Der Wissenschaft verpflichtet – Ihr Partner für Essen und Trinken
Direkt zum Hauptinhalt
Presseinformation: Presse, DGE aktuell, 2010 04/2010 vom 11.03.2010
DGE aktuell

47. Wissenschaftlicher Kongress der DGE fokussiert ernährungsassoziierte Erkrankungen


/Auditorium

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) e.V.; 47. Wissenschaftlicher Kongress der DGE; Friedrich-Schiller-Universität Jena;
© Fotograf: Jürgen Scheere

Mehr als 600 Ernährungswissenschaftler, Ernährungsmediziner und Experten angrenzender Disziplinen begrüßen die Wissenschaftlichen Leiter Dr. Volker Böhm und Prof. Dr. Peter Stehle des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Schwerpunktthema der Tagung sind ernährungsassoziierte Erkrankungen wie Arteriosklerose, Krebs oder Rheuma.

Plenarreferent Dr. Patrick Borel von der Universität Aix-Marseille stellt Ergebnisse zur Bioverfügbarkeit von Carotinoiden vor. Er untersucht, wie stark genetische Aspekte deren Resorption beeinflussen. Carotinoide wie β-Carotin, Lycopin, Lutein oder Zeaxanthin sollen nicht nur das Risiko für die Entstehung von Krebserkrankungen senken. Schon länger wird vermutet, dass sie auch das Risiko für die altersbezogene Makula-Degeneration (AMD) senken können, einer krankhaften Veränderung des gelben Flecks (der Punkt des schärfsten Sehens) der Augennetzhaut. „Die AMD zählt in den westlichen Industrienationen zu den häufigsten Ursachen für Sehbehinderungen. Neben genetischen spielen auch Ernährungsfaktoren bei der Pathogenese eine Rolle“, berichtet Dr. Volker Böhm, Universität Jena.

Der Kongress richtet sich speziell an junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die Gelegenheit haben, ihre ersten oder auch fortgeschrittenen Arbeiten vor einem größeren Plenum zu präsentieren und zu diskutieren. In Jena stellen 140 Referenten in 60 Vorträgen und 87 Postern ihre Ergebnisse aus der ernährungswissenschaftlichen Forschung vor. In einer Pro- und Contra-Runde diskutieren Experten über Sinn und Nutzen von Antioxidanzien auch über die Nahrungszufuhr hinaus. Ein Novum auf dem Kongress sind Minisymposien, auf denen zur Pathogenese der Arteriosklerose, zu Inflammatorischen Erkrankungen sowie diskutierten Schutzwirkungen sekundärer Pflanzenstoffe auf Krebs, Herz-Kreislauf-Krankheiten und AMD über aktuelle Forschungsergebnisse referiert wird.

Hintergrundinformation:

Podium Pressekonferenz

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) e.V.; 47. Wissenschaftlicher Kongress der DGE; v.l.n.r.: Prof. Dr. Peter Stehle, DGE, PD Dr. Volker Böhm, FSU Jena, Dr. Patrick Borel, Universität Aix-Marseille, und Prof. Dr. Dr. Dieter Lütjohann, Universitätsklinikum Bonn bei der bei der Pressekonferenz zum 47. Wissenschaftlichen Kongress der DGE an der Friedrich-Schiller-Universität Jena;
© Fotograf: Jürgen Scheere

Im Hinblick auf das Risiko für Augenerkrankungen beobachteten prospektive Kohortenstudien bei hohen Zufuhren von Lutein und Zeaxanthin über die Nahrung ein geringeres AMD-Risiko. In hohen Dosierungen führte in einer Pilotstudie die Aufnahme von 12 mg Lutein pro Tag zu einer Erhöhung der Makulapigmentdichte. Andere Studien zeigten keine Risikobeeinflussung. Für gesicherte Aussagen sind daher weitere Studien notwendig. Jedoch ist nicht nur die Zufuhr entscheidend, sondern auch die Resorption, d.h. wie viel steht dem Körper von der zugeführten Menge tatsächlich zur Verfügung.

Epidemiologische Studienergebnisse über gesundheitsfördernde Wirkungen von n-3 Fettsäuren, sekundären Pflanzenstoffen und Antioxidanzien in Bezug auf entzündliche, degenerative, chronische, ernährungsmitbedingte Krankheiten weisen auf bestimmte Assoziationen zwischen Verzehrsmenge und Krankheitsrisiko hin. Ursächliche Zusammenhänge werden damit nicht bewiesen. Weitere Daten stammen aus tierexperimentellen oder klinischen Studien. Ergebnisse aus Tierstudien lassen sich nicht direkt auf den Menschen übertragen. Es fehlt oftmals an belastbaren Daten, um für bestimmte Inhaltsstoffe der Nahrung, z. B. sekundäre Pflanzenstoffe, exakte Mengenempfehlungen aussprechen zu können.

Dies gilt beispielsweise auch für den Zusammenhang zwischen rheumatoider Arthritis und deren Beeinflussung durch die Zufuhr langkettiger n-3 Fettsäuren wie Eicosapentaen- und Docosahexaensäure, die hauptsächlich in fettreichen Seefischen enthalten sind. Bis zu 1,5 % der Bevölkerung in Industrieländern sind von der Krankheit betroffen, bei der es erblich bedingt zu einer dauerhaft gesteigerten Entzündungsreaktion kommt. Humaninterventionsstudien zeigen, dass die Gabe langkettiger n-3 Fettsäuren in höheren Dosierungen über Kapseln oder als Lebensmittelzusätze die Krankheitsaktivität der rheumatoiden Arthritis senken kann. Durch eine an Arachidonsäure (enthalten in Fleisch) arme und an n-3 Fettsäuren reiche Ernährung werden Beschwerden wie Schwellungen, Übererwärmung und Schmerzen gelindert und in verschiedenen Studien ließ sich der Einsatz von Medikamenten reduzieren. Bei dieser Ernährung bildet der Körper nachweislich weniger entzündungsfördernde Botenstoffe.

Seinen Plenarvortrag über Phytosterole beginnt Prof. Dr. Dr. Lütjohann mit dem Satz: „Hohe Serumcholesterolspiegel sind ein bedeutender unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen“. Eine nicht medikamentöse Therapie zur Senkung des LDL- und Gesamtcholesterols bestehe im Verzehr so genannter funktioneller Lebensmittel mit Zusätzen von Sterolen (z. B. Margarine, Joghurt). In hohen Dosen konkurrieren die Sterole im Darm um dasselbe Transportsystem wie Cholesterol und verdrängen es. Dadurch lässt sich der Cholesterolspiegel um etwa 10 % senken. In der Behandlung der Hyperlipoproteinämie wird vom National Cholesterol Education Program (NCEP-Panel III) als zusätzliche diätetische Maßnahme eine Supplementation mit Sterolen empfohlen. Diese Empfehlung bleibt jedoch nicht unwidersprochen, da eine solche Nahrungsergänzung zu hohen Phytosterol-Spiegeln im Serum geführt hat und sich Sterole vermehrt im Gewebe ablagerten. Den neuesten Sachstand stellt Prof. Lütjohann in seinem Vortrag „Phytosterole - Freund oder Feind?“ vor.


Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.
Godesberger Allee 18
53175 Bonn
Tel: +49 228 3776-600
Fax: +49 228 3776-800

DGE-Ernährungskreis

Weitere Informationen

Projekte der DGE im Rahmen von „IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ gefördert durch das BMEL.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. © 2018 DGE.