Der Wissenschaft verpflichtet – Ihr Partner für Essen und Trinken
Direkt zum Hauptinhalt
Presseinformation: Presse, DGE special, 2007 01/2007 vom 13.02.2007

Der präventiven Wirkung von Fett und Fettsäuren auf der Spur

DGE-Leitlinie stellt auf mehr als 300 Seiten die wissenschaftliche Evidenz vor


(dge) Seit es Empfehlungen zur gesundheitsfördernden Ernährung gibt, steht die Frage nach der optimalen Zufuhr von Fett im Zentrum der überlegungen und Untersuchungen. Welche Bedeutung hat Fett für die Erhaltung der Gesundheit des Menschen und die Entstehung von Krankheiten?

Mit der evidenzbasierten Leitlinie „Fettkonsum und Prävention ausgewählter ernährungsmitbedingter Krankheiten“ gibt die DGE umfassende Antworten darauf. Basierend auf systematischen Literaturrecherchen und -auswertungen wurde eine der aktuellen wissenschaftlichen Beweislage entsprechende Einschätzung vorgenommen. Und so lautet der Tatbestand:

Zu viel Fett macht fett - ein ansteigender Konsum von Fett erhöht mit wahrscheinlicher Evidenz das Risiko für Adipositas (BMI > 30)! Mit überzeugender Evidenz birgt ein hoher Fettkonsum ein erhöhtes Risiko für eine Fettstoffwechselstörung, v. a. wenn viele gesättigte Fettsäuren, die insbesondere aus tierischen Lebensmitteln stammen, verzehrt werden. Demgegenüber hängt die Fettmenge nach aktueller Studienlage nicht mit dem Krebsrisiko zusammen - die Evidenz hierfür ist wahrscheinlich. Abgesehen von der Fettmenge spielt die Zusammensetzung des Fettes eine Rolle. Speziell den Fettstoffwechselstörungen, die ein Risikofaktor für Arterienverkalkung und Herz-Kreislauf-Krankheiten sind, kann mit überzeugender Evidenz mit dem richtigen Fettsäurenmuster vorgebeugt werden: präventiv wirkt, viele einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren aus pflanzlichen Ölen zu verzehren, Risiko erhöhend wirkt ein hoher Konsum von gesättigten Fettsäuren. übeltäter sind auch die trans-Fettsäuren, z. B. aus Pommes frites, Chips, Fertiggerichten, Gebäck etc, die mit überzeugender Evidenz das Risiko für Fettstoffwechselstörungen und koronare Herzkrankheit erhöhen. Die v. a. in Fisch enthaltenen langkettigen n-3 Fettsäuren senken mit überzeugender Evidenz das Risiko für Hypertriglyceridämie, Bluthochdruck und koronare Herzkrankheit.

Hintergrundinformation

Leitlinien sind systematische Entscheidungshilfen bei konkreten Fragestellungen. Sie geben den Stand des Wissens zu einem definierten Zeitpunkt wieder und basieren auf den besten verfügbaren Daten. Die evidenzbasierte Leitlinie zum Fettkonsum ist die erste DGE-Leitlinie dieser Art, mit dem Ziel, das Potenzial eines Ernährungsfaktors hinsichtlich der Prävention chronischer Krankheiten zu bewerten. Dazu wurde das Konzept der so genannten evidenzbasierten Medizin (EbM) auf den Bereich der Ernährung übertragen. Die Prinzipien der EbM bieten eine effiziente und systematische Vorgehensweise bei der Informationssuche zu einer konkreten klinischen Fragestellung und bei der kritischen Beurteilung der gefundenen Ergebnisse.

Wie sind die Ergebnisse der vorliegenden Leitlinie entstanden?

Schlüsselfrage

Ausgangspunkt war die Schlüsselfrage: Wie sind die Beziehungen zwischen Menge und Qualität von Nahrungsfett (Gesamtfett, gesättigte Fettsäuren, einfach ungesättigte Fettsäuren, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, langkettige n-3 Fettsäuren, trans-Fettsäuren, Cholesterol) und der Entstehung der Krankheiten Adipositas, Typ 2 Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit (KHK), Schlaganfall und Krebs zu bewerten?

Vorgehen

Zur Lösung dieser Schlüsselfrage wurde eine systematische Literaturrecherche durchgeführt. Gefundene Studien wurden planmäßig erfasst. Auf Grund ihres Designs und damit einhergehender Stärken und Schwächen leisten verschiedene Studientypen einen unterschiedlichen Beitrag zur Evidenz1. Dies spiegeln Evidenzklassen (EK) wider, die jedem Studiendesign eine Wertigkeit hinsichtlich seines potenziellen Beitrags zur Evidenzfindung zuordnen2. Interventionsstudien (EK Ib) haben den höchsten Evidenzgrad, gefolgt von methodisch sauber durchgeführten Kohortenstudien (EK IIb). Fall-Kontroll-Studien (EK IIIb) sind im Ernährungsbereich sehr anfällig für Verzerrungen, so dass sie alleine keinen ausreichenden Beitrag für die Evidenzfindung bzgl. einer präventiven Wirkung liefern können. Den drei erwähnten Studientypen jeweils übergeordnet sind deren Meta-Analysen (EK Ia bzw. IIa bzw. IIIa). Eine Meta-Analyse ist ein statistisches Verfahren, bei dem die Ergebnisse einzelne

Studien zusammengefasst und zusammen ausgewertet werden. Querschnittsstudien, Fallbeschreibungen, Reviews, Berichte und Meinungen von Experten haben die geringste Beweiskraft, sie erhalten die EK IV und werden nur dann verwendet, wenn keine anderen Daten vorliegen.

Ableitung der Evidenz

Nach Sichtung der Studienergebnisse und unter Berücksichtigung deren wissenschaftlicher Aussagekraft (Evidenzklasse) wurde ein bestimmter Härtegrad hinsichtlich einer präventiven Wirkung bzw. eines fehlenden Zusammenhangs vergeben:

Härtegrad und Evidenz bedeutet
überzeugend Die Beziehung wird durch einheitliche Ergebnisse einer Reihe von Studien mit großer Aussagekraft (EK I und II) bestätigt.
wahrscheinlich Studien mit großer Aussagekraft (EK I und II) haben einigermaßen einheitliche Ergebnisse zur untersuchten Beziehung. Es bestehen aber erkennbare Schwächen bei der verfügbaren Evidenz oder auch Evidenz für eine gegenteilige Beziehung.
möglich Die Beziehung wird fast nur durch Ergebnisse von Studien mit geringer Aussagekraft (EK III und IV) belegt. Es sind nur ungenügend gut durchgeführte Studien der EK I und II vorhanden.
unzureichend Wenige Studienergebnisse deuten eine Beziehung an, reichen aber für eine Bestätigung nicht aus. Es gibt nur eingeschränkte oder keine Hinweise aus Interventionsstudien der EK Ib.

Die Formulierung von Härtegraden der Evidenz beinhaltet immer eine Konsens-Komponente, die die aktuelle wissenschaftliche Diskussion, die Beurteilung der Güte der Studien und deren derzeitige Bewertung ihrer Bedeutung berücksichtigt.

Umsetzung der Ergebnisse

Aus der Evidenzlage ergibt sich für die Praxis, dass der Fettkonsum eingeschränkt und das Fettsäurenmuster in Richtung ungesättigter Fettsäuren mit Schwerpunkt auf langkettigen n-3 Fettsäuren und mit weniger gesättigten und trans-Fettsäuren verschoben werden sollte. Die Ergebnisse der Leitlinie unterstützen zentrale Aussagen der D-A-CH-Referenzwerte4 und der Empfehlungen zur Lebensmittelauswahl5.

Die ausführliche wissenschaftliche Fassung der Leitlinie ist unter „Wissenschaft→Leitlinien“ abrufbar.

  • 1„Evidenz“ von engl. „evidence“ bedeutet in diesem Zusammenhang "das Bewiesene" (nicht zu verwechseln mit seiner eigentlichen deutschen Bedeutung „das Offensichtliche“ oder „Klarheit“)
  • 2Die Bewertung der ausgewählten Literatur mit den Evidenzklassen I bis IV erfolgte entsprechend dem Evaluierungsschema der WHO (World Health Organisation, Technical Report Series 916, 2003).
  • 3Nach bestehenden Kriterien des IARC (International Agency for Research on Cancer; Europäisches Krebsforschungszentrum) 2002
  • 4Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung und Schweizerische Vereinigung für Ernährung. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Umschau Braus, Frankfurt, 2000
  • 5Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Die 10 Regeln der DGE. In: Deutsche Gesellschaft für Ernährung, aid infodienst (Hrsg.): Fachinformationen - Die Dreidimensionale Lebensmittelpyramide. Bonn, 2. Auflage 2006, S. 18

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.
Godesberger Allee 18
53175 Bonn
Tel: +49 228 3776-600
Fax: +49 228 3776-800

DGE-Ernährungskreis

Weitere Informationen

Projekte der DGE im Rahmen von „IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ gefördert durch das BMEL.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. © 2018 DGE.