Faeces, Schweiß und auch beim Ausatmen über Kohlendioxid ausgeschieden. Eine dauerhafte Azidose, eine Übersäuerung des Blutes, tritt nur bei bestimmten Krankheiten wie Diabetes mellitus Typ 2, nicht aber bei Gesunden auf. Damit ist auch die Empfehlung, während einer Basenfastenkur zusätzlich „basenfördernde“ Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, unnötig. Auch für die zeitlichen Einschränkungen (z. B. Obst und Rohkost nur bis 14 Uhr) des Lebensmittelverzehrs gibt es keine wissenschaftlichen Belege.

Beim Basenfasten kann die Ketoazidose, die sich aus der verstärkten Ketonkörperbildung ergibt, die renale Harnsäureausscheidung hemmen. Dies führt zu einem Anstieg der Serum-Harnsäure und kann das Risiko für einen Gichtanfall erhöhen. Dies sollte bei prädisponierten Personen bedacht werden (Siener 2011).

Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass während des Basenfastens nur Lebensmittel verzehrt werden dürfen, die als basisch gelten. Wichtige Lebensmittel wie Getreide- und Milchprodukte, die nach diesem Konzept als „säureüberschüssig“ gelten, werden dagegen in zu geringen Mengen empfohlen. Als Kur über einen Zeitraum von wenigen Tagen ist bei gesunden Erwachsenen aber kein gesundheitlich negativer Effekt zu erwarten. Spezielle Detox-Produkte sind allerdings überflüssig. Von einer langfristigen Umsetzung dieser Ernährungsform wird abgeraten, denn wichtige Nährstoffe könnten auf Dauer in zu geringen Mengen zugeführt werden.


Die Wacker-Regeln zum Basenfasten

  1. Vorsicht im Umgang mit Rohkost: Menschen mit empfindlichem Darm vertragen möglicherweise gekochtes Gemüse besser als Rohkost.
  2. Letzte Mahlzeit vor 18 Uhr: Das Abendessen sollte möglichst früh stattfinden und kleine Portionen beinhalten.
  3. Obst und Rohkost bis 14 Uhr: Ab 14 Uhr sollte möglichst kein rohes Gemüse oder Obst mehr gegessen werden.
  4. Gemüse muss knackig sein: Gedünstetes Gemüse enthält mehr Vitamine als lange gekochtes.
  5. So wenig wie nur möglich: Beim Basenfasten sollte so wenig wie möglich gegessen werden. Dabei ist zu beachten, dass das Sättigungsgefühl erst nach wenigen Minuten einsetzt.
  6. Kein wildes Durcheinander: Für ein gutes Geschmackserlebnis sind nicht unbedingt viele Gemüsesorten notwendig. Auch eine Kombination aus zwei bis drei Gemüsesorten sorgt für den richtigen Geschmack.
  7. Mit Gefühl würzen: Gewürze sollten nur sparsam verwendet werden. Der Grund: Gewürze irritieren die Geschmacksnerven und lassen das Gefühl von Sättigung schwinden.
  8. Mehr Gemüse als Obst essen: Der Obstanteil sollte zwanzig Prozent nicht überschreiten. Bei einem empfindlichen Magen-Darm-Trakt kann der Gemüseanteil noch höher sein. Grundsätzlich sollten Obst und Gemüse reif sein, da nur reifes Obst und Gemüse basisch verstoffwechselt werden.
  9. Mit Lust und Appetit essen: Nur Gemüse- und Obstsorten essen, auf die man wirklich Appetit hat.
  10. Gründlich kauen: „Gut gekaut ist halb verdaut“ lautet die wichtigste Regel. Ein Apfelschnitz sollte mindestens 30 Mal gekaut werden. Fortgeschrittene schaffen 60 – 80 Mal.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Heilfasten, Basenfasten, Intervallfasten – ein Überblick. DGEinfo (2/2018) 18-25

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