
Datum: 01.08.2001
Thema: DGE-Info
Beratungspraxis 08/2001
Frage: Können Candida albicans-assoziierte Beschwerden durch eine sogenannte Anti-Pilz-Diät therapiert werden?
Antwort: Die Meinung, dass Candida albicans durch den Verzehr raffinierter Kohlenhydrate, insbesondere Zucker, gefördert wird, ist bisher durch klinische Studien nicht bewiesen worden. Ebensowenig liegen Beweise über eine Beeinflussung der Candidabesiedlung mit einer Anti-Pilz-Diät vor. Die DGE empfiehlt deshalb eine vollwertige Ernährung. Ballaststoffreiche Lebensmittel sowie täglicher Verzehr von Sauermilchprodukten wirken sich günstig auf die Darmflora aus. Tatsächliche Pilzinfektionen bzw. -erkrankungen sind nur durch antimykotische Medikamente behandelbar.
Die Annahme, dass eine Besiedlung des Darmes mit dem Hefepilz Candida albicans für die Entstehung zahlreicher Funktionsstörungen und Erkrankungen verantwortlich sein soll, beruht bisher auf Spekulationen. Als Candida albican-assoziierte Beschwerden werden u.a. genannt: Schlafstörungen, Depressionen, Migräne, chronische Müdigkeit, verschiedene abdominelle Beschwerdebilder, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie verschiedene Hauterkrankungen.
Nicht berücksichtigt wird von den sehr unkritischen Anhängern dieser Vorstellung, dass Candida albicans bei etwa 75 % aller gesunden Mitteleuropäer ein normaler Bestandteil der Intestinalflora ist. Mit etwa gleicher Häufigkeit kommt dieser Pilz auf der Mund-, Rachen- und Ösophagusschleimhaut vor. Anhänger der unbewiesenen Vorstellung therapieren diese sog. Candida albicans-assoziierten Beschwerden sowohl mit einem Antimykotikum als auch mit einer sog. Anti-Pilz-Diät. Nicht verwechselt werden dürfen diese angeblich durch Stoffwechselprodukte der im Darm lebenden Pilze ausgelösten Beschwerden mit einer Candidamykose, d. h. einer Infektionskrankheit, die sich bei abwehrgeschwächten Personen, z. B. unter einer immunsuppressiven oder zytostatischen Therapie, bei AIDS-Kranken, bei Tumorkachexie, etc. entwickeln kann.
Bei der sog. Anti-Pilz-Diät wird davon ausgegangen, dass die Candida albicans-Besiedlung durch den Verzehr von wasserlöslichen Kohlenhydraten (Saccharose, Glucose und Fructose) gefördert wird. Die Pilze gelangen mit dem Speichel bzw. der Nahrung in den Magen, den sie wegen ihrer Säureresistenz ungehindert passieren. Eine Besiedlung des Darmes wird so begünstigt. Diese Vorstellung ist allerdings rein spekulativ. Unter kontrollierten Versuchsbedingungen konnte bei vermehrtem Zuckerverzehr keine relevante Zunahme der Besiedlung mit Candida albicans nachgewiesen werden.
Die Mehrzahl der Mikrobiologen und Gastroenterologen betrachtet das Syndrom der Candida albicans-assoziierten Beschwerden als rein spekulativ und völlig unbewiesen. Der Nachweis von Candida albicans im Stuhl ist beim derzeitigen Kenntnisstand wie folgt zu beurteilen: Candida albicans gehört bei der mitteleuropäischen Bevölkerung zur normalen Darmflora. Der Nachweis im Stuhl ist nicht mit einer Candida albicans-Infektion des Darmes oder gar mit einer Darmmykose gleichzusetzen und erfordert bei immunkompetenten Personen keine therapeutischen Maßnahmen. Auch die Aussage, der Zuckerverzehr sei wesentliche Ursache der Candida albicans-Besiedlung, ist gleichermaßen rein spekulativ. Für die Beeinflussung der Candidabesiedlung des Orogastrointestinaltraktes mit der sog. Anti-Pilz-Diät liegen somit keine Beweise vor.
Fazit
Nach dem heutigen Wissenstand beruht das sog. Candida-albicans-assoziierte Beschwerdebild ausschließlich auf Spekulationen. Empfohlen wird bei Candida albicans-assoziierten Beschwerden eine vollwertige Ernährung nach den Richtlinien der DGE. Dadurch kann langfristig eine Stärkung des Immunsystems erfolgen. Ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Gemüse, Rohkostsalate sowie der tägliche Verzehr von Sauermilcherzeugnissen (u. a. von probiotischem Joghurt) tragen zu einer optimalen Darmflora bei.
Quellen: