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Mittelkettige Triglyceride für die Adipositastherapie nicht empfehlenswert

Wissenschaftliche Beweise für eine langfristige Gewichtskontrolle durch MCT fehlen

MCT (MCT = medium chain triglycerides) sind Fette mit Fettsäuren mittlerer Kettenlänge (6–10 Kohlenstoffatome). Im Vergleich zu den üblichen Nahrungsfetten mit langkettigen Fettsäuren (LCT = long chain triglycerides, > 10 Kohlenstoffatome) werden sie schneller gespalten, absorbiert und über die Pfortader direkt zur Leber transportiert. Sie bieten somit Vorteile, die in der diätetischen Therapie verschiedener Darmkrankheiten von Nutzen sind (s. Tab. 1). Von den natürlichen Lebensmitteln enthalten nur Butter, Palm- und Kokosöl MCT. Für den Einsatz in Diäten werden daraus spezielle Koch- und Streichfette hergestellt. MCT haben im Vergleich zu LCT einen zehn Prozent niedrigeren Energiegehalt und verursachen eine höhere nahrungsinduzierte Thermogenese (Steigerung des Energieverbrauchs) als die üblichen Nahrungsfette.

Hintergrund

MCT werden im Darm schneller gespalten als LCT bzw. auch ungespalten durch die Darmepithelzellen aufgenommen. An Albumin gebunden werden die mittelkettigen Fettsäuren direkt über das Blut der Pfortader zur Leber transportiert. Langkettige Fettsäuren dagegen werden in Chylomikronen eingebaut und erreichen über den Lymphweg das Blut. In der Leber werden mittelkettige Fettsäuren bevorzugt oxidiert. Im Gegensatz zu langkettigen Fettsäuren werden sie unabhängig von fettsäurebindenden Proteinen in die Mitochondrien aufgenommen, wo sie schnell abgebaut werden. Das anfallende Acetat dient in Form von Acetyl-CoA als Baustein für die Neusynthese von z. B. Ketonkörpern, Fettsäuren, Cholesterol oder zur Energiegewinnung mittels β-Oxidation (Karlson 1984). Der Austausch von LCT durch MCT in einer Diät muss langsam erfolgen, da bei Gabe größerer MCT-Mengen (> 50–80 g/Tag) ohne vorherige

Gewöhnung Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall auftreten können. Die anfängliche Zufuhr von 20 g/Tag sollte langsam um 5–10 g/Tag gesteigert werden. Manchmal werden nach erfolgter Anpassung größere Mengen MCT (100–150 g/Tag) vertragen (Richter 2001, Kasper 2009). Je nach Toleranz und Bedarf sollte sich die Zufuhr auf ca. 50–100 g/Tag beschränken (Heepe und Wigand 2002) und nur bei absoluter Notwendigkeit gesteigert werden (Richter 2001). Die Zufuhr von essenziellen Fettsäuren muss durch die Gabe eines entsprechen- den Fettes sichergestellt werden. Fettlösliche Vitamine dagegen werden bei der Gabe von MCT ausreichend absorbiert (Kasper 2009). Der Einsatz von MCT in der täglichen Nahrungszubereitung wird durch ihre küchentechnischen Eigenschaften stark eingeschränkt: Sie sind zum Braten, Schmoren und Dünsten nicht geeignet, da der Rauchpunkt bei etwa 120 ° C liegt. Bei langem Warmhalten bzw. Aufwärmen der mit MCT zubereiteten Speisen entsteht ein bitterer Geschmack, so dass die Speisen umgehend nach der Zubereitung verzehrt werden müssen (Richter 2001). Ergebnisse früherer Studien zeigen, dass MCT neben dem geringeren Energiegehalt eine höhere postprandiale Thermogenese und dadurch einen größeren Energieverbrauch induzieren als LCT, wie Nagao und Yanagita (2010) in ihrem Review zusammenfassen. Aufgrund dieser Unterschiede zwischen MCT und LCT wurde postuliert, dass der Ersatz von LCT durch MCT vorteilhaft für die Gewichtskontrolle bzw. Prävention der Adipositas sein könnte.

Tab. 1: Unterschiede zwischen mittelkettigen (MCT) und langkettigen Triglyceriden (LCT) und Indikationen für den diätetischen Einsatz von MCT
  MCT LCT Indikationen für MCT
Hydrolyse im Dünndarm schnell langsam Zustand nach Dünndarmresektion
Hydrolyse bei Lipasemangel gut schlecht exokrine Pankreasinsuffizienz
Hydrolyse bei mangelnder Gallenproduktion gut schlecht verminderte Gallesekretion, Cholestyraminbehandlung, chologene Diarrhö
Absorption im Dünndarm schnell langsam Zustand nach Dünndarmresektion
Absorption bei verminderter Triglyceridsynthese in der Dünndarmmukosa gut schlecht gluteninduzierte Enteropathie, Strahlenschädigung des Dünndarms etc.
Absorption bei fehlender oder verminderter Proteinsynthese in der Dünndarmmukosa gut schlecht A-β-Lipoproteinämie
Absorption bei gestörtem Lymphabfluss durch Obstruktion von Lymphbahnen gut schlecht enterales Proteinverlustsyndrom, gestörter Lymphabfluss

modifiziert nach Kasper H: Ernährungsmedizin und Diätetik. Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag, München, 11. Auflage (2009)

Einfluss von MCT auf die Gewichtsentwicklung und die Körperfettmasse

Einige Studien bestätigen, dass ein Austausch von LCT gegen MCT sowohl die Gewichtsabnahme als auch die Abnahme der Körperfettmasse unterstützt (Nagao und Yanagita 2010). So untersuchten Tsuji et al. (2001) in einer randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie den Einfluss einer MCT-Zufuhr auf die Gewichtsveränderung über 12 Wochen. Die tägliche Energiezufuhr der Fertigmahlzeiten betrug in der gesamten Studienpopulation ca. 2 205 kcal. Der Fettgehalt lag bei ca. 60 g/Tag. Davon wurden jeweils 10 g als MCT bzw. LCT (Raps- und Sojaöl) in Brot eingebacken und zum Frühstück verzehrt. Bei Teilnehmern (n = 56) mit einem Body Mass Index (BMI) ≥ 23 kg/m2 führte die MCT-Zufuhr nach 12 Wochen zu einer signifikant größeren Gewichtsabnahme als die Zufuhr einer gleichen Menge LCT (–6,12 ± 0,5 kg vs. –4,78 ± 0,4 kg, p < 0,05). Der Abbau der Körperfettmasse war nach achtwöchiger Interventionsdauer in der MCT-Gruppe signifikant größer als in der LCT-Gruppe (–3,86 ± 0,3 kg vs. –2,75 ± 0,2 kg, p < 0,05). Bei Teilnehmern mit einem BMI < 23 kg/m2 (n = 22) konnte kein Unterschied zwischen den Gruppen festgestellt werden.

Ähnliche Ergebnisse zeigte die doppelblind durchgeführte, kontrollierte Studie von Nosaka et al. (2003). Die tägliche Energiezufuhr der gesunden japanischen Studienpopulation (n = 64; mittlerer BMI = 25,0 ± 3,3 kg/m2) betrug im Durchschnitt 2 200 kcal (täglich drei Fertigmahlzeiten, 150 g Obst, 100 g Gemüse, ein Ei und Snacks mit 100–400 kcal). Der Unterschied in der Energiezufuhr zwischen LCT- und MCT-Gruppe war nicht signifikant. 30 % der gesamten Energiezufuhr (EN%) wurden als Fett aufgenommen (65–73 g). Der Austausch von LCT gegen MCT erfolgte in Form einer Testmargarine, die 5 g des jeweiligen Testöls enthielt. Dies entspricht 2 EN% bzw. 7 % des Gesamtfettes als MCT/LCT. Der tägliche Konsum der MCT-Testmargarine zum Frühstück über 12 Wochen bewirkte eine signifikant größere Abnahme des Körpergewichts (KG) und der Körperfettmasse (FM) als der Konsum der LCT-Margarine ( KG –4,2 ± 2,8 kg vs. –2,9 ± 2,0 kg, p < 0,05; FM –3,8 ± 2,4 kg vs. –2,4 ± 1,7 kg, p < 0,05).

Dagegen konnten St-Onge et al. (2003a) in einer stationär durchgeführten crossover-Studie bei übergewichtigen Frauen (n = 17; BMI = 31,8 ± 0,9 kg/m2) diese Effekte nicht bestätigen. Die Teilnehmerinnen verzehrten je 27 Tage eine MCT- bzw. eine LCT-reiche Kost mit gewichtserhaltenem Energiegehalt (40 EN% Fett, 15 EN% Protein und 45 EN% Kohlenhydrate). Je nach Test-Phase wurden 75 % des Gesamtfettes durch LCT (Rinderschmalz) oder durch ein MCT-Öl-Gemisch (50 % MCT, 10 % Olivenöl, 5 % Butter, 5 % Kokosöl und 5 % Rapsöl) ausgetauscht. Die restlichen 25 % Fett waren intrinsische Fette von Lebensmitteln, die in beiden Diäten verwendet wurden. Es wurde kein Unterschied im Einfluss einer vierwöchigen MCT-Zufuhr im Vergleich zu einer LCT-Zufuhr auf die Gewichtsreduktion (–0,87 ± 0,16 kg vs. –0,84 ± 0,22 kg) und die Reduktion der Körperfettmasse festgestellt (–0,61 ± 0,38 l vs. –0,54 ± 0,48 l). Auch bei übergewichtigen Männern (n = 24; BMI = 28,2 ± 0,4 kg/ m2) hatte die MCT-Zufuhr über vier Wochen im Vergleich zu einer Olivenöl-Zufuhr keinen signifikant unterschiedlichen Einfluss auf die Gewichtsabnahme (–1,03 ± 0,25 kg vs. –0,62 ± 0,29 kg) und die Abnahme der Körperfettmasse (–0,83 ± 0,25 kg vs. –0,31 ± 0,30 kg) (St-Onge et al. 2003b). Die Teilnehmer erhielten in der randomisierten crossover-Studie je 28 Tage eine MCT- bzw. eine LCT-reiche Kost mit gewichtserhalten- dem Energiegehalt (40 EN% Fett, 15 EN% Protein und 45 EN% Kohlenhydrate). 75 % des Gesamtfettes wurden in der LCT-Kost durch Olivenöl und in der MCT-Kost durch ein Fettgemisch aus 64,7 % MCT-Öl, 12,6 % Olivenöl, 6,8 % Rapsöl, 6,8 % Leinsamenöl und 5,8 % Kokosöl ersetzt (ca. 21,5 g MCT/Tag).

Eine jüngere Studie von St-Onge und Bosarge (2008) untersuchte den Effekt einer MCT-Zufuhr während eines 16-wöchigen ambulanten Gewichtsreduktionsprogramms, bei dem die Teilnehmer (n = 31; BMI = 29,8 ± 0,4 kg/m2) einmal in der Woche an einer Gruppensitzung teilnahmen. Die Energiezufuhr war bei Frauen auf 1 500 kcal/Tag und bei Männern auf 1 800 kcal/Tag beschränkt. Im Rahmen dieser Diät betrug die Fettzufuhr 18 g bei Frauen bzw. 24 g bei Männern. Das entsprechende Testöl (MCT oder Olivenöl) wurde in Form von Muffins (10 g Fett) und als flüssiges Öl für die Nahrungszubereitung (8 oder 14 g) zugeführt. Die MCT-Zufuhr führte im Vergleich zur gleichen Menge Olivenöl (jeweils etwa 12 % der angeordneten Energiezufuhr) zu einer nicht signifikant größeren Gewichtsabnahme (–3,2 ± 0,49 kg vs. –1,4 ± 0,49 kg) und zu einem signifikant größeren Verlust der Fettmasse (–2,23 ± 0,57 kg vs. –0,69 ± 0,58 kg, p < 0,05). Die zugrundeliegenden Mechanismen der Körpergewichts- und Körperfettmassenabnahme sind derzeit nicht abschließend geklärt.

Einfluss von MCT auf den Energieverbrauch

In klinischen Studien wurde nachgewiesen, dass sowohl bei Übergewichtigen als auch bei Normalgewichtigen die nahrungsinduzierte Thermogenese und die Fettoxidation nach MCT-Konsum größer waren als nach LCT-Konsum (Nagao und Yanagita 2010). Einige Studien konnten diesen Effekt über einen Zeitraum von bis zu vier Wochen messen, wohingegen andere Studien ergaben, dass die Steigerung der Thermogenese nur vorrübergehend ist (Kovacs 2006). Dies zeigte sich auch in den oben bereits genannten kontrollierten crossover-Studien von St-Onge et al. (2003a, 2003b): Übergewichtige Frauen und Männer bekamen je vier Wochen eine MCT- bzw. LCT-reiche Diät, wobei am zweiten und 27. Tag jeder Diätphase Energieverbrauch und Fettoxidation gemessen wurden. Bei den Frauen waren der Energieverbrauch und die Fettoxidation nach der MCT-Kost verglichen mit der LCT-Kost erhöht. Dies bedeutete eine durchschnittliche Steigerung des Energieverbrauchs in Höhe von 40–50 kcal/Tag während der vierwöchigen MCT-Phase. Bei den Männern führte der MCT-Konsum im Vergleich zu LCT zu einem zusätzlichen Energieverbrauch von 43–63 kcal/Tag. Eine tendenzielle Erhöhung der Fettoxidation konnte bei Männern nur am zweiten Tag nachgewiesen werden. Beide Studien waren nicht darauf ausgerichtet, längerfristige Effekte zu untersuchen. Die Steigerung des Energieverbrauchs und der Fettoxidation war bei Männern mit initial geringerem Körpergewicht größer (St-Onge und Jones 2003).

Auch die Ergebnisse einer weiteren cross-over-Studie (Alexandrou et al. 2007) sind nicht eindeutig und aufgrund der kurzen Interventionsphase bleiben langfristige Effekte unklar: Normalgewichtige Frauen (n = 8; BMI = 21,5 ± 0,66 kg/m) bekamen mit einer Unterbrechung von 21 Tagen für je sieben Tage eine MCT- und eine LCT-reiche Kost. Der Energiegehalt der beiden Kostformen betrug 2 700 kcal (40 EN% Fett, 15 EN% Protein und 45 EN% Kohlenhydrate). In der MCT-Kost wurden ca. 78 % des Gesamtfettgehalts durch ein MCT-Öl abgedeckt. Der Fettgehalt der LCT-Kost bestand zu ca. 65 % aus Rinderschmalz und enthielt natürlicherweise 1,1 % mittelkettige Fettsäuren. Bei Messungen am ersten und siebten Tag jeder Kostphase konnten keine signifikanten Unterschiede im Ruheenergieumsatz und im postprandialen Energieverbrauch zwischen MCT- und LCT-Kost nachgewiesen werden. Die postprandiale Fettoxidation war bei der MCT-Kost signifikant höher als bei der LCT-Kost.

Einfluss von MCT auf Hunger und Sättigung

Wurden LCT durch MCT ersetzt, konnte in mehreren Studien ein erhöhtes Sättigungsgefühl und eine längere Sättigungsdauer beobachtet wer- den. Eine kleine Subgruppe (n = 5) der bereits genannten Studie von St-Onge et al. (2003b) bewertete mittels eines validierten Fragebogens ihr Sättigungsgefühl nach einem MCT- bzw. LCT-haltigen Frühstück. Hierbei konnten keine Unterschiede zwischen den beiden Kostformen festgestellt werden. Jedoch zeigte sich, dass nach einem MCT-haltigen Frühstück die Energiezufuhr mit der darauf folgenden Mittagsmahlzeit an einem Buffet geringer war als nach dem LCT-haltigen Frühstück.

Bisher konnte kein einzelnes Sättigungshormon bestimmt werden, dessen Sekretion von der MCT-Zufuhr beeinflusst wird (Kovacs 2006). Es wird vermutet, dass die Verringerung des Hungergefühls durch die erhöhte Ketonkörperkonzentration im Blut nach dem MCT-Konsum bedingt ist. Eine Studie zeigte, dass dieser Effekt vermutlich aufgrund von Anpassungsmechanismen im Stoffwechsel, bereits nach zwei Wochen abnahm (Krotkiewski 2001).

Strukturiertes Fett mit verbesserten küchentechnischen Eigenschaften

Eine Gruppe von Autoren untersuchte die Wirkung eines „strukturierten Fettes“, welches aus einem Triglycerid mit mittel- und langkettigen Fettsäuren besteht. Dieses neue Fett (MLCT = medium- and long chain triglycerides) soll die ernährungsphysiologischen Eigenschaften eines MCT-Fettes haben und durch verbesserte küchentechnische Eigenschaften breitere Anwendung in der täglichen Nahrungszubereitung finden können (Aoyama et al. 2007, Takeuchi et al. 2008).

Kasai et al. (2003) untersuchten an gesunden Probanden (n = 82; BMI = 24,6 ± 0,3 kg/m2), ob die Zufuhr von MLCT zu einer Gewichtsreduktion führte. Die Probanden bekamen 12 Wochen lang ein Brot zum Frühstück, das entweder mit 14 g MLCT (1,7 g mittelkettige Fettsäuren) oder mit der gleichen Menge LCT (Raps- und Sojaöl) gebacken wurde. Insgesamt wurden in beiden Gruppen ca. 30 EN% Fett aufgenommen (65,8 g). Die Gesamtenergiezufuhr während der Intervention lag bei 2 231 kcal/Tag und damit etwas höher als vor Studienbeginn (+175–250 kcal). Dennoch wurde in beiden Gruppen eine Gewichtsabnahme und eine Abnahme der Körperfettmasse beobachtet, die in der MLCT signifikant größer waren als in der LCT-Gruppe ( KG –4,5 ± 0,4 kg vs. –3,3 ± 0,4 kg, p < 0,05; FM –4,4 ± 0,4 kg vs. –3,3 ± 0,3 kg, p < 0,05). Die Au toren machten keine Angaben über den Energieverbrauch oder die körperliche Aktivität während der Intervention und liefern auch sonst keine Erklärung, warum trotz höherer Energiezufuhr beide Gruppen an Gewicht verloren.

Eine weitere Studie bestätigte, dass der MLCT-Konsum das Körpergewicht und die Körperfettmasse stärker reduzierte als die vergleichbare Menge LCT: 101 Männer und Frauen mit Hypertriglyceridämie (mittlerer BMI = 25,9 kg/m2) verzehrten in der Doppelblindstudie von Xue et al. (2009a) täglich 25–30 g MLCT oder LCT. Das zur Verfügung gestellte Öl sollte bei der Nahrungszubereitung verwendet werden und deckte die Hälfte der täglichen Fettmenge (maximal 30 EN%) ab. Die Energie-, Protein-, Kohlenhydrat- und Fettzufuhr unterschied sich ebenso wie die körperliche Aktivität nicht zwischen der MLCT- und der LCT-Gruppe. Nach acht Wochen haben die Teilnehmer der MLCT-Gruppe mehr Körpergewicht und Körperfettmasse verloren als die der LCT-Gruppe. Eine Stratifizierung nach dem Alter zeigte, dass diese Effekte nur bei einem Alter von 60 Jahren signifikant sind (Xue et al. 2009b).

Matsuo et al. (2001) hingegen gaben 13 Männern über 12 Wochen zu ihrer normalen Kost (1 700–2 200 kcal) flüssige Zusatznahrung (plus ca. 250 kcal/Tag), die insgesamt 20 g MLCT oder 20 g LCT (Sojaöl) enthielt. Beide Gruppen haben zwar an Gewicht zugenommen, die Zunahme der Fettmasse war jedoch in der MLCT-Gruppe signifikant geringer als in der LCT-Gruppe. Die Autoren nehmen an, dass sich diese Beobachtungen durch die Steigerung der nahrungsinduzierten Thermogenese durch MLCT erklären lassen. Eine crossover-Untersuchung zeigte, dass sechs Stunden nach der Zufuhr von 14 g MLCT die nahrungsinduzierte Thermogenese der Teilnehmer (n = 20) signifikant höher war als nach Zufuhr der gleichen Menge LCT (47,9 ± 4,6 kcal vs. 34,4 ± 3,6 kcal, p < 0,05) (Ogawa et al. 2007). Jedoch fehlen auch hier langfristige Studien.

Fazit

Durch die Zufuhr von MCT als Ersatz für übliches Fett konnten in Untersuchungen sowohl das Körpergewicht als auch die Körperfettmasse gesenkt werden – allerdings nur in kurzfristigen Studien. Ein Großteil der verfügbaren Studien weist beträchtliche Schwächen auf: Die Studienpopulationen waren oft sehr klein, die Studiendauer kurz und die MCT-Zufuhr erfolgte nicht ausschließlich als Einzelmaßnahme, sondern im Rahmen einer Reduktionsdiät. Eine Beurteilung des Energieverbrauchs nach MCT-haltiger Kost erfolgte oft nur nach einer Mahlzeit. Zudem waren der MCT-Gehalt der Kost und die in den Kontrollgruppen verwendeten Öle/Fette (Raps-, Soja- und Olivenöl oder Rindertalg) in den Studien sehr unterschiedlich. Der langfriste Effekt eines Fettaustausches von LCT gegen MCT im Rahmen einer Adipositastherapie wurde in den verfügbaren Studien nicht untersucht und es fehlen Angaben über die langfristige Verträglichkeit der MCT-Zufuhr. Zu dem fehlen in den Studien Angaben über Dauer und Intensität der körperlichen Aktivität im Studienzeitraum, die Auskunft darüber geben könnten, inwieweit eine Steigerung der körperlichen Aktivität die Gewichtsabnahme ggf. mit beeinflusst hat. MCT sind kein geeignetes Mittel, um langfristig Gewicht zu verlieren. Auch die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (2007) betont in der Leitlinie zur Prävention und Therapie der Adipositas, dass MCT derzeit nicht zur Unterstützung einer Gewichtsabnahme empfohlen werden können. Grundlegend für den langfristigen Erfolg des Gewichtsmanagements ist eine ausgeglichene Energiebilanz, die im Wesentlichen durch die Komponenten Ernährung und Bewegung bestimmt wird. Durch eine MCT- Kost können wegen der begrenzten durchschnittlichen Verträglichkeitsgrenze von etwa 60 g MCT durchschnittlich nur 80 bis 120 kcal pro Tag eingespart werden. Diese Energiemenge lässt sich leicht an anderer Stelle einsparen, z. B. durch den Verzicht auf eine Kugel Eis oder ein Glas zuckergesüßte Erfrischungsgetränke.

Literatur

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