Der Wissenschaft verpflichtet – Ihr Partner für Essen und Trinken
Direkt zum Hauptinhalt
Presseinformation: Presse, DGE aktuell, 2008 08/2008 vom 29.07.2008
DGE aktuell

Smoothies in aller Munde

Wie gut ist das Obst und Gemüse aus der Flasche?


(dge) Smoothies, die so genannten Ganzfruchtgetränke bzw. Fruchtshakes wurden zunächst vor allem in Saftbars, an Tankstellen und Kiosken angeboten. Inzwischen sind die Flaschen mit püriertem  Obst und Gemüse aus den Kühlregalen der Supermärkte nicht mehr wegzudenken und der Trend scheint nicht abzureißen, denn ständig kommen neue Produkte hinzu. Auch die Discounter sind mittlerweile auf den Zug aufgesprungen und lassen Artikel ihrer Eigenmarken produzieren.

Aber was taugen die Fruchtdrinks wirklich? Können die Ganzfruchtgetränke ihre Werbeversprechen halten und auf schnelle und unkomplizierte Art und Weise frisches Obst und Gemüse ganz oder teilweise ersetzen? „Frisches Obst und Gemüse ist den fruchtigen Trendprodukten aufgrund seiner zahlreichen gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe in vielerlei Hinsicht überlegen und auf keinen Fall vollständig ersetzbar. Außerdem ist es meist wesentlich preisgünstiger. Dennoch kann ein guter Smoothie gelegentlich bis zu zwei Portionen Obst bzw. Gemüse pro Tag ersetzen, beispielsweise unterwegs oder wenn frische Produkte nicht zur Verfügung stehen“ sagt Dr. Helmut Oberritter, Wissenschaftlicher Leiter der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. Hochwertige Smoothies werden auf Basis von Fruchtmark oder -püree und ggf. Fruchtstücken aus geschälten, entkernten, ganzen Früchten hergestellt. Abgesehen vom Verlust wertvoller Inhaltsstoffe aus den Schalen bleiben so die Nährstoffe weitgehend erhalten. Einige Anbieter stellen ihre Smoothies überwiegend aus Saft her. Hier wird Direktsaft oder Saft aus Konzentraten verwendet. Je höher der Saftanteil ist, desto weniger wertgebende Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und Ballaststoffe sind im Endprodukt enthalten. Wenn Smoothies zusätzlich Zucker, Verdickungsmittel und Aromastoffe oder Vitamine zugesetzt werden, sollte man besser die Finger davon lassen. Aufschluss über die Zusammensetzung gibt die Zutatenliste.

Hintergrundinformation:

Eine eindeutige Definition für die Inhaltsstoffe eines Smoothies gibt es nicht, denn „Smoothie“ ist kein geschützter Begriff. Daher gibt es hinsichtlich Rezeptur und Zutaten sehr unterschiedliche Produkte auf dem Markt, die alle als „Smoothie“ verkauft werden. „Echte“ Smoothies (Portion von 200-250 ml), die maximal zur Hälfte aus Saft und mindestens zur Hälfte aus Mark, Püree oder stückigen Bestandteilen bestehen, können gelegentlich bis zu zwei Portionen Obst bzw. Gemüse ersetzen – sofern sie keine Zusätze wie Zucker, Zusatzstoffe (Aromen, Farbstoffe, Konservierungsstoffe) und isolierte Nährstoffe enthalten und nicht durch Entzug von Wasser konzentriert sind. Denn mit der Aufkonzentrierung geht das für die Sättigung wichtige Volumen verloren und die Energiedichte nimmt zu. Und die ist bei Smoothies, insbesondere bei solchen mit viel Obst, aufgrund des hohen (fruchteigenen) Zucker- und damit Energiegehaltes sowieso schon hoch. Daher sollten Smoothies nicht zusätzlich verzehrt werden und eignen sich auch nicht als Durstlöscher. Wenn der Gehalt an Fruchtsäften in einem Smoothie überwiegt, ist er nicht anders als Saft zu bewerten. Säfte können ab und zu eine Portion Obst oder Gemüse am Tag ersetzen.

Ein hoher Obst- und Gemüseverzehr wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus. Gemüse und Obst sind wichtige Lieferanten für Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe und haben zahlreiche gesundheitsfördernde Wirkungen: Sie können das Risiko für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Krankheiten und bestimmten Krebsarten senken. Eine wichtige Rolle spielen Obst und Gemüse auch in der Prävention von Übergewicht. Aufgrund ihres hohen Wasser- und Ballaststoffgehaltes und der damit verbundenen geringen Energiedichte haben sie eine gute Sättigungswirkung.

Die Empfehlung der DGE und des 5 am Tag-Vereins für den Obst- und Gemüseverzehr in Deutschland liegt für Erwachsene bei 400 g Gemüse und 200 bis 250 g Obst pro Tag, das bedeutet 5 Portionen Obst und Gemüse täglich. Einige Anbieter werben damit, dass man mit 100 ml eines durch Entzug von Wasser konzentrierten Smoothies 50 % der empfohlenen Menge an Obst und Gemüse decken kann. Diese Werbeaussage bezieht sich auf die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Menge von 400 g Obst und Gemüse pro Tag und ist für Deutschland nicht zutreffend.

Fazit: Auch wenn bisher keine Daten zur gesundheitlichen Wirkung von Smoothies am Menschen vorliegen, ist ein gut zusammengesetzter Smoothie allemal besser als kein Obst und Gemüse. Er ist vor allem praktisch, wenn gerade keine frischen Produkte zur Verfügung stehen oder vorübergehend keine feste Nahrung aufgenommen werden kann. Generell sind nach wie vor frisches Obst und rohes bzw. schonend gegartes Gemüse in ihrer ganzen Vielfalt und mit ihrem vollen Spektrum an Nährstoffen und sekundären Pflanzenstoffen, ihrem geringen Energiegehalt und ihrem großen, sättigenden Volumen zu bevorzugen.

Literatur

  1. DGEinfo vom 10.10.2007, Smoothies – Obst aus der Flasche, 130-132
  2. Watzl, Bernhard, Smoothies – Wellness aus der Flasche?, Ernährungs Umschau 6/2008, 352-353
  3. Proceedings of the German Nutrition Society, Tagungsband zur Arbeitstagung der DGE 2007: Prävention durch bunte Vielfalt – Wie viel Obst und Gemüse braucht der Mensch? Volume 11 (2007)

 

 


Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.
Godesberger Allee 18
53175 Bonn
Tel: +49 228 3776-600
Fax: +49 228 3776-800

DGE-Ernährungskreis

Weitere Informationen

Projekte der DGE im Rahmen von „IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ gefördert durch das BMEL.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. © 2018 DGE.