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06.10.2014

Ernährungsbildung … ist mehr als „gesundes“ Frühstück in der Kita


Sylvia Löhrmann

Sylvia Löhrmann, Ministerin für Schule und Weiterbildung in NRW in Diskussion mit den Teilnehmern über gemeinsame Verantwortung für eine erfolgreiche Ernährungsbildung, Foto: Barbara Frommann

Unter dem Motto „Ernährungsbildung – in die Zukunft gedacht“ hatte die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Kooperation mit der DGE-Fachgruppe „Ernährungsbildung“ zu ihrer diesjährigen Arbeitstagung am 24./25.09.2014 in Bonn eingeladen. Mehr als 250 Ernährungsfachkräfte, Vertreter aus Wissenschaft und Forschung, Lehrkräfte, Schulleiter, Bildungs- und Entscheidungsträger in Verwaltungseinrichtungen und Ministerien folgten der Einladung der DGE ins Wissenschaftszentrum Bonn und diskutierten darüber, wie bereits vorhandene Strukturen und erfolgreiche Projekte der Ernährungsbildung weiter verstetigt werden können.

In ihrer Begrüßung machten die Wissenschaftlichen Leiterinnen Prof. Dr. Christel Rademacher und Prof. Dr. Ines Heindl deutlich, dass Ernährungsbildung weit mehr ist, als eine bedarfsgerechte Ernährung, als das „gesunde“ Frühstück in der Kita, die qualitätsgesicherte Mittagsverpflegung oder der Unterricht in Biologie und Ernährung.

Prof. Dr. Ines Heindl

Prof. Ines Heindl begrüßt die Teilnehmer zur Tagung „Ernährungsbildung – in die Zukunft gedacht“

Ernährungsbildung umspannt das gesamte Leben und reicht in alle Lebensbereiche. Sie ist auch weiter gefasst als Ernährungserziehung und immer auch Esskulturbildung, beinhaltet ästhetisch-kulturelle sowie kulinarische Bildungselemente und trägt zur Entwicklung einer Alltagskultur des Zusammenlebens bei. Ernährungsbildung umfasst die Allgemeinbildung und Gestaltungskompetenzen, was die eigenständige und eigenverantwortliche Lebensführung anbelangt, ermöglicht aber auch gesellschaftliche Teilhabe (Literacy). Dr. Anke Oepping bezeichnete in ihrem Einführungsvortrag die Ernährungsbildung treffend als „eine Wanderausrüstung für Gegenwart und Zukunft“.

Die engagierten Diskussionen und Vorträge machten eines besonders deutlich: Es muss einen Konsens der Disziplinen und Berufsgruppen zu den Lebensverhältnissen eines Ernährungs- und Gesundheitsverhaltens in Konsumgesellschaften geben. Immer wieder unterstrichen alle Akteure und Experten im Verlauf der Tagung, wie wichtig die Professionalisierung der Mittler- und Lehrkräfte und Bildungsverantwortlichen ist.

Sylvia Löhrmann, Ministerin für Schule und Weiterbildung in NRW, wies in ihrem Statement „Ernährungsbildung – integriert, ganzheitlich und nachhaltig“ auf die gemeinsame Verantwortung für eine erfolgreiche Ernährungsbildung hin. Schulen seien wichtige Lern- und Erfahrungsorte. Damit sie erfolgreich sein können, sei ein Dreiklang erforderlich: verbindliche Standards, Schule und Zivilgesellschaft. Für die Qualitätsstandards für die Verpflegung in Kindertagesstätten und Schulen, die die DGE im Rahmen von IN FORM entwickelt hat, dankte Löhrmann der DGE ausdrücklich. Sie wies auch auf die zentrale Bedeutung der Vernetzungsstellen in allen 16 Bundesländern hin, die für eine systemische Verankerung dieser Standards sorgen.

Prof. Dr. Alena Buyx regte aus dem Blickwinkel der Gesundheitswissenschaften an, eine Veränderung der „Entscheidungsarchitektur“ zu nutzen, um ein gesundheitsförderndes Verhalten durch veränderte Verhältnisse zu unterstützen. Hinsichtlich Methode und gelungenen Beispielen verwies Sie auf Lebensmittelwirtschaft und Handel. Sie empfahl, Menschen in ein „gesundes Leben“ zu „verwickeln“, da Aufklärung und Information allein nicht reichen, um Verhalten zu ändern.

 

Politische Runde

Politische Runde mit Dr. Kloos, Prof. Arens-Azevêdo, Frau Takano-Forck, Prof. Heindl, Prof. Buyx, Herr Müller (v.l.n.r.) zur Frage wie viel Ernährungsbildung unserer Gesellschaft wert ist

In der abschließenden politischen Runde betonte Dr. Robert Kloos, Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Bonn, dass die Einführung der Ganztagsschulen einen bedeutenden Schritt für Entwicklung ausgewogener Mittagsverpflegung von Schülern darstelle und somit Motor der innovativen Schulentwicklung geworden ist. Thomas Müller, Vorstand Verbraucherzentrale Bundesverband, Berlin, stellte gemeinsam mit Prof. Ines Heindl die Frage, wie viel uns Ernährungsbildung wert sei, und wünscht sich nachdrücklich eine Infrastrukturdiskussion zum Thema „Gesunde Lebenswelt der Kinder“, um einen angemessenen Stellenwert im politischen Wahlkampf zu erreichen. Ernährungsbildung ist dabei zentraler Anker. Verlässliche und dauerhafte Angebote können aus den vorgestellten erfolgreichen Projekten entstehen verbindliche Kooperationen zwischen Bund und Ländern wurden vorgeschlagen, um die Umsetzung von Strukturen und Maßnahmen im Sinne des REViS-Curriculums (Reform der Ernährungs- und Verbraucherbildung in Schulen) bundesweit zu erreichen.

Konsens aller Beteiligten zum Abschluss der Veranstaltung war, dass eine gelingende Kooperation zwischen Bund und Ländern wichtig ist, um die bisherigen Erfolge von Konzepten wie REViS und zahlreichen anderen Projekten in den Ländern zu verstetigen.


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Weitere Informationen

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