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Konjugierte Linolsäuren (CLA)

Bedeutung für die Reduktion des Körperfettes bei Übergewicht

Frage: Kann Patienten mit übergewicht durch die Supplementation bestimmter Fettsäuren geholfen werden, ihr Körperfett zu reduzieren?

Antwort: Es besteht keine ausreichende Evidenz für die Wirksamkeit einer Supplementation mit CLA. Nebenwirkungen können nicht ausgeschlossen werden.

Die konjugierten Linolsäuren (CLA, conjugated linoleic acids) sollen die Körperfett reduzierende Wirkung vor allem aufgrund der Ergebnisse aus Tierversuchen haben. Obwohl aussagekräftige Forschungsergebnisse am Menschen fehlen, vermarkten zahlreiche Internetanbieter und Drogerien bereits CLA-Supplemente oder CLA-haltige Produkte als Schlankheitsmittel für übergewichtige oder als muskelaufbauende Substanz für Sportler. Die zunehmende Popularität der CLA als diätetisches Supplement erfordert eine wissenschaftlich fundierte Aufklärung der Bevölkerung zum Einsatz beim Menschen: Wie ist die postulierte Wirkung der CLA zu beurteilen? Ist die Supplementation mit CLA sicher und gesundheitlich unbedenklich?

Was sind konjugierte Linolsäuren?

Konjugierte Linolsäuren (konjugierte Octadecadiensäuren, CLA), stellen eine Gruppe mehrfach ungesättigter Fettsäuren dar, die Isomeren der Linolsäure (cis-9,cis-12-Octadecadiensäure) sind (Abb. 1). Die größte biologische Aktivität wird den Isomeren in der cis-9,trans-11 und der trans-10,cis-12 Konfiguration zugesprochen.

chemische Struktur CLA
Abb. 1: konjugierte Linolsäure

Wo kommen konjugierte Linolsäuren vor?

CLA werden als Stoffwechselprodukt der Linolsäure im Pansen von Wiederkäuern durch die Linolsäure-Isomerase des Pankreasbakteriums Butyrivibrio fibrisolvens gebildet. Auch in den Geweben der Wiederkäuer (z. B. Milchdrüsen) entstehen CLA, hier durch Desaturierung der trans-11-Octadecensäure (trans-Vaccensäure).

Somit sind Wiederkäuerfleisch (Rind, Lamm) sowie Milch und Milchprodukte die Hauptquellen der CLA in der menschlichen Ernährung. über 90 % der über die Nahrung aufgenommenen CLA bestehen aus dem cis-9,trans-11-Isomer. Kommerzielle CLA-Supplemente enthalten dagegen meist Mischungen verschiedener CLA-Isomeren mit einem hohen Gehalt des cis-10,trans-12-Isomers.

Auch beim Menschen können CLA durch Isomerisierung aus Linolsäure entstehen, induziert durch anaerobe mikrobielle Aktivitäten im Darm oder durch freie Radikale. Weiterhin können sie auch durch Desaturierung aus trans-Vaccensäure entstehen. Bestimmte Gewebe des menschlichen Körpers enthalten deshalb kleine Mengen CLA.

Wie wirken konjugierte Linolsäuren auf die Körperzusammensetzung?

Eine CLA-Supplementation bewirkt in Tierversuchen, v. a. an Mäusen, eine Verringerung des Körperfettgehaltes und eine Zunahme der Muskelmasse. Die zu dieser Fragestellung durchgeführten randomisierten, placebokontrollierten klinischen Studien am Menschen liefern dieses klare Resultat jedoch nicht. Wie in verschiedenen übersichtsarbeiten dargestellt und auch aus einzelnen aktuellen klinischen Studien hervorgehend, ergeben die bisher beim Menschen erzielten Ergebnisse noch kein einheitliches Bild.

Die Effekte der CLA auf den Körperfettgehalt des Menschen sind weitaus schwächer als bei Mäusen. Bei Betrachtung der in den jeweiligen Studien verwendeten CLA-Dosen als Menge im Verhältnis zur Energiezufuhr (g/MJ/Tag) erscheint dies zunächst verwunderlich, denn diese waren teilweise vergleichbar: Eine Dosierung in Höhe von 1,4 bis 6,8 g/Tag beim Menschen (ca. 0,14-0,68 g/MJ metabolisierbarer Energie) erniedrigt den Körperfettgehalt um ca. 2 bis 6 %, in einer Studie sogar um 22 %. Fütterung einer mit 1 % CLA angereicherten Diät (ca. 0,5 g CLA/MJ) führt bei Mäusen zu einer Körperfettabnahme von 60 %. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass die als Versuchstiere dienenden Mäuse eine höhere Stoffwechselrate haben als Menschen. Aber auch unterschiedliche Messmethoden (direkte Messung der Körperzusammensetzung bei sezierten Tieren und Bioimpedanz oder DXA beim Menschen) könnten bei diesen Befunden eine Rolle spielen. Wird jedoch die CLA-Menge nicht in Bezug auf die Energiezufuhr betrachtet, sondern in Bezug auf das Körpergewicht (mg/kg/Tag), so sind die beim Menschen beobachteten schwächeren Effekte augenscheinlicher erklärbar: In den Humanstudien wurden 25 bis 80 mg CLA pro kg Körpergewicht und Tag eingesetzt - dies ist nur etwa ein Fünfzigstel der in Studien mit Mäusen verwendeten Dosis. Darin dürfte ein Grund für die mangelhafte übertragbarkeit der in Tierversuchen erzielten Erkenntnisse auf den Menschen liegen.

Das CLA-Isomer mit der Körperfett senkenden Wirkung ist das trans-10,cis-12- Isomer. Der Effekt des trans-10,cis-12- Isomers scheint in Tierversuchen abhängig von der Dosis und der Dauer der Supplementation sowie der Spezies, dem Alter und dem Geschlecht zu sein. Zu betonen ist, dass alle Tierversuche an jungen, sich im Wachstum befindlichen Tieren durchgeführt wurden; der Effekt der CLA auf die Körperzusammensetzung ausgewachsener Tiere ist nicht bekannt. Die Ergebnisse am Menschen liefern dagegen keinen Hinweis auf eine Dosis-Wirkungs-Beziehung.

Zum Mechanismus einer möglichen Senkung des Körperfettgehaltes durch CLA werden, v. a. aufgrund der Ergebnisse aus Tierversuchen, Faktoren wie die Steigerung der Fettoxidation, die Aktivierung der Fett-Transportsysteme (Carnitin- Palmitoyltransferase-Aktivität) und die Hemmung der Lipoproteinlipase-Aktivität in den Adipozyten (Verminderung der Triglyceridaufnahme und -speicherung) postuliert.

Einige der Studien am Menschen legen wie auch die Versuche an Mäusen nahe, dass der das Körperfett senkende Effekt der CLA mit einer Zunahme der fettfreien Körpermasse assoziiert ist. Auch hier ist der Mechanismus nicht eindeutig geklärt und die bisherigen Ergebnisse sind inkonsistent. In einer Humanstudie zur Wirkung der CLA auf den Gewichtsverlauf nach einer Gewichtsreduktion vermindern CLA zwar nicht die Wiederzunahme an Gewicht, aber im Vergleich zur Placebogruppe ist die Zunahme an Körperfett verringert. Es wurde in dieser Studie folglich gezeigt, dass die CLASupplementation zu einer Zunahme der fettfreien Körpermasse führt, unabhängig von der prozentualen Gewichtszunahme und unabhängig von der körperlichen Aktivität. So können CLA auf indirektem Wege den Ruheenergieumsatz als Folge der erhöhten fettfreien Körpermasse steigern. Dies liefert eine Erklärung für den in manchen Studien beobachteten erhöhten Energieverbrauch durch CLA.

Wieso ist die Aussagekraft bisheriger Humanstudien limitiert?

Die meisten Studien wurden an Menschen in ihrem gewöhnlichen Alltag durchgeführt, so dass unterschiedliche Nährstoff- und Energieaufnahmen und -verbräuche aufgetreten sein können. Dies kann natürlich mit den relativ kleinen Effekten der CLA auf die Körperzusammensetzung interferieren. Außerdem lag die Compliance bei den Studien am Menschen in einem Bereich von 77-100%, und diese Unterschiede in der Compliance können Ergebnisse beeinflussen. So auch die Art und Weise der CLA-Gabe: in den meisten Studien werden CLA als freie Fettsäuren in Form eines Supplements verabreicht, jedoch existieren auch Studien, in denen sie in Form von Triglyceriden als Supplement oder in angereicherter Butter gegeben werden. Viele der Studien zur CLA-Supplementation sind nur an einer kleinen Studienpopulation und nur über einen kurzen Zeitraum (1 bis 2 Monate) durchgeführt worden. Wie die Langzeitwirkung auf Fettmasse und Körpergewicht ist, bleibt offen. Bis jetzt gibt es nur wenige Studien am Menschen zum Mechanismus der CLA-Wirkung, und die Ergebnisse sind inkonsistent.

Gibt es Nebenwirkungen?

Studien an Mäusen zeigen, dass das trans-10,cis-12-CLA-Isomer unerwünschte Wirkungen wie Insulinresistenz, erhöhte Plasma-Insulinkonzentrationen, Hyperlipidämie und erniedrigte Plasma-Leptinkonzentrationen verursachen kann. Es gibt Hinweise, dass manche dieser Effekte sich auch beim Menschen manifestieren können. Auch existieren Studien mit männlichen Probanden, in denen eine erhöhte Lipidperoxidation infolge der CLA-Supplementation zu beobachten war, was auf einen potenziellen nachteiligen Effekt auf das kardiovaskuläre System hinweist.

Fazit

Es besteht keine ausreichende Evidenz für die Wirksamkeit einer Supplementation mit CLA im Hinblick auf eine Verringerung des Körperfettgehaltes und eine Gewichtsreduktion. Nebenwirkungen ei- ner CLA-Supplementation können nicht ausgeschlossen werden. Bevor Schlussfolgerungen gezogen und Empfehlungen gegeben werden können, sind weitere, für die Nährstoff- und Energieaufnahme kontrollierte Studien am Menschen notwendig, in denen reine CLA-Isomeren verwendet werden, um Kurz- und Langzeiteffekte sowie unerwünschte Nebenwirkungen eines jeden einzelnen CLA-Isomers klar zu bestimmen.

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Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Konjugierte Linolsäuren (CLA). DGEinfo (02/2006) 23–25

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