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Presseinformation: Presse, DGE aktuell, 2013 04/2013 vom 21.03.2013
DGE aktuell

Unter Beobachtung: Ernährungsforschung mit der Bevölkerung

50. Wissenschaftlicher Kongress der DGE


(dge) Seit über 60 Jahren erarbeitet die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) Ernährungsempfehlungen für die Bevölkerung. Eine wesentliche Grundlage für diese Empfehlungen liefern heute epidemiologische Studien, die die Beziehung zwischen dem Ernährungsverhalten und dem Auftreten von verschiedenen ernährungsmitbedingten Krankheiten untersuchen.

Anlässlich ihres 50. Wissenschaftlichen Kongresses vom 20.-22. März 2013 in Bonn beschäftigt sich die DGE mit dem Thema „Unter Beobachtung: Ernährungsforschung mit der Bevölkerung“ und lotet die Chancen und Grenzen der Ernährungsforschung unter aktuellen Gesichtspunkten aus. „Im Bereich Ernährung haben beobachtende Bevölkerungsstudien einen hohen Stellenwert. Denn Interventionsstudien, wie sie in der Medizin angewandt werden, haben zwar eine unbestreitbar hohe methodische Qualität, sind aber z. B. aus ethischen Gründen in der Ernährungsforschung nicht für alle Fragestellungen denkbar. Im Falle der Prävention ernährungsmitbedingter Krankheiten mittels Lebensstilintervention stehen prospektive Beobachtungsstudien als Studienquelle im Vordergrund. Sie sind eine wichtige Grundlage für die Ableitung evidenzbasierter Empfehlungen für die Bevölkerung.“ Das ist ein Fazit von Frau Prof. Dr. Ute Nöthlings auf dem Pressegespräch zum DGE-Kongress. Nöthlings hat gemeinsam mit Prof. Dr. Peter Stehle, beide Institut für Ernährungs-und Lebensmittelwissenschaften (IEL) an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn, die Wissenschaftliche Leitung des Kongresses inne. Sie leitet seit 2012 den neu eingerichteten Lehrstuhl für Ernährungsepidemiologie an der Universität Bonn. Die drei Plenarvorträge des Kongresses untermauern die Bedeutung von beobachtenden Bevölkerungsstudien. Sie stellen aktuelle wegweisende Ergebnisse aus epidemiologischen Studien der Ernährungsforschung vor.

Hintergrundinformation

Über „Gene-diet interactions and risk of obesity und diabetes“ referiert Frank B. Hu, Professor für Ernährung und Epidemiologie an der Harvard Medical School in Boston. Hus Studien unterstreichen, dass Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2 aus dem komplexen Zusammenspiel von genetischen und Umweltfaktoren resultieren. So zeigte eine aktuelle Arbeit, dass die genetische Disposition für Adipositas durch körperliche Aktivität und einen gesundheitsfördernden Lebensstil aufgehoben oder zumindest abgeschwächt werden kann. Geringe körperliche Aktivität und ein westlich geprägter Ernährungs-und Lebensstil mit ausgedehntem Fernsehkonsum und einem hohen Konsum zuckergesüßter Getränke konnte diese Disposition hingegen verstärken. Hu geht davon aus, dass wir die komplexen Interaktionen zwischen Ernährung und genetischen Faktoren durch entsprechende Studien in Zukunft immer besser verstehen werden.

Auch Prof. Serge Hercberg, Medical School Paris, betont die Bedeutung der Ernährungsepidemiologie bei der Untersuchung von Ernährungs-Gesundheits- Beziehungen. Er stellt in seinem Plenarvortrag die Nutrinet-Santé Studie, eine webbasierte Kohortenstudie, vor. Es handelt sich hier um eine prospektive Studie, die den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit und den Determinanten von Ernährungsgewohnheiten und Ernährungszustand mit Hilfe eines webbasierten Ansatzes aufzeigen soll. Die Nutzung des Internets, hebt Hercberg hervor, ermögliche eine große Stichprobe von Probanden und stelle einen riesigen Speicher mit phänotypischen Daten zur Verfügung, der durch Internet-Fragebögen ergänzt und mit den Ergebnissen von Laboruntersuchungen wie Blut-und Urinproben verknüpft würde. Die Identifizierung ernährungsbedingter Risiko-und Schutzfaktoren sei ein notwendiger Schritt zur weiteren Verbesserung von Ernährungsempfehlungen für die Bevölkerung.

Der Frage, ob Bewegung Krebs vorbeugen kann, geht Prof. Dr. Michael Leitzmann vom Universitätsklinikum Regensburg in seinem Vortrag „Körperliche Aktivität und Krebs“ nach. „Neueren epidemiologischen Studien nach gibt es Hinweise dafür, dass regelmäßige körperliche Aktivität das Risiko für die Entwicklung bösartiger Neubildungen des Dickdarms, der Brust, der Gebärmutter, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Niere senkt", fasst Leitzmann zusammen und führt aus: „Als mögliche Mechanismen der Krebsprävention durch körperliche Aktivität kommen eine verbesserte Insulinsensitivität, eine verringerte Synthese von Wachstumsfaktoren, eine Verminderung der chronischen Inflammation sowie eine erniedrigte Konzentration von Steroidhormonen in Betracht." Die Stärke der inversen Beziehung zwischen körperlicher Aktivität und Krebs variiert je nach Krebsart. Während die inverse Beziehung zwischen körperlicher Aktivität und inzidentem Krebs epidemiologisch zum Teil recht gut belegt ist, besteht hinsichtlich des möglicherweise günstigen Einflusses der körperlichen Aktivität auf die Langzeitprognose eines bereits eingetretenen Karzinoms weiterer Forschungsbedarf


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