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Ernährungsbericht 2008 – Ernährungssituation in Deutschland

Ernährungsverhalten in Deutschland

Zahlen, Daten Fakten der NVS II

Diätverhalten

Insgesamt etwa 12 % der 14- bis 80-Jährigen halten eine Diät ein, darunter 60 % Frauen und 40 % Männer. Doppelt so häufig wie gleichaltrige Männer führen Frauen im Alter zwischen 14 und 24 Jahren eine Diät durch. Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern steigt der Anteil von Personen, die eine Diät einhalten, mit zunehmendem Alter an. Der Wunsch nach Gewichtsreduktion bildet sowohl für Frauen als auch für Männer den häufigsten Grund für die Einhaltung einer Diät. Als zweithäufigster Diätgrund in der Gesamtbevölkerung erwies sich Diabetes mellitus. Der Ernährungsbericht stellt fest, dass die Gründe für das Einhalten einer Diät altersabhängig sind. Die zunehmend häufigeren Stoffwechselkrankheiten im höheren Alter führen zu einer Häufung von Diäten.

Ernährungsweisen

Es wird berichtet, dass 4,9 % der Frauen und 2,9 % der Männer im Rahmen der NVS II angaben, eine besondere Ernährungsweise durchzuführen. Am häufigsten praktizierten bei beiden Geschlechtern die 14- bis 24-Jährigen alternative Ernährungsweisen. 1,6 % der Bevölkerung ernährt sich vegetarisch, 0,6 % halten islamische Speisevorschriften ein und weitere 0,6 % richten sich nach der Vollwerternährung.

Ernährungswissen

Der Ernährungsbericht stellt fest, dass das Wissen über besondere Lebensmittel wie probiotische Joghurts und ACE-Getränke bei Frauen über alle Altersgruppen hinweg immer ausgeprägter war als bei Männern. Hinsichtlich der Kenntnisse zu überregionalen Qualitäts- und Gütesiegeln stellten sich das CMA-Gütezeichen, das Bio-Siegel und das Bioland-Siegel als die bekanntesten heraus. Dabei erwies sich der Bekanntheitsgrad aller drei Siegel bei Frauen bekannter als bei Männern.

Zum persönlichen Energiebedarf können mehr als die Hälfte der Erwachsenen im Alter von 19–80 Jahren keine Angaben machen. Am häufigsten zeigten sich die jüngsten und ältesten Frauen und Männer dieser Altersgruppe als unwissend. Lediglich 8 % der Teilnehmer der NVS II gelang es, ihren persönlichen Energiebedarf korrekt einzuschätzen.

Kochkompetenz

94 % der Frauen gaben an, sehr gut oder gut bzw. durchschnittlich zu kochen, bei den Männern waren es 61 %. Das Kochen von der Mutter gelernt zu haben, räumten Dreiviertel der Frauen (74 %) und die Hälfte der Männer (47 %) ein.

Was hat sich verändert – eine Generation später? Ein Vergleich der EsKiMo-Daten mit den Verzehrsdaten der in den Jahren 1985 bis 1988 durchgeführten ersten Nationalen Verzehrsstudie I zeigt sehr deutlich, dass in den vergangenen zwei Jahrzehnten in der Ernährung von Kindern und Jugendlichen erhebliche Veränderungen eingetreten sind. Es konnte gezeigt werden, dass Jungen und Mädchen der untersuchten Altersgruppe einerseits heute nicht nur deutlich weniger Fleisch, Fleisch- bzw. Wurstwaren, Eier, Butter, Speisefette bzw. Öle, sondern auch weniger Brot bzw. Backwaren (Ausnahme: 6- bis unter 7-jährige Mädchen) sowie Kartoffeln verzehren. Andererseits ist nicht nur der Verzehr von Käse bzw. Quark, Nährmitteln, Gemüse bzw. Gemüseprodukten, Obst bzw. Obstprodukten, sondern auch von Süßwaren bzw. Zucker und alkoholfreien Getränken teilweise erheblich gestiegen. Dies führt auch zu Veränderungen der energieliefernden Nährstoffe und der Energiezufuhr insgesamt.

Der Ernährungsbericht stellt fest, dass von Kindern und Jugendlichen im Alter von 1 bis unter 18 Jahren, gemessen an den in der Optimierten Mischkost empfohlenen Lebensmittelmengen, zu wenig pflanzliche Lebensmittel, insbesondere Gemüse, Obst, Brot, Kartoffeln und andere kohlenhydratreiche Beilagen – und mit zunehmendem Alter zu viele fettreiche tierische Lebensmittel verzehrt werden. Dies trifft bereits auch für Kleinkinder zu. Die suboptimale Lebensmittelauswahl hat Folgen für die Nährstoffzufuhr. Die D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr wurden insbesondere für die Vitamine D und E sowie Folat, Ballaststoffe, Calcium und Eisen (bei Mädchen) von den meisten Kindern und Jugendlichen unterschritten. Die Proteinzufuhr war verhältnismäßig hoch und das Fettsäurenmuster ungünstig.

Die VELS- und EsKiMo-Untersuchungen sowie auch die DONALD-Studie zeigen übereinstimmend, welche Änderungen der derzeitigen Ernährung zur Verbesserung der Nährstoffversorgung von Kindern und Jugendlichen vorwiegend erforderlich sind:

Es sollten

  • mehr pflanzliche Lebensmittel, vor allem Gemüse, Obst, Brot und Kartoffeln auf dem Speisenplan stehen,
  • mehr Vollkornmehl, -brot, -nudeln, oder -reis anstelle von niedrig ausgemahlenen Getreideprodukten verzehrt werden,
  • Trink- und Mineralwasser anstelle energiereicher Limonaden getrunken werden,
  • fettreduzierte Milchprodukte gegenüber den Vollmilchprodukten oder mit Sahne angereicherten Produkten bevorzugt werden,
  • fettreiche Wurst- und Fleischsorten durch fettärmere Varianten ersetzt und insgesamt die Menge reduziert werden,
  • vermehrt Rapsöl anstelle von anderen Ölen und Fetten im Haushalt und in der Lebensmittelindustrie verwendet werden.

Diese Aspekte finden auch bei der Umsetzung der Qualitätsstandards für Kindertagesstätten und Ganztagsschulen Berücksichtigung.

Jodmonitoring

KiGGS

Das Ziel des Jodmonitorings im Rahmen von KiGGS bestand darin, die Jodversorgung der unter 18-Jährigen in Deutschland repräsentativ zu erfassen. Als Untersuchungsparameter wurden u. a. die Jod- und Kreatininausscheidung im Spontanurin, das sonografisch gemessene Schilddrüsenvolumen sowie die Bestimmung der Serumkonzentration des Schilddrüsenhormons TSH (Thyroidea Stimulierendes Hormon) herangezogen.

Die WHO-Kriterien für eine ausreichende Jodversorgung sind mit den gemessenen Werten der Jodausscheidung knapp erfüllt. Knapp 80 % der Kinder und Jugendlichen liegen im Bereich zwischen mildem Jodmangel und normaler Versorgung, rund 17 % haben einen moderaten bis schweren Jodmangel. Ein Jodmangel zeigt sich besonders häufig bei den 0- bis 2-Jährigen, gefolgt von den 3- bis 6-Jährigen.

Zur Kontrolle von Wirksamkeit und Sicherheit der Jodmangelprophylaxe und frühzeitiger Erkennung von Veränderungen der Jodversorgung sieht der Ernährungsbericht auch in Zukunft ein regelmäßiges Jodmonitoring als erforderlich an.

Präadipositas und Adipositas

Der Ernährungsbericht beschreibt die Verbreitung von Präadipositas und Adipositas in Deutschland (BMI ≥ 25 kg/m2). Weltweit gilt Adipositas als das am schnellsten wachsende zentrale Gesundheitsproblem. Die WHO spricht von einer „globalen Adipositasepidemie“. Die Zunahme von Adipositas und schwerwiegenden Folgekrankheiten wie Diabetes mellitus Typ 2 haben weitreichende soziale und ökonomische Konsequenzen für das Gesundheitssystem.

Für eine umfassende Bewertung der Verbreitung von Übergewicht (BMI ≥ 25 kg/m2) in Deutschland über die gesamte Lebensspanne bildeten aktuelle nationale Studien (KiGGS-Studie, Mikrozensus, NVS II) die Datengrundlage.

Adipositas betrifft den gesamten Lebenszyklus: Adipöse Mütter haben mit größerer Wahrscheinlichkeit übergewichtige Babies bzw. übergewichtige Kinder, die ihrerseits ein hohes Risiko aufweisen, später adipöse Erwachsene zu werden.

Aus den Auswertungen der KiGGS-Daten geht hervor, dass eine Adipositas in allen Altersgruppen bei den Kindern und Jugendlichen wesentlich häufiger auftrat, deren Mütter entweder präadipös oder adipös waren. Die erhöhte Adipositasprävalenz kann einerseits erklärt werden durch eine genetische Prädisposition und andererseits durch familienspezifische sowie die Adipositas fördernde Lebensbedingungen („obesogenic environment“) und Verhaltsweisen. Weitere Auswertungen der KiGGS-Daten zeigen, dass Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund oder mit niedrigem Sozialstatus in allen Altersgruppen besonders häufig von Übergewicht bzw. Adipositas betroffen waren.

Im Rahmen der KiGGS-Studie wurden im Untersuchungszeitraum insgesamt ca. 15 % der Kinder und Jugendlichen als übergewichtig und ca. 6 % hiervon als adipös eingestuft.

Die Manifestation einer Adipositas im Kindesalter hat einen besonders ungüns tigen Einfluss auf die Entwicklung und den Verlauf der verschiedenen Komorbiditäten.

In der NVS II stellte sich heraus, dass in allen Altersgruppen (14–80 Jahre) Männer mit 68 % häufiger übergewichtig waren als Frauen mit 50 %.

Zur Ermittlung säkularer Trends sind Zeitreihenanalysen geeignet. Die aus verschiedenen Bundesländern vorliegenden Messergebnisse aus Schuleingangsuntersuchungen zeigen, dass die Prävalenz für Übergewicht und Adipositas bei Erstklässlern erheblich zugenommen hat. Die Reihenuntersuchungen bei Musterungen zeigen, dass die Adipositasprävalenz (BMI ≥ 30 kg/m2) in den Jahren 1992 bis 2001 bei jungen Männern ab 18 Jahren von 4,3 % auf 5,7 % angestiegen ist. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich die Präadipositasprävalenz von 13,6 % auf 14,7 %.

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