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Presseinformation: Presse, DGE aktuell, 2008 03/2008 vom 10.06.2008
DGE aktuell

Kohlenhydrate in der Ernährung

DGE erarbeitet evidenzbasierte Leitlinie


(dge) Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) arbeitet seit Ende letzten Jahres an der Erstellung einer evidenzbasierten Leitlinie zum Thema „Kohlenhydratkonsum“, die aktuelle wissenschaftlich gesicherte Informationen und Zusammenhänge über die Bedeutung von Kohlenhydraten in der Ernährung des Menschen und zur Prävention ausgewählter ernährungsmitbedingter Krankheiten liefern soll.

Kohlenhydrate sind die quantitativ wichtigste Energiequelle für den Menschen. Die DGE empfiehlt gesunden Erwachsenen mindestens 50 % ihrer täglichen Energiezufuhr in Form von Kohlenhydraten aufzunehmen. Das entspricht bei einem PAL-Wert1 von 1,4 rund 230 g für Frauen und 300 g für Männer. Nach heutigem Wissen sollen vorzugsweise komplexe Kohlenhydrate durch stärkehaltige und ballaststoffreiche Lebensmittel, wie Getreide, Getreideerzeugnisse, möglichst aus Vollkorn, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Kartoffeln aufgenommen werden. Diese Lebensmittel besitzen zudem durch ihr großes Volumen einen hohen Sättigungswert und enthalten neben Vitaminen und Mineralstoffen zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe.

„Unser Ziel ist es, sukzessiv Leitlinien für die Hauptnährstoffe zu erarbeiten“, erläutert Prof. Dr. Peter Stehle, Präsident der DGE. Nach der Veröffentlichung ihrer evidenzbasierten Leitlinie „Fettkonsum und Prävention ausgewählter ernährungsmitbedingter Krankheiten“ überprüft die DGE nun durch eine systematische Literaturanalyse und -bewertung entsprechend eines evidenzbasierten Vorgehens die wissenschaftlichen Grundlagen und Zusammenhänge hinsichtlich Kohlenhydratzufuhr und Prävention von ausgewählten Krankheiten.

Hintergrundinformation

Im Rahmen der Verwendung des Glykämischen Index (GI)2 von Lebensmitteln wurden bestimmte kohlenhydratreiche Lebensmittel regelrecht verurteilt und eine Diskussion über die empfehlenswerte Kohlenhydratzufuhr ausgelöst. Auch im Rahmen der freiwilligen Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln stehen die Kohlenhydrate in der Diskussion. Dies lässt sich am Beispiel der Rolle des Zuckers, d. h. alle den Lebensmitteln zugesetzten Mono- und Disaccharide einschließlich Zucker in Honig, Sirup und Fruchtsaft, momentan lebhaft verfolgen. Aktuell kursieren Vorschläge aus unterschiedlichen Personenkreisen, Verschiebungen in den Relationen der täglichen Zufuhr der Hauptnährstoffe, speziell die Reduktion des Kohlenhydratanteils zugunsten des Fett- und Proteinanteils in einer gemischten Kost zu empfehlen. In den Medien wird hierbei fälschlicherweise ein Bezug zwischen einem Konsensuspapier Ernährung 20083 und der DGE hergestellt. Tatsächlich ist ein ehrenamtlicher Funktionsträger der DGE Mitautor; die Inhalte des Papiers sind jedoch nicht mit der DGE abgestimmt worden.

Ernährungsempfehlungen der DGE werden generell nicht über einzelne Meinungen definiert, sondern in einem wissenschaftlichen Prozess innerhalb der Gremien der DGE, koordinierend mit internationalen Fachgesellschaften und unter Einbeziehung externer Experten erarbeitet. Empfehlungen der DGE werden in Form offizieller Publikationen den Fachkreisen bekannt gemacht. Eine Änderung der Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr ist aktuell nicht vorgesehen – die publizierten Empfehlungen der DGE haben Gültigkeit.

Der Richtwert der DGE für die Kohlenhydratzufuhr von mindestens 50 % ergibt sich unter Berücksichtigung des individuellen Energiebedarfs, des Proteinbedarfs und der Richtwerte für die Fettzufuhr.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts schafft das weniger als die Hälfte der Bevölkerung4 . Und auch die Ernährungsberichte aus Deutschland, Österreich u. Schweiz zeigen, dass Kohlenhydrate in der Ernährung lediglich einen Anteil von 40 - 45 % der aufgenommenen Energie ausmachen. Zugleich nehmen wir einen großen Teil davon über zugesetzte Zucker (hauptsächlich Saccharose) und Süßigkeiten auf. Dabei sollte die Versorgung mit Kohlenhydraten schwerpunktmäßig aus polysaccharidhaltigen (stärke- und ballaststoffreichen) Lebensmitteln bestehen. Dies gilt insbesondere bei energiearmer Kost, z. B. Diäten, um die Versorgung mit essenziellen Nährstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, sekundären Pflanzenstoffen und Ballaststoffen sicherzustellen. Dagegen ist die Zufuhr von Lebensmitteln mit hohem Gehalt an isolierten Kohlenhydraten, z. B. Mono- und Disacchariden sowie raffinierter und modifizierter Stärke, einzuschränken. Generell wird für Zucker (Mono- und Disaccharide) von der DGE ein moderater Konsum empfohlen.


1PAL-Wert = physical activity level, durchschnittlicher täglicher Energie-bedarf für körperliche Aktivität als Mehrfaches des Grundumsatzes. International anerkannter Wert, der je nach Grad der Muskelarbeit in Beruf und Freizeit variiert und z. B. für Menschen mit sitzender Tätigkeit und wenig oder keiner körperlich anstrengenden Freizeitaktivität bei 1,4 liegt

2GI = Glykämischer Index, beschreibt die Wirkung von kohlenhydratreichen Lebensmitteln auf den Blutzuckerspiegel

3http://www.kassenarzt.de: Konsensuspapier Ernährung 2008. „Deutsche müssen abspecken“, Stand: 07.03.2008

4Robert-Koch-Institut: Gesundheitsbericht: „Gesundheit in Deutschland“ 2006, www.rki.de


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