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Flavanole und Gesundheit – epidemiologische Überlegungen von Prof. Dr. Gunter Kuhnle, University of Reading

DietBB-Seminar am 20. Februar in Bonn

Können Flavanole vor Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen? „Darauf gibt es keine eindeutige Antwort“, erklärte Prof. Dr. Gunter Kuhnle vom Department of Food & Nutritional Sciences der University of Reading den Teilnehmern des DietBB-Seminars am 20. Februar 2017 in Bonn.

Flavanolen, insbesondere dem (-)-Epicatechin, werden seit langem vorteilhafte Wirkungen auf das Gefäßsystem zugeschrieben. In den letzten Jahren haben Daten aus anthropologischen und diätetischen Interventionsstudien den Anspruch einer positiven Wirkung dieser sekundären Pflanzenstoffe unterstützt. „Das hat sogar zu einem Health Claim der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) geführt“, so Kuhnle.

Die EFSA empfiehlt eine tägliche Aufnahme von 200 mg Kakao-Flavanolen (entsprechend 27 mg Epicatechin), um von positiven Effekten zu profitieren. Interventionsstudien kommen zu anderen Ergebnissen, die allerdings stark variieren. Im Durchschnitt liegt die Empfehlung bei 545 mg pro Tag.

„Betrachtet man die Resultate verfügbarer Studien in ihrer Gesamtheit, so üben Flavanole tatsächlich eine Schutzwirkung auf die Gefäße aus“, betonte der diplomierte Biochemiker. „Wir wissen, dass ein Effekt vorhanden ist, aber epidemiologische Studien liefern keine klare Bestätigung. Auch ist die Datenlage nicht so eindeutig, wie oft dargestellt. Messmethoden sind nicht standardisiert und Verabreichungsformen sehr unterschiedlich.“

Zufuhrempfehlungen hält Kuhnle für wenig sinnvoll. „Mit den üblichen Verzehrgewohnheiten großer Teile der Bevölkerung lassen sich die empfohlenen Mengen nicht erreichen. Tee und Obst sind gute Lieferanten. Allerdings führt ein vermehrter Verzehr von Obst zu einer unerwünscht hohen Zuckeraufnahme.“

Kompetenzcluster „Diet-Body-Brain (DietBB) – Von der Epidemiologie zu evidenzbasierter Kommunikation“

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Ernährungs- und Lebensstil können das Gedächtnis und die Entwicklung von Demenz beeinflussen und somit in der Prävention eine wichtige Rolle spielen. Bislang fehlen jedoch belastbare Daten für diesen Zusammenhang. Auch ist unklar, wie Forschungsergebnisse zu Ernährung und Lebensstil heutzutage am besten kommuniziert werden und Menschen in die Lage versetzt, ihr Ernährungsverhalten nachhaltig zu verbessern.

Diese Lücken will das Kompetenzcluster Diet-Body-Brain (DietBB) schließen. Hierzu haben sich 17 Partner aus der Region Bonn zusammengeschlossen, darunter mehrere Institute der Universität Bonn und des Universitätsklinikums, die LIFE&BRAIN GmbH, das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, die Deutsche Sporthochschule Köln und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). In diesem Netzwerk arbeiten Experten aus verschiedenen Fachgebieten wie Ernährungswissenschaft, Medizin, Neuroökonomik und Public Health interdisziplinär zusammen. Gefördert wird das von der Universität Bonn koordinierte Kompetenzcluster DietBB vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Sprecherin des Kompetenzclusters ist die Epidemiologin Prof. Dr. Ute Nöthlings vom Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften der Universität Bonn.

Der Hintergrund

Laut Welt-Alzheimer-Bericht 2015 sind weltweit 46,8 Millionen Personen an einer Demenz erkrankt. Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2030 bereits 74,1 Millionen Menschen betroffen sein werden und 2050 etwa 131,5 Millionen. Allein in Deutschland leiden derzeit rund 1,5 Millionen Menschen an Demenz. Rund 300 000 weitere Personen erkranken vermutlich pro Jahr. Angesichts der steigenden Prävalenz und einer immer älter werdenden Gesellschaft stellt die Prävention neurodegenerativer Krankheiten in den kommenden Jahren eine große Herausforderung für den Gesundheitssektor dar.

Die Aufgaben der DGE in DietBB

Um dieser Herausforderung zu begegnen, müssen die Öffentlichkeit und die verschiedenen Interessengruppen für das Thema sensibilisiert werden. Dazu wird die DGE über DietBB und die Forschungsergebnisse des Clusters informieren und die Ergebnisse in die Praxis „übersetzen". Hierzu dienen vor allem die von der DGE erarbeiteten und laufend an den aktuellen Forschungsstand angepassten lebensmittelbezogenen Ernährungsempfehlungen. Sie beinhalten

Neben individualisierten Ernährungsempfehlungen werden von der DGE im Kompetenzcluster DietBB effektive Kommunikationsstrategien sowie neue Informations- und Kommunikationstools erarbeitet.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.
Godesberger Allee 18
53175 Bonn
Tel: +49 228 3776 600
Fax: +49 228 3776 800

DGE-Ernährungskreis

Weitere Informationen

Projekte der DGE im Rahmen von „IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ gefördert durch das BMEL.

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