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03.05.2019

Dürfen Diabetiker im Ramadan fasten?

Leitlinie zu Diabetes und Ramadan gibt Tipps für Fachkräfte


©Astira - stock.adobe.com

In wenigen Tagen beginnt der Fastenmonat Ramadan. In dieser Zeit verzichten viele Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen und Trinken. Für Gesunde stellt das Fasten in der Regel kein Problem dar und bringt sogar häufig gesundheitliche Vorteile wie eine Gewichtsabnahme oder eine Verbesserung der Blutfettwerte mit sich. Bei Diabetikern kann sich die veränderte Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr im Ramadan hingegen negativ auf die Gesundheit auswirken. Zu den möglichen Komplikationen gehören die Hypoglykämie (Unterzuckerung), eine Entgleisung des Stoffwechsels, Dehydration (Austrocknung) und Ketoazidose (Übersäuerung). Eine Mehrheit der muslimischen Diabetiker möchte dennoch am Fastenritual teilnehmen. Um ihnen das Fasten zu ermöglichen und gleichzeitig gesundheitliche Beeinträchtigungen zu minimieren, gibt es von der International Diabetes Federation (IDF) und der Diabetes und Ramadan (DAR) International Alliance eine Leitlinie zu Diabetes und Ramadan. Sie fasst klinische und religiöse Aspekte des Fastens im Ramadan für Diabetiker zusammen. Medizinisches Fachpersonal findet in der Leitlinie wichtige Hintergrundinformationen und praktische Empfehlungen, die helfen, Diabetiker während des Ramadans gut beraten zu können. Themen der Leitlinie sind u. a. Risikoabschätzung, das Einstellen der Medikation und Ernährungsempfehlungen.

Gutes Diabetesmanagement minimiert die Risiken

Um Komplikationen im Ramadan zu vermeiden, sollten Patienten mit Diabetes mellitus – insbesondere Personen mit Typ 1 – vor dem Fasten ärztlichen Rat einholen und den Blutzucker regelmäßig kontrollieren, auch während der Fastenperiode. Die Blutzuckerkontrollen sollten morgens, abends und nachmittags erfolgen sowie vor der Einnahme einer Mahlzeit nach Sonnenuntergang und auch zwei Stunden danach. Treten Symptome einer Hypo- oder Hyperglykämie auf, muss ebenfalls der Blutzucker gemessen werden. Anzeichen für Unterzuckerung sind Zittern, Schwitzen/Frieren, Herzrasen, Kopfschmerzen. Überzuckerungen äußern sich durch häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, Übelkeit und Durst. Damit der Körper nicht austrocknet, ist es für Diabetiker besonders wichtig, bereits morgens vor Sonnenaufgang sowie abends beim Fastenbrechen viel zu trinken. Der Einsatz von Diabetesmedikamenten wie Metformin, Sulfonylharnstoffen bzw. die Insulintherapie sind in Absprache mit dem Arzt individuell an die Fastenperiode anzupassen. Bei sehr niedrigen Blutzuckerwerten unter 70 mg/dl oder sehr hohen Werten von über 300 mg/dl sowie bei Symptomen der Hypoglykämie oder Hyperglykämie, Dehydrierung oder wenn akute Krankheitssymptome auftreten, sollte das Fasten unterbrochen werden. Diabetes-Schulungen in Vorbereitung auf das Fasten können sich auch nach dem Ramadan noch positiv auf das Diabetesmanagement auswirken.

Üblicherweise werden beim Fastenbrechen/im Ramadan viele mit Zucker gesüßte Lebensmittel und Getränke verzehrt. Wenn Menschen mit Diabetes mellitus sich bei der Lebensmittelauswahl an den 10 Regeln der DGE für eine vollwertige Ernährung orientieren, beugen sie auch im Ramadan starken Blutzuckerschwankungen vor. Die Ernährungsempfehlungen der DGE zeichnen sich durch einen hohen Verzehr an pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse, Hülsenfrüchten, Obst, Getreideprodukten, Vollkornprodukten, Nüssen und Samen aus.

Weitere hilfreiche Informationen zu Diabetes sowie Empfehlungen zur Lebensmittelauswahl finden Menschen mit Diabetes mellitus in der DGE-Infothek „Essen und Trinken bei Diabetes mellitus“. Unter der Rubrik Ernährungspraxis hat die DGE Informationen zu Diabetes und Ramadan sowie zu Diabetes allgemein zusammengefasst.


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