Gesund und nachhaltig verpflegt mit dem DGE-VerpflegungsCheck
© spass - stock.adobe.com
Wie gesund und nachhaltig ihr Verpflegungsangebot ist, können Einrichtungen und Betriebe der Gemeinschaftsverpflegung mit der Auszeichnung "DGE-VerpflegungsCheck" zeigen. Sie löst bis Ende 2028 die bisherige DGE-Zertifizierung ab.
Mert Katilmis
© privat
… ist Diätassistent und leitet den Verpflegungsdienst beim ISAR Klinikum in München.
Herr Katilmis, wie kam es, dass Sie die Klinikverpflegung bei der DGE lizenzieren lassen wollten?
Mert Katilmis:
Als Krankenhaus tragen wir die Verantwortung für das Wohlergehen unserer Patient*innen. Um ein ausgewogenes und gesundheitsförderndes Verpflegungskonzept anbieten zu können, haben wir den „DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Kliniken“ zur fachlichen Grundlage gemacht, da dieser auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert.
Ingrid Westerteicher
© privat
... ist Systemische Beraterin und Gesellschafterin der Elterninitiative "Am Eichenwäldchen“ in Hamm.
Frau Westerteicher, warum haben Sie sich entschieden, den DGE-VerpflegungsCheck durchzuführen?
Ingrid Westerteicher:
Als Einrichtung wollten wir die Qualität unserer Verpflegung nicht nach Gefühl, sondern nach klaren, fachlich fundierten Kriterien gestalten. Der DGE-VerpflegungsCheck hat uns die Möglichkeit gegeben, unsere Prozesse zu prüfen, Verbesserungsbedarfe zu erkennen und die Verpflegung der Kinder transparent nach außen zu dokumentieren.
Uns war wichtig, dass die Ernährung der Kinder auf einer wissenschaftlichen Grundlage – dem DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Kitas – steht und gleichzeitig praktisch umsetzbar bleibt.
Was waren die größten Herausforderungen auf dem Weg zum DGE-VerpflegungsCheck?
Mert Katilmis:
Die größte Herausforderung war es, unsere bestehenden Abläufe und Speisekarte im Detail mit den DGE-Kriterien abzugleichen.
Es gibt eine immense Marktlücke, die uns die Beschaffung geeigneter Produkte erschwert hat.
Es gibt eine immense Marktlücke, die uns die Beschaffung geeigneter Produkte erschwert hat. Die DGE-Qualitätsstandards umfassen viele Kriterien wie Qualität und Häufigkeit der Lebensmittel, Speiseplanung, Einkauf, Entsorgung sowie Rahmenbedingungen und Ausgabe. Die Umsetzung erfordert viel Engagement, Ressourcen, Fachwissen und Kommunikation – gerade bei einem großen Haus wie dem ISAR Klinikum muss das ganze Team miteinbezogen werden. Küche, Diätassistenz, Klinikverwaltung und Pflege standen dabei stets in enger Absprache.
Das Küchenteam des ISAR Klinikums
© Maria Irl
Ingrid Westerteicher:
Die größte Herausforderung lag in der praktischen Umsetzbarkeit bei begrenzten finanziellen Mitteln. Frische und regionale Produkte sind oft teurer und erfordern Anpassungen in der Warendisposition. Zudem war zusätzlicher Personalaufwand für Vorbereitung und Dokumentation nötig. Auch die altersgerechte Anpassung von Rezepten und Portionsgrößen erforderte Zeit und Abstimmung zwischen Küche und pädagogischem Team. Diese Punkte sind lösbar, benötigen aber Zeit, Struktur und gelegentlich finanzielle Unterstützung.
© Oksana Kuzmina - stock.adobe.com
Was hat sich für Sie, Ihre Kolleg*innen und Ihre Tischgäste durch die Auszeichnung nachhaltig verändert?
Mert Katilmis:
Die Auszeichnung hat zu einer nachhaltigen Verpflegung geführt, die nicht nur auf Saisonalität, Regionalität und Qualität achtet, sondern sich auch mit Themen wie Plastik- und Verpackungsmüll, der Auswahl von Lieferanten, dem Umgang mit Lebensmittelresten, Energieverschwendung und umweltbelastender Chemie auseinandersetzt.
Frau Westerteicher, welche Vorteile sehen Sie im DGE-VerpflegungsCheck?
Ingrid Westerteicher:
Der Check bietet eine konkrete Orientierung — von der Lebensmittelauswahl über altersgerechte Portionsgrößen bis zur Menüplanung. Für unser Küchenteam war besonders wertvoll, dass die Maßnahmen praxisnah aufbereitet wurden: Schulungen, Beispielrezepte und Hinweise zur Lagerung und Wareneinsatz haben die Arbeit in der Küche professionalisiert. Nach außen stärkt die Auszeichnung das Vertrauen der Eltern und dokumentiert unser Qualitätsverständnis.
© Gorodenkoff – stock.adobe.com
Einfach, digital und transparent –
nach diesem Prinzip hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. im September 2025 ihr Verfahren zur Zertifizierung von Einrichtungen sowie Betrieben der Gemeinschaftsgastronomie und -verpflegung für eine gesunde und nachhaltige Verpflegung neu aufgestellt.
Seitdem können sich interessierte Betriebe für den „DGE-VerpflegungsCheck“ anmelden und ihr Verpflegungsangebot überprüfen und auszeichnen lassen.
Welche Gerichte kommen bei Ihnen nun häufiger auf den Tisch?
Mert Katilmis:
Ausgewogene, nährstoffreiche Gerichte mit einem höheren Anteil an Gemüse, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten.
So stehen jetzt zum Beispiel häufiger Gerichte mit mediterranem Gemüse, Hülsenfrüchte, vegetarische Eintöpfe und Salate auf der Speisekarte.
So stehen jetzt zum Beispiel häufiger Gerichte mit mediterranem Gemüse, Hülsenfrüchte, vegetarische Eintöpfe und Salate auf der Speisekarte. Dabei achten wir stark auf Regionalität, Saisonalität und Qualität. Das kommt nicht nur den Gästen zugute, sondern auch der Umwelt.
© ChiccoDodiFC – stock.adobe.com
Würden Sie sich nochmal bei der DGE auszeichnen lassen?
Mert Katilmis:
Der DGE-VerpflegungsCheck hat uns dabei unterstützt, unser Angebot kritisch zu überprüfen und weiterzuentwickeln.
Wir möchten die Auszeichnung „DGEprüfte Qualität“ aufrechterhalten, da dies für uns ein echter Qualitätsnachweis ist.
Wir möchten die Auszeichnung „DGEprüfte Qualität“ aufrechterhalten, da dies für uns ein echter Qualitätsnachweis ist.
Ingrid Westerteicher:
Ja, definitiv. Trotz des anfänglichen Mehraufwands überwiegt der Nutzen: fachliche Sicherung, verbesserte Abläufe in der Küche und stärkere Transparenz gegenüber Eltern und Träger.
Die Anforderungen sind fachlich gerechtfertigt; sinnvoll wäre jedoch eine begleitende finanzielle oder organisatorische Unterstützung, damit Einrichtungen mit kleinem Budget nicht benachteiligt werden.
Vielen Dank für das Gespräch.
Lesen Sie auch die Blogbeiträge:
- Qualität in der Gemeinschaftsverpflegung
- Wie viele Menschen essen täglich in der Gemeinschaftsverpflegung?
- Nachhaltige Verpflegung langfristig denken - mit verbindlichen DGE-Qualitätsstandards
Weitere Informationen: