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Presseinformation: Presse, DGE aktuell 11/2008 vom 07. Oktober
DGE aktuell

Ballaststoffe – kein überflüssiger Ballast


(dge) Im Darm können Ballaststoffe von körpereigenen Enzymen nicht verdaut werden – daher der Name „Ballast“-stoffe. Dass sie mehr als nur Ballast sind, nahmen Wissenschaftler bereits in den 1970er Jahren an: In ländlichen Gebieten Afrikas traten Krankheiten wie Darmkrebs, Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Krankheiten deutlich seltener auf als in der zivilisierten Welt. Die Ernährung der Bevölkerung zeichnete sich u. a. durch einen hohen Ballaststoffanteil aus. Es lag nahe, hier einen Zusammenhang zu vermuten.

Mittlerweile ist wissenschaftlich erwiesen, dass Ballaststoffe wichtige Funktionen im Verdauungstrakt erfüllen und positive Wirkungen auf den Stoffwechsel haben. Durch das gründliche Kauen verlängern sie die Dauer der Mahlzeiten sowie das Gefühl der Sattheit und helfen das Normalgewicht beizubehalten oder zu erreichen. Sie regen den Darm an, beugen somit Verstopfungen vor und wirken einer Reihe von Darmerkrankungen entgegen u. a. Hämorrhoiden und Divertikulose. Blutfettwerte sowie Cholesterolspiegel können bei einer hohen Zufuhr an Ballaststoffen gesenkt werden. Sie sind in Vollkornprodukten, Gemüse, Kartoffeln, Hülsenfrüchten und Obst zu finden – also pflanzlichen Lebensmitteln, die den Hauptanteil unseres Essens bilden sollten.

Auch in Bezug auf Diabetes mellitus Typ 2 wirken sie sich günstig aus: Menschen, die ihren Körper ausreichend mit Ballaststoffen – insbesondere aus Vollkornprodukten – versorgen, haben ein geringeres Risiko an Diabetes zu erkranken. Sie verbessern die Insulinwirkung und helfen, Blutzuckerspitzen zu vermeiden.

Als Richtwert für die tägliche Zufuhr nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) deshalb mindestens 30 g Ballaststoffe für Erwachsene. Der Zusammenhang zwischen der Ballaststoffaufnahme und dem Risiko für Darmkrebs wurde in den vergangenen Jahren immer wieder in Frage gestellt. Der Report des World Cancer Research Fund (WCRF) wertete nunmehr sämtliche relevanten Forschungsergebnisse aus und kommt zu dem Schluss, dass Lebensmittel, die Ballaststoffe enthalten, das Risiko für kolorektalen Krebs wahrscheinlich senken1.

Hintergrundinformation

Dickdarmkrebs ist in Deutschland die zweithäufigste Krebserkrankung – sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Für den WCRF-Report wurden 16 Kohortenstudien, 91 Fall-Kontrollstudien und eine gepoolte Analyse, in der die Daten von 13 prospektiven Kohortenstudien einflossen, bewertet. Je höher die Ballaststoffaufnahme, desto geringer das Risiko für Darmkrebs – dieses Ergebnis zeigten die meisten der Kohortenstudien. Die gepoolte Analyse konnte allerdings diesen Zusammenhang nur bedingt bestätigen. Der Report kam deshalb in Bezug auf Ballaststoffe zu der Einschätzung „wahrscheinlich krebssenkend“.

Ballaststoffe werden im Dickdarm von Darmbakterien zu kurzkettigen Fettsäuren (z. B. Buttersäure) abgebaut. Diese greifen an verschiedenen Stellen in die Krebsentstehung ein. Sie verringern möglicherweise die Schädigung des Erbguts, steigern die Aktivität von Entgiftungsenzymen und hemmen oder stoppen das Wachstum der Darmtumorzellen. Die präzisen Mechanismen für den vorbeugenden Effekt der Ballaststoffe auf die Krebsentstehung sind derzeit noch Forschungsgegenstand.

Die von der DGE empfohlene Menge von mindestens 30 g Ballaststoffe pro Tag lässt sich mit 3 Scheiben Vollkornbrot, 3 Kartoffeln, 3 Portionen Gemüse (z. B. 200 g Blumenkohl, 1 Karotte, 100 g Blattsalat) und 2 Portionen Obst (z. B. 1 Apfel, 150 g Beeren) erreichen. Die Ballaststoffaufnahme ist aber in Deutschland noch verbesserungswürdig. Die Nationale Verzehrsstudie II kam zu dem Ergebnis, dass die Zufuhr sowohl bei Männern als auch bei Frauen in allen Altersgruppen unterhalb des Richtwertes liegt: Etwa 68 % der Männer und 75 % der Frauen erreichen diesen nicht.


1 World Cancer Research Fund /American Institute for Cancer Research. Food, Nutrition, Physical Activity, and the Prevention of Cancer: a Global Perspective. Washington, DC: AICR, 2007


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