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Joint Action on Nutrition and Physical Activity – JANPA

Das Hauptziel des Gemeinschaftsprojekts Joint Action on Nutrition and Physical Activity (kurz: JANPA) ist, gemeinsam, auf Europäischer Ebene, den Anstieg von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen bis zum Jahr 2020 zu stoppen bzw. einem Anstieg nachhaltig entgegenzuwirken. Dabei stehen insbesondere Maßnahmen im Vordergrund, die sich auf das Ernährungs- und Bewegungsverhalten von Kindern beziehen. Durch den internationalen Austausch von insgesamt 26 Ländern sowie einer gemeinsamen Identifizierung und Auswahl der besten Daten und Praktiken zur Adipositasprävention bei Kindern und Jugendlichen, leistet JANPA darüber hinaus einen direkten Beitrag zum EU-Aktionsplan Childhood Obesity (pdf).

Ziele

Denn im Rahmen von JANPA wird es möglich sein:  

  • die wirtschaftlichen Kosten im Zusammenhang mit Adipositas zu schätzen und zu prognostizieren, 
  • die Durchführung von sog. integrierten Maßnahmen zu verbessern, um gesunde Ernährung und körperliche Bewegung für Schwangere und Familien mit kleinen Kindern zu fördern,   
  • zu gesünderen Schulstrukturen und -umgebungen beizutragen, sowie
  • die Verwendung von nährwertbezogenen Angaben bei Lebensmitteln, durch Gesundheitsbehörden, Interessengruppen und Familien zu erhöhen.   

Adipositas im Europäischen Kontext

In allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) stellt die hohe Übergewichts- und Adipositasrate bei Kindern und Jugendlichen ein Problem dar. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet, dass im Jahr 2010 bereits jedes dritte Kind in der EU im Alter von 6-9 Jahren übergewichtig oder fettleibig war. Dies bedeutet, dass es trotz der zahlreichen Initiativen auf nationaler und regionaler Ebene zu einem starken Anstieg der Prävalenz gekommen ist. Bewegungsmangel und unausgewogene Ernährung (ab dem Zeitpunkt der Geburt aber auch schon im Mutterleib) sind wichtige Determinanten, die Einfluss auf das Adipositasrisiko haben und zu Übergewicht bzw. Fettleibigkeit führen können. Unabhängig davon gelten verschiedene nicht-übertragbare Krankheiten, von denen viele Europäer betroffen sind (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, bestimmte Krebserkrankungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates) als zusätzliche Risikofaktoren. Darüber hinaus können Übergewicht und Adipositas auch enorme psychologische und soziale Folgen für das späteren Leben nach sich ziehen.

Übergewicht und Fettleibigkeit stellen ferner auch eine hohe ökonomische Belastung für die nationalen Gesundheitssysteme dar. Allein 7 % des Europäischen Gesundheitsbudgets werden jährlich für Krankheiten in direktem Zusammenhang mit Übergewicht und Adipositas ausgegeben. Hinzukommen Ausgaben im Zusammenhang mit Produktivitätsausfällen, weiteren gesundheitlichen Problemen und frühzeitigem Tod.

Ein multi-sektoraler Ansatz

JANPA bietet 25 EU-Mitgliedsstaaten (sowie Norwegen) die einzigartige Gelegenheit effektive und nachhaltige Ansätze in der Adipositasprävention im EU-Kontext zu diskutieren, zu analysieren sowie Chancen und Risiken für eine Implementierung im eigenen Land zu eruieren. Dies wird auch die Verbindungen zwischen den verschiedenen nationalen Ernährungspolitiken stärken und ermöglicht Gesundheitsfragen im Sinne der EU-Strategie für Ernährung, Übergewicht und Adipositas anzugehen.

Übergewichts- und Adipositasprävention erfordert einen multi-sektoralen Ansatz, der sog. „Schlüssel-Sektoren“ miteinbezieht und integrierte Maßnahmen ermöglicht. Klare Gesundheitsziele sind dabei unerlässlich, um die besten Ergebnisse zu erzielen. Bildung und Eigenverantwortung sind dabei wichtige Bestandteile eines jeden Programms, das darauf abzielt, Übergewicht zu reduzieren. Sie reichen jedoch nicht aus, um die besonderen Umstände sozialer Ungleichheiten hinsichtlich ernährungsbedingter Gesundheitsprobleme zu reduzieren. Ein Lebensphasen umfassender Ansatz ist notwendig, um das Problem anzugehen. Insbesondere da es zunehmend globale Veränderungen in Richtung überwiegend sitzender Tätigkeiten und ungesunder Ernährung gibt.

Die Förderung einer gesunden Ernährung sollte am besten bereits während der Schwangerschaft und Stillzeit beginnen. Doch auch die Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen ist von besonderer Bedeutung, da sie zum einen prägend für das Erwachsenenalter ist und zum anderen grundlegend zur Bildung von Verhalten und Gewohnheiten beiträgt. Die Verbesserung der ernährungsphysiologischen Qualität der Lebensmittel, sowie die Verbesserung der physischen Umwelt ist dabei ebenfalls notwendig, um die gesunde Wahl die einfachere Wahl werden zu lassen und dadurch letztlich ernährungsbedingte Krankheiten zu reduzieren.

Wer ist beteiligt?

25 der 28 EU-Mitgliedsstaaten sind - entweder als Kooperations- oder Verbundspartner - Teil von JANPA. Darüber hinaus ist Norwegen ein zusätzlicher Partner, so dass es im Rahmen von JANPA insgesamt einen Zusammenschluss von 26 Ländern gibt.

Wer sind die Zielgruppen?

Die Hauptzielgruppen von JANPA sind Entscheidungsträger und Beschäftigte im Gesundheitswesen aber auch Mütter, junge Familien und vor allem Kindergärten und Schulen, die an der Umsetzung von Maßnahmen zur Förderung gesunder Ernährung und Bewegung von Kindern und Jugendlichen beteiligt sind. Darüber hinaus sollen im Rahmen von JANPA auch weitere Kategorien von Akteuren wie beispielsweise regionale und lokale Behörden, Bildungseinrichtungen, Gesundheitsverbände, Hochschulen, gemeinnützige Organisationen, Bürger, Verbraucherverbände, Jugend- und Sportverbände, Industrie, Dienstleistungsunternehmen sowie die Medien erreicht werden.

Wie sieht die Arbeit der DGE im EU-Projekt JANPA aus?

Viele Kinder wachsen heute in einer Umgebung auf, die Übergewicht und Adipositas fördert. Das Kita- und Schulumfeld ist entscheidend für die Entwicklung der Kinder und sollte frei von ernährungs- und umweltbezogenen Risikofaktoren sein. Interventionen, die ein unterstützendes Umfeld schaffen, können Kindern helfen ein gesundheitsförderndes Verhalten zu entwickeln.

Der Austausch bewährter Strategien, Projekte und Aktivitäten wurde von der Europäischen Kommission als ein Ansatz zur Prävention chronischer Krankheiten identifiziert. Für die Prävention von Übergewicht und Adipositas bei Kindern sind verschiedene politische Sektoren relevant, darunter der Gesundheits- und Bildungssektor, die Landwirtschaft sowie die Verkehrs- und Städteplanung. Eine Analyse der unterschiedlichen Sektoren, Strategien und Projekte in den WP6-Partnerländern sowie deren Kapazitäten und Ressourcen zeigt Faktoren auf, die die Umsetzung von gesundheitsfördernden Maßnahmen beeinflussen.

In der Arbeitsgruppe wurde dazu ein Verfahren entwickelt, um nationale bewährte Projekte und politische Ansätze zu sammeln und zu beurteilen. Alle assoziierten Partnerländer des WP6 schickten Beispiele guter Praxis und so wurden 37 Projekte und politische Programme zur Übergewichtsprävention in Kindergärten und Schulen von 15 Ländern eingereicht. Die Mehrheit der Interventionen waren Projekte auf nationaler Ebene, 40% der Maßnahmen umfassten sowohl Aktivitäten zu Ernährung als auch zu Bewegung. Daneben wurden eine Online-Befragung sowie Interviews mit zentralen politischen Entscheidungsträgern durchgeführt.

Arbeitsstruktur

JANPA ist untergliedert in 7 Arbeitspakete (engl. Workpackages, kurz: WP):

WP1 Koordination. Verantwortlich für den Erfolg der gemeinsamen Aktion durch ein effizientes Management und die Koordination der verschiedenen WPs.

WP2 Dissemination. Förderung der Ziele und Tätigkeiten durch eine Verbreitung der Aktivitäten und Ergebnisse der gemeinsamen Aktion.

WP3 – Evaluation. Verantwortlich für die Evaluation des gesamten Projekts, Überprüfung der Erfüllung der Ziele sowie deren Auswirkungen und Ergebnisse.

WP4 – Evidenzen und wirtschaftliche Beweggründe für Maßnahmen zur Fettleibigkeit bei Kindern. Zuständig für die Erarbeitung evidenzbasierter, wirtschaftlicher Beweggründe für Maßnahmen zur Fettleibigkeit bei Kindern.

WP5 – Ernährungsinformation. Zusammenstellung von „Best Practice“ - Ansätzen zur Deklaration und Verwendung von Nährwertangaben auf Lebensmitteln und im Ernährungskontext sowie Ableitung von Maßnahmen für verschiedene Interessensgruppen.

WP6 – Gesunde Umgebungsstrukturen durch integrierte Ansätze. Entwicklung von Leitlinien für eine Maßnahmengestaltung zur Schaffung gesunder Umgebungsstrukturen in Kindergärten und Schulen.

WP7 – Frühkindliche Interventionen. Verbesserung der Qualität öffentlicher Maßnahmen und Interventionen durch die Zusammenstellung effizienter Maßnahmen im Zusammenhang von Schwangerschaft und Familien mit kleinen Kindern.

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Weitere Informationen

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