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21.02.2006

Die Deutschen werden immer dicker

Daten zu übergewicht zeigen einen Besorgnis erregenden Trend


(dge) Die Verbreitung von übergewicht hat in den letzten Jahrzehnten weltweit stark zugenommen. Deutschland bildet hier keine Ausnahme. Laut Ernährungsbericht 2004 der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) e. V. sind mehr als 65 % der Männer und ca. 55 % der Frauen in Deutschland übergewichtig. Diese Daten gehen aus dem Bundes-Gesundheitssurvey 1998 hervor und werden durch weitere repäsentative Daten aus dem telefonischen Gesundheitssurveys 2003 und dem Mikrozensus 2003 gestützt. Ein Datenvergleich der seit 1984 bundesweit durchgeführten Gesundheitssurveys zeigt, dass die Deutschen immer dicker werden. Zwar blieb der Anteil der präadipösen Menschen (übergewichtige mit einem BMI von 25 bis 29,9) in den letzten 20 Jahren etwa gleich, jedoch sind immer mehr Menschen adipös (BMI ? 30) - fast jeder fünfte Erwachsene ist betroffen. Und der Trend ist weiterhin steigend. Präadipositas und Adipositas stellen eine der größten Herausforderungen für das Gesundheitswesen im 21. Jahrhundert dar. Sie sind bedeutende Risikofaktoren für chronische Krankheiten wie z. B. Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychosoziale Probleme.

Hintergrundinformation

Die Klassifikation und Bewertung des Körpergewichts erfolgt mit Hilfe des so genannten Body-Mass-Index (BMI)1 . Lange Zeit wurde lediglich ein BMI im Bereich von 25 bis 29,9 als Übergewicht bezeichnet, und auch heute noch ist diese Definition vielfach im Sprachgebrauch zu finden. Aktuell wird jedoch folgende Klassifikation angewandt: Jeder BMI gleich oder größer 25 ist als Übergewicht einzustufen. Liegt das Übergewicht dabei in einem BMI-Bereich von 25 bis 29,9, spricht man von Präadipositas, bei einem Wert ab 30 von Adipositas. Diese Einstufungskriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind Basis der Ermittlung von Daten zur Prävalenz von Übergewicht (Präadipositas und Adipositas) bei Erwachsenen.

Gewichtsklassifikation bei Erwachsenen (nach WHO, 2000)2
Gewichtsklasse BMI [kg/m2] Risiko für Begleiterkrankungen
Untergewicht < 18,5 niedrig
Normalgewicht 18,5 - 24,9 durchschnittlich
Übergewicht > 25,0  
Präadipositas 25 - 29,9 gering erhöht
Adipositas Grad I 30 - 34,9 erhöht
Adipositas Grad II 35 - 39,9 hoch
Adipositas Grad III 40 sehr hoch

Der Bundes-Gesundheitssurvey 1998 ergab anhand der Körpermessungen an über 7100 Frauen und Männern im Alter zwischen 18 und 79 Jahren folgende Ergebnisse: Übergewicht (BMI ? 25) kommt insgesamt bei 52 % (westdeutsche Frauen) bis 67 % (westdeutsche Männer) der Bevölkerung vor. Adipositas (BMI ? 30) ist mit 18 % unter den westdeutschen Männern am wenigsten verbreitet und mit 24,5 % unter den ostdeutschen Frauen am häufigsten. 3

Etwas moderater fallen dagegen die Ergebnisse des Mikrozensus (amtliche Repräsentativstatistik, an der jährlich 1 % aller Haushalte in Deutschland beteiligt sind) aus. Sie beruhen jedoch auf erfragten und nicht auf gemessenen Daten. Da sowohl Frauen als auch Männer ihr Körpergewicht systematisch um etwa 2 bis 3 kg unterschätzen und ihre Größe um bis zu 2 cm überschätzen, sind die Ergebnisse aus Befragungen eher als untere Grenze des tatsächlichen Wertes zu sehen. Die Befragung zum Mikrozensus 2003 ergab, dass fast jeder zweite Erwachsene übergewichtig (BMI ? 25) ist (49 %), Männer (58 %) häufiger als Frauen (41 %). Adipös (BMI ? 30) sind 13 % der Bevölkerung (14 % der Männer und 12 % der Frauen). 4

Die jüngsten Daten liefert der telefonische Gesundheitssurvey 2003. Dieser wurde mit den seit 1984 durchgeführten Gesundheitssurveys verglichen. Um Fehleinschätzungen bei Selbstangaben zu korrigieren und diese mit Messwerten vergleichbar zu machen, wurden die erfragten Daten mit einer Korrekturformel angepasst. Das Ergebnis bestätigte den Anstieg der Adipositashäufigkeit im Laufe der letzten 20 Jahre.5 Die Experten erwarten auch zukünftig eine Ausbreitung. Schätzungen des WHO-Regionalbüros für Europa zufolge ist in den nächsten fünf Jahren weiterhin mit einer Steigerung der Prävalenz um durchschnittlich 2,4 % bei Frauen und 2,2 % bei Männern zu rechnen. Davon wird für einige Länder wie Finnland, Deutschland, Griechenland, Schweden und das Vereinigte Königreich (Männer) bzw. Georgien, die Republik Moldau, die Slowakei und Tadschikistan (Frauen) u. U. ein noch stärkerer Anstieg prognostiziert. 6

  1. Body-Mass-Index (BMI) = Körpergewicht in Kilogramm : (Körpergröße in Metern)². Bsp.: 75 (kg) : 1,67 m² = 75 : 2,8 = 26,8
  2. WHO. Obesity: preventing and managing the global epidemic. WHO Technical Report Series 894, Genf 2000
  3. Bergmann, Mensink: Körpermaße und Übergewicht. Gesundheitswesen 1999; 61, Sonderheft 2: S115-S120
  4. Statistisches Bundesamt: Leben und Arbeiten in Deutschland. Ergebnisse des Mikrozensus 2003. http://www.destatis.de/presse/deutsch/pk/2004/mikrozensus_2003i.pdf
  5. Mensink, Lampert, Bergmann: Übergewicht und Adipositas in Deutschland 1984-2003. Bundesgesundheitsblatt 2005; 48: 1348-56
  6. Faktenblatt EURO/13/05: Adipositas: Eine Herausforderung für die Europäische Region der WHO. Kopenhagen, Bukarest, 12. September 2005. http://www.euro.who.int/document/mediacentre/fs1305g.pdf

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