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Update Süßstoffe

Süßstoffe sind längst mehr als ein Nischenprodukt. Die Nachfrage nach zuckerreduzierten Lebensmitteln ist in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen und hat den Einsatz von Süßungsmitteln geprägt.
Mann füllt sich Süßstoff in den Tee.

Sie stecken z. B. in Light-Getränken, Kaugummis, Proteinshakes und Sirups. Viele Menschen nutzen sie, um Haushaltszucker zu reduzieren. Doch je häufiger Süßstoffe Zucker ersetzen, desto wichtiger wird ihre gesundheitliche Einordnung.

Der Unterschied zwischen Süßstoffen und Zuckeraustauschstoffen

In der Europäischen Union (EU) sind derzeit 21 Süßungsmittel als Zusatzstoffe zugelassen. Sie wurden von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewertet und dürfen nur unter festgelegten Bedingungen eingesetzt werden. Im Zutatenverzeichnis müssen sie mit ihrer Bezeichnung oder E-Nummer stehen (Verordnung (EG) Nr. 1333/2008). Süßungsmittel können aus Pflanzen gewonnen, chemisch synthetisiert oder biotechnologisch hergestellt werden (EFSA 2026a). Anders als Zucker beeinflussen sie den Blutglucosespiegel kaum und fördern keine Karies.

Zuckeraustauschstoffe

Zuckeraustauschstoffe sind chemisch betrachtet Zuckeralkohole (Polyole). Ein bekannter Vertreter ist Xylit, besser bekannt als Birkenzucker. Der Energiegehalt von Zuckeraustauschstoffen liegt bei etwa 2,4 kcal/g. Eine Ausnahme ist das kalorienfreie Erythrit. Das Volumen von Zuckeraustauschstoffen ist dem von Haushaltszucker ähnlich, ihre Süßkraft ist etwas geringer. Der Einsatz erfolgt „quantum satis“ („so viel wie nötig“) ohne festgelegte Höchstmengen. Allerdings kann ein übermäßiger Verzehr zu Blähungen und Durchfall führen. Daher ist ab einem Anteil von über zehn Prozent im Lebensmittel der Warnhinweis „Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ verpflichtend (Verbraucherzentrale 2026).

Zuckeraustauschstoffe

E-Nummer Süßkraft im Vergleich zu Zucker
Sorbit E420 0,5
Mannit E421 0,5
Isomalt E953 0,5
Polyglycitolsirup E964 0,8
Maltit E965 0,8
Lactit E966 0,4
Xylit E967 1
Erythrit E968 0,7

Süßungsmittel im Überblick (Lebensmittelverband Deutschland 2026, Verbraucherzentrale 2026, Verbraucher Initiative e. V. 2026, Smollich und Blumenschein 2015

Süßstoffe

Süßstoffe umfassen eine heterogene Gruppe synthetischer oder natürlicher Verbindungen. Ihre Süßkraft ist um ein Vielfaches höher als die von Haushaltszucker.
Folglich leisten sie keinen nennenswerten Beitrag zum Volumen eines Lebensmittels und liefern nahezu keine Energie. In höheren Konzentrationen angewendet, können sie einen bittermetallischen Beigeschmack verursachen. Anders als Zuckeraustauschstoffe unterliegen Süßstoffe gesetzlichen Höchstmengen auf Basis von ADI-Werten (Acceptable Daily Intake).

Synthetische Süßstoffe

E-Nummer Süßkraft im Vergleich zu Zucker
Acesulfam E950 130–200
Aspartam E951 200
Cyclamat E952 30–50
Saccharin E954 300–500
Sucralose E955 600
Neotam E961 7 000–13 000
Aspartam-Acesulfamsalz E962 350
Advantam E969 20 000–37 000

Natürliche Süßstoffe

E-Nummer Süßkraft im Vergleich zu Zucker
Thaumatin E957 2 000–3 000
Neohesperidin DC E959 400–600
Steviolglykoside E960 a, c und d 300

Süßungsmittel im Überblick (Lebensmittelverband Deutschland 2026, Verbraucherzentrale 2026, Verbraucher Initiative e. V. 2026, Smollich und Blumenschein 2015) 

Süßungsmittel in Lebensmitteln

Der Trend, zum Süßungsmittel zu greifen, wächst: Eine Verbraucherumfrage zeigt, dass 74 % der Deutschen mindestens einmal wöchentlich Süßstoffe konsumieren, 49 % täglich. Besonders Light-Getränke konsumieren Verbraucher*innen häufig (Süßstoff-Verband 2023). Das spiegelt sich in der Produktion von Light-Getränken: Diese stieg 2024 um 6,1 % gegenüber 2019 an (Statistisches Bundesamt 2026).

Der Einsatz von Süßungsmitteln ist breit gefächert: Neben Erfrischungsgetränken stecken sie häufig in Süßwaren, Desserts, Eis, Milchprodukten, Proteinpulvern, Kaugummi und kalorienreduzierten Produkten. Darüber hinaus kommen sie auch in Backwaren, Fruchtaufstrichen, Fertiggerichten, Konserven, Soßen und Nahrungsergänzungsmitteln vor.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) berichtet, dass in Light-Getränken insbesondere Aspartam, Acesulfam K und Cyclamat verwendet werden (BfR 2023a). Gerade in Getränken kombinieren Hersteller häufig Süßstoffe, um Beigeschmack zu vermeiden. Produkte, die zwischen 2016 und 2020 auf dem deutschen Markt erschienen, enthielten am häufigsten Sucralose, Acesulfam K, Steviolglykoside, Cyclamat, Saccharin und Aspartam (BfR 2023b).

In ökologisch erzeugten Lebensmitteln sind Süßstoffe nicht zugelassen. Bei Zuckeraustauschstoffen bildet Erythrit eine Ausnahme für verarbeitete Bio-Lebensmittel (Europäische Kommission 2016).

Auswirkungen auf die Gesundheit

Da Süßungsmittel wenig oder keine Kalorien liefern und den Blutglucosespiegel kaum beeinflussen, liegt die Vermutung nahe, dass sie ein geeignetes Werkzeug zum Gewichtsmanagement und zur Prävention chronischer Erkrankungen seien. Allerdings ist die aktuelle Datenlage geprägt von einer Diskrepanz:

Während kurzfristige Interventionsstudien oft Vorteile beim Gewichtsmanagement zeigen, deuten prospektive Kohortenstudien auf langfristige Risiken für den Stoffwechsel hin.

Während kurzfristige Interventionsstudien oft Vorteile beim Gewichtsmanagement zeigen, deuten prospektive Kohortenstudien auf langfristige Risiken für den Stoffwechsel hin.

So zeigte eine Metaanalyse von 15 randomisierten, kontrollierten Interventionsstudien (RCTs) einen positiven Effekt von Süßstoff gegenüber Saccharose auf Körpergewicht und -zusammensetzung (Miller und Perez 2014). Demgegenüber kam eine Metaanalyse mit sechs Kohortenstudien zu dem Schluss, dass der Konsum süßstoffhaltiger Getränke das Risiko für Übergewicht und Typ-2-Diabetes erhöhe (Qin et al. 2020). Eine weitere Analyse von 19 RCTs zeigt zudem, dass der Austausch von Zucker mit Süßungsmitteln zwar bei Personen mit Diabetes, nicht aber bei Personen mit Adipositas einen signifikanten Gewichtsverlust erzielen konnte (Li et al. 2026).

Eine Übersichtsarbeit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigt dieses Spannungsfeld: In RCTs sank das Körpergewicht leicht, vor allem wenn Süßungsmittel Zucker ersetzten, relevante Effekte auf Diabetesmarker (Glucose, Insulin, HOMAIR und HbA1c) zeigten sich jedoch nicht. Kohorten und Fall-Kontroll-Studien verknüpften einen höheren Konsum dagegen mit einem erhöhten Risiko für Adipositas, Typ-2-Diabetes und erhöhte Nüchternglucosewerte, allerdings mit niedriger Evidenz (WHO 2022). Auf dieser Basis rät die WHO davon ab, Süßungsmittel zur Gewichtskontrolle einzusetzen (WHO 2023a).

Diese Befunde sind jedoch vorsichtig zu interpretieren, da Kohorten anfällig für Störfaktoren und umgekehrte Kausalität sind: Menschen mit Übergewicht oder Diabetes greifen möglicherweise häufiger zu Süßstoffen, um Zucker und Kalorien zu reduzieren. Aus Beobachtungsdaten allein lässt sich daher kein kausaler Effekt ableiten (BfR 2023c).

Diese Befunde sind jedoch vorsichtig zu interpretieren, da Kohorten anfällig für Störfaktoren und umgekehrte Kausalität sind: Menschen mit Übergewicht oder Diabetes greifen möglicherweise häufiger zu Süßstoffen, um Zucker und Kalorien zu reduzieren. Aus Beobachtungsdaten allein lässt sich daher kein kausaler Effekt ableiten (BfR 2023c).

Vor diesem Hintergrund sind Langzeit-RCTs besonders relevant. Neuere Daten liefert die SWEET-Studie: eine multizentrische RCT mit 341 Erwachsenen und 38 Kindern mit Übergewicht oder Adipositas. Die Erwachsenen durchliefen eine zweimonatige Gewichtsreduktionsphase und anschließend eine zehnmonatige Gewichtserhaltungsphase mit ausgewogener, zuckerreduzierter Ernährung ad libitum. Nach einem Jahr hielten Erwachsene in der Süßstoff-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe eine um 1,6 kg größere Gewichtsabnahme aufrecht. Bei Kindern zeigte sich kein signifikanter Gruppenunterschied (Pang et al. 2025).

Wie Süßstoffe den Stoffwechsel beeinflussen

Über welche Mechanismen Süßstoffe den Stoffwechsel beeinflussen, ist noch nicht abschließend geklärt. Ein möglicher Pfad ist das Darmmikrobiom. In Tierversuchen veränderten Sucralose, Saccharin und Aspartam das Darmmikrobiom, teils allerdings bei Dosierungen oberhalb der empfohlenen Verzehrmenge für Menschen (Klümpen und Simon 2022).

Weiterhin scheint die Wirkung generationsübergreifend zu sein: In einem Mausmodell mit an ADI-Werten orientierter Dosierung traten Mikrobiomveränderungen bis in die zweite Nachkommengeneration auf, obwohl nur die Elterngeneration Stevia oder Sucralose bekam. Zudem wiesen Eltern und erste Generation eine gestörte Glucosetoleranz auf (Concha Celume et al. 2026).

Humanstudien zeigen bislang ein uneinheitliches Bild: Eine Pilotstudie fand nach Saccharingabe bei vier von sieben Proband*innen eine schlechtere Glucosetoleranz und ein verändertes Mikrobiom. Mehrere RCTs mit Saccharin, Sucralose oder Aspartam fanden dagegen keine klaren Veränderungen (Klümpen und Simon 2022).

In der SWEET-Studie nahmen in der Süßstoff-Gruppe vor allem Bakteriengruppen zu, die kurzkettige Fettsäuren bilden können; potenziell günstige Stoffwechselprodukte. Zugleich nahmen methanbildende Mikroben zu, was die häufiger berichteten Magen-Darm-Beschwerden in dieser Gruppe mit erklären könnte (Pang et al. 2025).

Risikobewertung von Süßungsmitteln

Die heterogene Studienlage bedeutet nicht, dass Süßstoffe unsicher sind. Süßungsmittel gelten durch die Zulassung der EFSA als sicher, solange der jeweilige ADI nicht überschritten wird. Schwieriger ist die Expositionsschätzung: Viele Erhebungen erfassen Süßstoffquellen unvollständig, etwa vor allem über Light-Getränke. Doch im Alltag können Süßstoffe zusätzlich über Fertigprodukte, Kaugummi und Kosmetika wie Zahnpasta aufgenommen werden. Dadurch lässt sich schwer beurteilen, wie nah einzelne Gruppen, etwa Kinder, an die ADI-Werte herankommen (BfR 2025). Insgesamt bewertet das BfR die Studienlage zu möglichen Gesundheitsbeeinträchtigungen als unzureichend (BfR 2023c).

Aktuell bewertet die EFSA alle Süßstoffe neu, die vor dem 20. Januar 2009 in der EU zugelassen wurden (EFSA 2026a). Die Bewertung von Sucralose wurde 2026 abgeschlossen: Der bisherige ADI bleibt bestehen, zugleich bleibt die Empfehlung relevant, Sucralose nicht stark zu erhitzen. Dabei können chlorierte Verbindungen mit gesundheitsschädlichem Potenzial entstehen (EFSA 2026b, BfR 2026).

Aspartam stufte die WHO 2023 als „möglicherweise krebserregend“ ein. Diese Einstufung ist eine Gefahrenklassifikation und sagt nicht aus, wie hoch das tatsächliche Risiko bei üblichem Verzehr ist. Der Krebsverdacht wurde in den bisherigen Risikobewertungen von BfR und EFSA nicht bestätigt.

Aspartam stufte die WHO 2023 als „möglicherweise krebserregend“ ein. Diese Einstufung ist eine Gefahrenklassifikation und sagt nicht aus, wie hoch das tatsächliche Risiko bei üblichem Verzehr ist. Der Krebsverdacht wurde in den bisherigen Risikobewertungen von BfR und EFSA nicht bestätigt.

Demnach bestehen keine gesundheitlichen Bedenken, solange der ADI nicht überschritten wird (WHO 2023b, BfR 2023c). Zur Einordnung: Bei einer 70 kg schweren Person wäre der ADI erst mit 17 Dosen Diätlimonade à 330 ml mit je 162 mg Aspartam erreicht (Olias und Somoza 2024).

Fazit

Süßungsmittel können helfen, Zucker und Energie zu reduzieren, ohne den Blutglucosespiegel stark zu erhöhen. Innerhalb der zugelassenen Höchstmengen gelten sie nach derzeitiger Risikobewertung als sicher. Ein gesundheitlicher Nutzen oder ein Risiko ist daraus nicht automatisch abzuleiten. Die Evidenz zu Körpergewicht, Stoffwechsel und Darmmikrobiom ist heterogen.

Für die Praxis bedeutet das: Süßungsmittel können ein Baustein sein, um den Zuckerkonsum zu senken, ersetzen aber keine ausgewogene, wenig süß geprägte Ernährung. Bei Kindern ist wegen offener Fragen zu Exposition und Geschmacksprägung Zurückhaltung sinnvoll. Aus Public-Health-Perspektive sollte eine Reduktion der Süßpräferenz stärker im Fokus stehen als der reine Austausch von Zucker durch Süßungsmittel.


Sophie Brünke
M. Sc. Humanernährung

Der Artikel erschien zuerst im Wissenschaftsmagazin DGEwissen in der Ausgabe 07/2026.

Literatur

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (Hrsg.): Alternativen zu Zucker: Wie viel Süßungsmittel steckt in Erfrischungsgetränken? Stellungnahme Nr. 006/2023 vom 07.02.2023. (2023a) https://www.bfr.bund.de/cm/343/alternativen-zu-zucker-wie-viel-suessungsmittel-steckt-in-erfrischungsgetraenken.pdf (eingesehen am 13.05.2026)

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (Hrsg.): Führen Mischungen mehrerer Süßungsmittel zu gesundheitlichen Risiken für den Menschen? Stellungnahme Nr. 005/2023 vom 07.02.2023. (2023b) https://www.bfr.bund.de/cm/343/fuehren-mischungen-mehrerer-suessungsmittel-zu-gesundheitlichen-risiken-fuer-den-menschen.pdf (eingesehen am 13.05.2026)

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (Hrsg.): Süßungsmittel: Mehrheit der Studien bestätigt keine Gesundheitsbeeinträchtigung – allerdings ist die Studienlage unzureichend. Stellungnahme Nr. 004/2023 vom 07.02.2023. (2023c) https://www.bfr.bund.de/cm/343/suessungsmittel-mehrheit-der-studien-bestaetigt-keine-gesundheitsbeeintraechtigung-allerdings-ist-die-studienlage-unzureichend.pdf (eingesehen am 15.05.26)

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (Hrsg.): Gesundheitliche Bewertung der Verwendung von Süßungsmitteln in Erfrischungsgetränken. (2025) https://www.bfr.bund.de/stellungnahme/gesundheitliche-bewertung-der-verwendung-von-suessungsmitteln-in-erfrischungsgetraenken/ (eingesehen am 13.05.2026)

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (Hrsg.): Sucralose – Beim Erhitzen über 120 Grad können sich gesundheitsschädliche Stoffe bilden. (2026) https://www.bfr.bund.de/assets/01_Ver%C3%B6ffentlichungen/Mitteilungen_deutsch/sucralose-beim-erhitzen-ueber-120-grad-koennen-sich-gesundheitsschaedliche-stoffe-bilden.pdf (eingesehen am 13.05.2026)

Concha Celume F, PérezBravo F, Magne F et al.: Artificial and natural nonnutritive sweeteners drive divergent gut and genetic responses across generations. Front Nutr 13 (2026) 1694149

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Europäisches Parlament, Rat der Europäischen Union (Hrsg.): Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über Lebensmittelzusatzstoffe. (2008) eurlex.europa.eu/eli/reg/2008/1333/oj/deu (eingesehen am 13.05.2026)

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