Die Arbeitsgruppe Ernährungsforschung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) hat ein Positionspapier zu den Perspektiven für die Ernährungsforschung in der Dezemberausgabe der Ernährungs Umschau veröffentlicht. Darin benennt die Fachgesellschaft die aus ihrer Sicht wichtigsten Forschungsziele der kommenden Jahre. Auf DGE-Blog fasst Prof. Dr. Jakob Linseisen in drei Antworten die zentralen Aspekte für uns zusammen.

 

Professor Dr. Jakob Linseisen © Bild: Ulrich Wirth, Universitätsklinikum Augsburg

Professor Dr. Jakob Linseisen war von 2019 bis August 2022 Präsident der DGE und gehört seitdem als gewähltes Mitglied zum Wissenschaftlichen Präsidium der DGE.

Er ist Leiter der DGE-Arbeitsgruppen “Ernährungsforschung”, “Personalisierte Ernährung”, „Themen der Ernährungsforschung“ und “(Stark) verarbeitete Lebensmittel” sowie Mitglied in den DGE-Arbeitsgruppen “Lebensmittelbezogene Ernährungsempfehlungen”, “Überarbeitung der Referenzwerte für die Zufuhr von essenziellen Fettsäuren und Fett“ sowie der “Leitlinienkommission” der evidenzbasierten Leitlinie zur Fettzufuhr und Prävention ausgewählter ernährungsmitbedingter Krankheiten.

Prof. Linseisen leitet den Lehrstuhl für Epidemiologie der Universität Augsburg am Universitätsklinikum Augsburg. Sein wissenschaftlicher Fokus liegt auf der Erforschung des Zusammenspiels von Ernährung, Stoffwechsel und der Entstehung bzw. dem Verlauf chronischer Krankheiten.

DGE-Blog:

Warum hat die DGE-Arbeitsgruppe das Positionspapier zu den Perspektiven für die Ernährungsforschung erarbeitet?

Jakob Linseisen:

Angesichts der enormen Bedeutung von Ernährung für die Gesundheit, die Gesellschaft und die nachhaltige Entwicklung braucht es dringender denn je Visionen, Ressourcen und aufeinander abgestimmte Aktionen zur Stärkung der Ernährungsforschung. Es ist eine große Chance, diesen Herausforderungen mit konstruktiven Lösungsansätzen und Veränderungen zu begegnen.

DGE-Blog:

Was sind nach Ihrer Erkenntnis die zentralen Herausforderungen beim Thema Ernährung?

Jakob Linseisen:

Zentrale Herausforderungen sind insbesondere die Klimakrise, die SARS-CoV-2-Pandemie, die Adipositas-Epidemie sowie Kriege und der globale Hunger. Sie zwingen zum Umdenken und Handeln – auch und gerade im Bereich Ernährung.

DGE-Blog:

Was sind die zukunftsrelevanten Themenfelder im Bereich der Ernährungsforschung?

Jakob Linseisen:

Die Ernährungswissenschaft muss neue Konzepte entwickeln, deren Implementierung in die Praxis begleiten und ihre Wirksamkeit bewerten.

Wir haben sieben Themenfelder benannt:

  1. Weiterentwicklung von Ernährungsempfehlungen
  2. Neue Technologien und Data Science in der Ernährungswissenschaft
  3. Lebensmittelinhaltsstoffe und Lebensmittelverarbeitung
  4. Neue Ansätze der Ernährungsverhaltensforschung
  5. Gesundheitsfördernde und faire Ernährungsumgebungen
  6. Monitoring und Surveillance im Ernährungsbereich
  7. Physiologische Aspekte der Ernährung auf verschiedenen Ebenen

Idealerweise dienen die benannten Forschungsthemen als Wegweiser und Orientierungshilfe für die Formulierung entsprechender Ausschreibungen von Förderprogrammen.

Um optimale Ergebnisse zu erzielen und die Gesundheit und Nachhaltigkeit durch Ernährung zu verbessern, müssen wir mit angrenzenden Wissenschaftsbereichen wie den Agrar- und Umweltwissenschaften, der Lebensmitteltechnologie, Psychologie und Medizin eng zusammenarbeiten.

DGE-Blog:

Haben Sie vielen Dank für das Interview.