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Bedeutung von Obst und Gemüse in der Ernährung des Menschen

Vollwertig essen und trinken nach den 10 Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) – dazu gehört auch, täglich 5 Portionen Gemüse und Obst zu verzehren. Denn Gemüse und Obst sind nicht nur wichtige Nährstofflieferanten, sondern können auch das Risiko für ernährungsmitbedingte Krankheiten wie Bluthochdruck, koronare Herzkrankheiten, Schlaganfall und bestimmte Krebskrankheiten reduzieren. Doch wie sieht es in der Praxis mit dem Obst- und Gemüsekonsum aus? Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die vorliegenden Daten zum Obst- und Gemüseverzehr in Deutschland und zeigt die ernährungsphysiologischen Vorteile von Obst und Gemüse auf.

Verzehr von Obst und Gemüse in Deutschland

Nationale Verzehrsstudie II

Die in den Jahren 2005 bis 2006 durchgeführte Nationale Verzehrsstudie II (NVS II) liefert repräsentative Daten zum Obst- und Gemüseverzehr in Deutschland. In der Studie wurde eine bundesweite Stichprobe der in Privathaushalten lebenden deutsch sprechenden Bevölkerung im Alter von 14 bis 80 Jahren untersucht. Für 15 371 Teilnehmer liegen mittels der Diet-History-Methode erhobene Daten zum Lebensmittelverzehr vor (MRI 2008a).

Danach verzehren Frauen durchschnittlich 270 g Obst pro Tag und Männer 222 g/Tag. Der Verzehr von Gemüse (ohne Saft, inkl. Pilzen und Hülsenfrüchten) beträgt bei Frauen durchschnittlich 129 g/Tag und bei Männern 112 g/Tag. Zählt man noch Gerichte auf Gemüsebasis hinzu, z. B. Salate aus gekochtem Gemüse und aus Rohkost sowie Gemüsegerichte mit Soßen bzw. überbacken, verdoppeln sich die Angaben annähernd (Frauen 243 g/Tag, Männer 222 g/Tag).

59 % der Befragten (65 % der Männer und 54 % der Frauen) erreichen nicht die derzeitige DGE-Empfehlung zum Obstverzehr von 250 g/Tag. Wird die Zufuhr von Obstsäften/Nektaren hinzugerechnet (Männer 270 g/Tag, Frauen 232 g/Tag), liegen noch 43 % der Teilnehmer unter der Empfehlung.

Die DGE-Empfehlung zum Gemüseverzehr von 400 g/Tag unterschreiten 87,4 % der Befragten (88,5 % der Männer und 86,3 % der Frauen; unter Berücksichtigung der Gerichte auf Gemüsebasis). Das Einbeziehen des Verzehrs von Gemüsesaft (Männer bzw. Frauen 4 g/Tag) fällt dabei kaum ins Gewicht.

Gut 4 % aller Teilnehmer (2% der Frauen, 6 % der Männer) gaben an, in den letzten vier Wochen vor der Befragung kein Obst inkl. Obsterzeugnisse verzehrt zu haben, 0,8 % (1,1 % der Männer, 0,5 % der Frauen) der Befragten haben in diesem Zeitraum kein Gemüse verzehrt.

Mit zunehmendem Alter nehmen bei beiden Geschlechtern der Obst- und Gemüseverzehr zu und der Obstsaftverzehr ab. Bei den Männern ist der Obstverzehr bei den 65- bis 80-Jährigen mit 298 g/Tag am höchsten, bei den Frauen ist er bei den 51- bis 64-Jährigen mit 330 g am höchsten. Am wenigsten Obst verzehren die 19- bis 24-jährigen Männer und Frauen (161 g/Tag und 212 g/Tag). Der Verzehr von Gemüse, Pilzen und Hülsenfrüchten nimmt mit dem Alter von den 14- bis 18-Jährigen (Männer 88 g/Tag, Frauen 98 g/Tag) bis zu den 51- bis 64-Jährigen (Männer 122 g/Tag, Frauen 141 g/Tag) zu.

Bei den Frauen in der unteren sozialen Schicht (Schulabschluss, berufliche Stellung des Hauptverdieners, Haushalts-Netto-Einkommen) ist der Verzehr von Obst mit 251 g/Tag am niedrigsten und steigt auf 284 g/Tag in der Oberschicht. Auch der Verzehr von Gemüse, Pilzen und Hülsenfrüchten steigt bei Frauen von ca. 117 g/Tag bzw. 115 g/Tag in den beiden unteren Schichten auf 147 g/Tag in der Oberschicht. Bei den Männern zeigt sich ein ähnliches Bild auf etwas niedrigerem Niveau.

Der Obstverzehr ist bei Frauen und Männern in den neuen Bundesländern im Durchschnitt höher als in den alten Bundesländern (MRI 2008a).

Bundes-Gesundheitssurvey

Ältere Daten des in den Bundes-Gesundheitssurvey 1998 integrierten Ernährungssurveys zeigen, dass der Gemüseverzehr sowohl bei Männern als auch bei Frauen bei ca. 200 g/Tag lag. Sie zeigen auch, dass Frauen mehr Obst aßen als Männer (Frauen: 163 g/Tag in den alten bzw. 221 g/ Tag in den neuen Bundesländern, Männer 135 g/Tag in den alten bzw. 169 g/Tag in den neuen Bundesländern; Mensink et al. 1999).

Die DGE-Empfehlung von 650 g Obst und Gemüse pro Tag wurde in den meisten Altersklassen von weniger als 20 % der Personen und bei jungen Männern sogar von weniger als 10 % realisiert. Wird jedoch die Zufuhr von Obst- und Gemüsesäften berücksichtigt, so wurde die Empfehlung in den meisten Altersklassen von 30 bis 40 % der Personen erfüllt (Mensink et al. 2002).

VELS und KiGGS

Aktuelle Daten zum Lebensmittelverzehr bei Kindern und Jugendlichen wurden im Ernährungsbericht 2008 auf Basis der „Verzehrsstudie zur Ermittlung der Lebensmittelaufnahme von Säuglingen und Kleinkindern (VELS)“ (Säuglinge ab 6 Monate bis Kinder bis unter 5 Jahren) sowie des Ernährungsmoduls EsKiMo der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (KiGGS; 6- bis unter 18-jährige Kinder und Jugendliche) dargestellt (DGE 2008).

Die in der optimierten Mischkost des Forschungsinstituts für Kinderernährung Dortmund empfohlenen Verzehrsmengen an Obst und Gemüse wurden im Mittel nur von Kindern im Alter von 1 bis unter 2 Jahren erreicht (s. Tab. 1). Bei Säuglingen und Kleinkindern war auffallend, dass der Obst- und Gemüsekonsum mit zunehmendem Alter nicht anstieg, sondern in etwa gleich blieb bzw. nur sehr gering anstieg oder sogar abfiel.

Während 22 % (Jungen) bzw. 26 % (Mädchen) der 1- bis unter 2-jährigen Kleinkinder weniger als die Hälfte des empfohlenen Obstverzehrs erreichten, stieg dieser Anteil bei den 2- bis unter 4-Jährigen auf 29 % (Jungen) bzw. 37 % (Mädchen) und bei den 4- bis unter 5-Jährigen auf 46 % (Jungen) bzw. 49 % (Mädchen). 8 % der Jungen und 7 % der Mädchen im Alter bis unter 5 Jahre verzehrten allerdings mehr als das 1,5-Fache der empfohlenen Obstmenge. Von den 6- bis unter 12-jährigen Kindern erreichten 17 % der Jungen und 21 % der Mädchen die empfohlene Obstzufuhr, von den 12- bis 18-jährigen Jugendlichen 16 % der Jungen und 26 % der Mädchen.

Die mittleren Verzehrsmengen an Gemüse waren bei den unter 12-Jährigen niedriger als die Verzehrsmengen an Obst. Insgesamt erhielten bei den 1- bis unter 5-Jährigen 70 % der Jungen bzw. 72 % der Mädchen täglich weniger als die Hälfte und nur 4 % die in der optimierten Mischkost empfohlene Gemüsemenge. Lediglich 6 % der 6- bis unter 12-jährigen Kinder (keine deutlichen Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen) und 19 % der männlichen bzw. 30 % der weiblichen Jugendlichen erreichten die empfohlenen Verzehrsmengen für Gemüse. Obwohl Jungen generell mehr essen, aßen Mädchen in allen drei Altersgruppen im Mittel mehr Obst und in den Gruppen der 12- bis unter 13-Jährigen und der 13- bis unter 15-Jährigen auch mehr Gemüse als Jungen.

Tab. 1: Täglicher Obst- und Gemüseverzehr (Mittelwerte) bei Kindern und Jugendlichen (Jungen/Mädchen) in Deutschland
VELS EsKiMo
Alter (Jahre) 0,5 < 1 1<4 4<5 6<7 7<10 10<12 12<13 13<15 15<18
♂/♀ ♂/♀ ♂/♀ ♂/♀ ♂/♀ ♂/♀ ♂/♀ ♂/♀ ♂/♀
Verzehrsempfehlung*
für Obst
und Gemüse (g/Tag)
120­150 200 200 220 250 250 300/260 350/300
Gemüseverzehr (g/Tag) 81/72 62/59 61/75 90/93 106/107 102/119 176/209 204/218 225/231
Obstverzehr (g/Tag) 125/109 117/106 108/113 148/150 135/142 128/141 171/203 185/187 182/232
*Verzehrsempfehlung in der optimierten Mischkost des Forschungsinstituts für Kinderernährung Dortmund (FKE 2007)

Daten zum Verbrauch von Obst und Gemüse in Deutschland

Die beschriebenen Daten zum „Verzehr“ beziehen sich auf die tatsächlich verzehrte Lebensmittelmenge, die in Verzehrsstudien (z. B. NVS) ermittelt wurde. Bei den im Folgenden dargestellten Daten aus der Agrarstatistik sowie der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) handelt es sich nicht um tatsächliche Verzehrsmengen, sondern um den „Verbrauch“ von Lebensmitteln.

Im Sinne der Agrarstatistik sind das die auf Produktions- bzw. Großhandelsstufe erfassten, gesamtwirtschaftlichen für den Verbrauch in Deutschland verfügbaren Lebensmittelmengen pro Kopf der Bevölkerung. Dabei ist bei vielen Produkten ein Teil der angegebenen Mengen nicht verzehrbar (z. B. Knochen, Schalen) oder nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt (z. B. Verwendung als Tierfutter) und Lebensmittelimporte und -exporte werden nur geschätzt.

Die EVS, eine Haushalts-Budget-Erhebung, erfasst die Einnahmen und Ausgaben in privaten Haushalten und liefert Daten über Lebensmitteleinkäufe. Die absolute Höhe der Verbrauchsangaben aus den beiden genannten Quellen liegt höher und ist weniger aussagekräftig als Verzehrsdaten; wesentlich sind aber die ablesbaren Veränderungen, die sich von Jahr zu Jahr ergeben und auf Trends im Lebensmittelverbrauch in Deutschland schließen lassen.

Einkommens- und Verbrauchsstichprobe

In der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) 1998 wurde ein durchschnittlicher Pro-Kopf-Verbrauch von 260 g/Tag bei Männern (131 g/Tag Obst und 129 g/Tag Gemüse) und 334 g/Tag bei Frauen (162 g/Tag Obst und 172 g/Tag Gemüse) festgestellt (Gedrich 2005). Dabei wurden Obst- und Gemüsesäfte nicht berücksichtigt. Der Verbrauch war in den neuen Ländern etwas höher als in den alten Ländern (Männer 284 vs. 255 g/Tag; Frauen 369 vs. 325 g/Tag) (DGE 2004).

Beim Vergleich der mittleren Verbrauchsmengen der einzelnen Altersgruppen zeigte sich der höchste Verbrauch meist bei der Personengruppe ab 51 Jahren. In den Gruppen mit der höchsten Zufuhr (Männer im Alter von 65 Jahren und älter und Frauen zwischen 51 und unter 65 Jahren) lag der Verbrauch im Mittel bei gut 200 g Gemüse und 200 bis 300 g Obst pro Tag (DGE 2004).

In der europäischen Datenbank DAFNE (Data Food Networking) sind für Deutschland auf Basis der EVS 1998 etwas höhere Zahlen für den Obst- und Gemüseverbrauch zu finden (durchschnittlich 370 g/Tag bzw. inkl. Säfte 493 g/Tag). Hierbei handelt es sich jedoch um die Auswertung einer Stichprobe, bei der im Gegensatz zu den EVS-Daten für den Ernährungsbericht u. a. Lebensmittelverluste durch Verderb, Schwund und vor allem nicht verzehrbare Bestandteile nicht berücksichtigt wurden.

Laut Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e. V. (VdF 2009) lag der Verbrauch an Fruchtsäften und -nektaren im Jahr 2008 bei 37,4 l pro Kopf, für das Jahr 2009 wird ein vorläufiger Wert von 37 l angegeben. Rechnerisch entspricht dies einem täglichen Verbrauch von etwa 100 g.

Agrarstatistik

Trendanalysen auf Basis der Agrarstatistik ergaben, dass der Gemüseverbrauch von 1995 bis 2006 signifikant um durchschnittlich 1,1 kg pro Kopf und Jahr zugenommen hat. Der Obstverbrauch ist im selben Zeitraum um 1,4 kg pro Kopf und Jahr signifikant gestiegen. Der Anstieg ist vor allem auf eine Zunahme beim Verbrauch an Äpfeln zurückzuführen (1,1 kg pro Kopf und Jahr), während der Verbrauch an Bananen signifikant um 0,3 kg pro Kopf und Jahr zurückging. Insgesamt stieg der Gemüse- und Obstverbrauch seit 1995 kontinuierlich an, wobei der Anstieg im Vergleich zu den Agrarstatistikdaten des Jahres 2002 abgeschwächt ist (DGE 2008).

Verzehrshäufigkeit von Obst und Gemüse in Deutschland

Telefonischer Gesundheitssurvey

Im telefonischen Gesundheitssurvey (GSTel04) des Robert Koch-Instituts (RKI) (2. Welle) gaben 70 % der Frauen und 50 % Männer an, täglich Obst oder Gemüse zu essen. Mit zunehmendem Alter nahm der Anteil der Frauen und Männer, die täglich Obst oder Gemüse essen, kontinuierlich zu.

Der Anteil der Frauen und Männer, die täglich Obst oder Gemüse essen, war in den neuen Bundesländern etwas höher als in den alten. Während Männer aus der unteren sozialen Schicht am seltensten regelmäßig Obst oder Gemüse aßen, war der Konsum von Obst und Gemüse bei Frauen unabhängig von der sozialen Schicht (Ellert et al. 2006).

KiGGS

Die Häufigkeit des Obst- und Gemüseverzehrs bei Kindern und Jugendlichen lässt sich aus Auswertungen des repräsentativen Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS) des RKI ableiten. Die retrospektive Erfassung mittels eines Ernährungsfragebogens ergibt, dass etwa die Hälfte der Mädchen (55 %) und Jungen (47 %) mindestens 1-mal täglich frisches Obst verzehrt. Der empfohlene tägliche mehrmalige Obstkonsum ist selten.

Etwa 13 % der Jungen und 14 % der Mädchen essen täglich gegartes Gemüse, etwa 21 % der Jungen und 29 % der Mädchen essen mindestens 1-mal am Tag rohes Gemüse. Unter allen Gemüsezubereitungsarten werden Salate und rohes Gemüse bevorzugt.

Sowohl der tägliche Obst- als auch der tägliche Gemüsekonsum bei Kindern und Jugendlichen nehmen mit zunehmendem Alter ab. Generell scheint Obst bei Kindern und Jugendlichen beliebter zu sein als Gemüse. Obst und rohes Gemüse werden von Mädchen häufiger gegessen als von Jungen (Mensink et al. 2007).

Bekanntheit der „5 am Tag“-Kampagne

Die richtige Bedeutung der „5 am Tag“-Kampagne („5 Portionen Gemüse und Obst am Tag essen“) wird in den Jahren 2005 bis 2006 von etwa einem Drittel (29,0 %) der Teilnehmer der NVS II richtig erkannt. Zu je einem Drittel wird sie mit der Empfehlung „5 Mahlzeiten am Tag essen“ verwechselt oder als unbekannt angegeben. Je höher der Schulabschluss, desto häufiger wurde die „5 am Tag“-Kampagne richtig erkannt. Frauen kennen die richtige Bedeutung von „5 am Tag“ mehr als doppelt so häufig (39,9 %) wie Männer (17,7 %). Die Bedeutung nicht zu wissen gaben 47,2 % der Männer und 26,1 % der Frauen an (MRI 2008b).

Im telefonischen Gesundheitssurvey (GSTel04) des Robert Koch-Instituts (RKI) (2. Welle) gaben 30 % der Frauen, aber nur 11 % der Männer an, schon einmal von der Kampagne „5 am Tag“ gehört zu haben (Ellert 2006).

Die Bedeutung der „5 am Tag“-Kampagne wurde erneut in einer aktuellen, repräsentativen Studie zum Ernährungswissen in Deutschland ab- gefragt. Die Studie basiert auf dem „Ernährungs-IQ-Test“, einem Online-Test, der neben Fragen zu aktuellen Themen auch einige bereits in früheren Studien verwendete Fragen beinhaltet, um so Trends über die Zeit aufzeigen zu können. Bei der Frage nach der Bedeutung der Kampagne „5 am Tag“ entschieden sich hier 52 % für die richtige Antwort „5 Portionen Obst und Gemüse täglich“. Allerdings wurde auch von 48 % der Befragten die Antwort „5 Mahlzeiten täglich“ für richtig gehalten (Austel et al. 2011).

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Gemüse- und Obstverzehr mit steigendem Alter und sozialem Status zunimmt. Außerdem ist die Verzehrsmenge bei Frauen größer als bei Männern und in den neuen Bundesländern etwas größer als in den alten Bundesländern. Die aktuellen Daten der NVS II reihen sich in frühere Daten aus der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 1998 und dem Ernährungssurvey 1998 ein; sie zeigen, dass der Konsum von Obst und Gemüse bei Erwachsenen in Deutschland im Durchschnitt bei etwa 350 bis 400 g/Tag liegt.

Beitrag von Obst und Gemüse zur Nährstoffversorgung

Zu den ernährungsphysiologischen Vorteilen von Obst und Gemüse zählen eine geringe Energiedichte, das Fehlen von Cholesterol, in aller Regel ein geringer Fettgehalt und gleichzeitig ein hoher Gehalt an Vitaminen (B-Vitamine, Vitamin C, -Carotin), Mengen- und Spurenelementen, sekundären Pflanzenstoffen und Ballaststoffen. Obst und Gemüse gehören zu den energieärmsten Lebensmitteln bei gleichzeitig hohem Nährstoffgehalt, d. h. sie zeichnen sich durch eine hohe Nährstoffdichte aus.

Nach derzeitigen Einschätzungen entfalten weniger einzelne Inhaltsstoffe als vielmehr die Vielfalt biologisch aktiver Substanzen in Obst und Gemüse und das durch einen hohen Obst- und Gemüsekonsum erreichte Ernährungsmuster positive Wirkungen auf die Gesundheit. Dazu gehört der durch einen entsprechenden Obst- und Gemüsekonsum ausgelöste „Verdrängungseffekt“ im Sinne eines geringeren Verzehrs von tierischen Lebensmitteln und damit ein geringerer Verzehr z. B. von gesättigten Fettsäuren.

Daher sieht die aktuelle Empfehlung der DGE die tägliche Zufuhr von rund 400 g Gemüse und 250 g Obst vor (DGE 2009). Bei einer Portionsgröße von ca. 125 g entspricht diese Menge 5 Portionen. Wegen der unterschiedlichen sekundären Pflanzenstoffe in Obst und Gemüse sollte die ganze Vielfalt des Angebots an Gemüse und Obst genutzt werden.

Der Verzehr von durchschnittlich ca. 400 g Gemüse und 250 g Obst pro Tag im Rahmen eines auf dem Ernährungskreis basierenden Wochenplans trägt wesentlich zur Zufuhr von Ballaststoffen und kritischen Nährstoffen bei, wie das folgende Beispiel (Frau, 65 Jahre, 55 kg, 1600 kcal) zeigt1:

  • Knapp 50 % der zugeführten Ballaststoffe stammen aus Obst und Gemüse (57 % des D-A-CH-Referenzwerts/ca. 17 g/Tag).
  • Gemüse ist die bedeutendste Quelle für Folat, es liefert 38 % des zugeführten Folats (36 % des D-A-CH-Referenzwerts), zusammen mit Obst stammen 48 % des Nahrungsfolats (46 % des D-A-CH-Referenzwerts) aus dieser Lebensmittelgruppe.
  • 21 % des zugeführten Calciums (25 % des D-A-CH-Referenzwertes) stammen aus Gemüse und Obst. Gemüse, wie z. B. bestimmte Kohlarten, sind eine fettarme Calciumquelle.
  • 45 % des zugeführten Eisens stammen aus Obst und Gemüse (72 % des D-A-CH-Referenzwerts); jedoch ist die Bioverfügbarkeit von Nicht-Häm-Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln schlechter als von Häm-Eisen aus tierischen Lebensmitteln.
  • Der quantitativ große Beitrag zur Versorgung mit diesen Nährstoffen und mit Ballaststoffen erfolgt bei gleichzeitig geringem Beitrag zur Energiezufuhr: ca. 250 g Obst und 400 g Gemüse liefern 19 % der Energie.

Die aktuellen Daten aus NVS II und EsKiMo (s. Seite 114 f) erlauben die Abschätzung des tatsächlichen Beitrags der erfassten Energie-, Ballaststoff- und Nährstoffzufuhr aus verzehrtem Obst und Gemüse zur Gesamtzufuhr. Die von den Teilnehmern der NVS II verzehrten Obst- und Gemüsemengen trugen folgendermaßen zur Zufuhr von Ballaststoffen und kritischen Nährstoffen bei:

  • Bei den Männern bzw. Frauen stammen ca. 34 % bzw. 42 % der zugeführten Ballaststoffe aus Obst und Gemüse.
  • Gemüse (inkl. Gerichte auf Gemüsebasis) liefern ca. 20 % bzw. 25 % des zugeführten Folats, zusammen mit Obst stammen ca. 27 % bzw. 35 % des Nahrungsfolats aus dieser Lebensmittelgruppe.
  • 9 % bzw. 11 % des zugeführten Calciums stammen aus Gemüse und Obst.
  • 17 % bzw. 23 % des zugeführten Eisens stammen aus Obst und Gemüse. Zu beachten ist die schlechtere Bioverfügbarkeit von Nicht-Häm- Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln im Vergleich zu Häm-Eisen aus tierischen Lebensmitteln.
  • Bei Männern stammen 9 % der Gesamtenergiezufuhr aus Gemüse und Obst, bei Frauen 14 %.

Die Daten zeigen auch, dass die beiden Lebensmittelgruppen einen mengenmäßig herausragenden Beitrag zur Versorgung mit Retinoläquivalenten, ?-Carotin und Vitamin C leisten (MRI 2010). Auch bei Kindern und Jugendlichen tragen die Lebensmittelgruppen „Gemüse und Gemüseprodukte“ sowie „Obst und Obstprodukte“ wesentlich zu Versorgung mit Retinoläquivalenten, ?-Carotin, Folat und Vitamin C sowie Ballaststoffen bei (DGE 2008).

Es bleibt festzuhalten, dass die in der NVS II ermittelten Nährstoffzufuhrmengen aus den Quellen Obst und Gemüse zum Teil noch deutlich von den im Ernährungskreis zugrunde gelegten Mengen abweichen.

Literatur

  1. Austel A, Mickelat S, Heseker H, Ellrott T: Ernährungswissen in Deutschland. Eine repräsentative Studie. Ernährungs Umschau 58 (2011) 304-311
  2. DAFNE Data Food Networking. http://www.nut.uoa.gr/DafnesoftWeb/; abgerufen am 13.07.2010
  3. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): Ernährungsbericht 2004. Bonn (2004)
  4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): Ernährungsbericht 2008. Bonn (2008)
  5. Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Obst und Gemüse. Die Menge macht's. DGEinfo (1/2010) 8­9
  6. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung, Schweizerische Vereinigung für Ernährung (Hrsg.): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Neuer Umschau Buchverlag, Neustadt a. d. Weinstraße, 1. Auflage, 3. vollständig durchgesehener und korrigierter Nachdruck (2008)
  7. Ellert U, Wirz J, Ziese T: Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Telefonischer Gesundheitssurvey des Robert Koch-Instituts (2. Welle). RKI (Hrsg.), Berlin (2006)
  8. FKE (Forschungsinstitut für Kinderernährung): optimiX®: Empfehlungen für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen. FKE, Dortmund (2007)
  9. Gedrich K: Ökonometrische Querschnittsanalysen zum Ernährungsverhalten in Deutschland basierend auf einer Sandwich-Theory of Nutritional Behaviour und den Daten der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 1998. Cuvillier Verlag Göttingen (2005)
  10. Gedrich K: Nachauswertung zum Ernährungsbericht 2004 der DGE. Persönliche Mitteilung, 01.02.2005
  11. MRI (Max Rubner-Institut): Nationale Verzehrsstudie II. Ergebnisbericht, Teil 2. Karlsruhe, (2008a). www.was-esse-ich.de/uploads/media/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2.pdf
  12. MRI (Max Rubner-Institut): Nationale Verzehrsstudie II. Ergebnisbericht, Teil 1. Karlsruhe (2008b). www.was-esse-ich.de/uploads/media/NVS_II_Abschlussbericht_Teil_1_mit_Ergaenzungsbericht.pdf
  13. MRI (Max Rubner-Institut): Persönliche Mitteilung vom 13.08.2010
  14. Mensink G, Thamm M, Haas K: Die Ernährung in Deutschland 1998. Gesundheitswesen 1999; 61: S200­S206
  15. Mensink G, Burger M, Beitz R et al.: Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Was essen wir heute? Robert Koch-Institut, Berlin (2002)
  16. Mensink G, Kleiser C, Richter A: Lebensmittelverzehr bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS). Bundesgesundheitsbl ­ Gesundheitsforsch ­ Gesundheitsschutz 50 (2007) 609­23
  17. VdF (Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e. V.): Entwicklung des Pro-Kopf-Verbrauchs an Fruchtsäften/Fruchtnektaren in Deutschland. www.fruchtsaft.net/index.php?menu_sel=13&menu_sel2 =3&menu_sel3=&menu_sel4=&msg=43; abgerufen am 13.07.2010

1Berechnet mit DGE-PC professional, Version 3.0 (BLS II.3).

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