
Datum: 09.09.2003
Thema: DGE-aktuell
DGE-aktuell 17/2003 vom 09.09.2003
Meldungen über pauschalen Vitaminmangel in Deutschland verunsichern Verbraucher
Deutschland leidet unter Vitaminmangel - alle sind betroffen, Risikofaktor Vitaminmangel so oder ähnlich klingen Meldungen, die in den vergangenen Wochen und Monaten in den Medien veröffentlicht wurden. Schnell entsteht der Eindruck, dass die Versorgung mit Vitaminen nur mit Hilfe von Nahrungsergänzungsmitteln möglich ist. Solche Pauschalwarnungen spiegeln jedoch keinesfalls die Vitaminversorgung unserer Bevölkerung wider und führen oft zu einer erheblichen Verunsicherung der Verbraucher, so Prof. Dr. Helmut Heseker, Ernährungswissenschaftler an der Universität Paderborn und Präsidiumsmitglied der DGE.
Deutschland ist kein Vitaminmangelland. Die Vitaminversorgung kann das ganze Jahr über gesichert werden. Durch ein saisonal unabhängiges Angebot nährstoffreicher Gemüse- und Obstsorten, nährstoffreicher und relativ preiswerter Milch- und Getreideprodukte sowie ein entsprechendes Angebot an Seefisch und fettarmen Fleischsorten wird bei gesunden Personen in Deutschland ein Vitaminmangel nicht mehr beobachtet und auch eine Vitaminunterversorgung ist bei entsprechender Lebensmittelauswahl zu vermeiden. Die DGE meint: Noch nie war das Angebot an qualitativ guten Lebensmitteln so reichhaltig und ganzjährig verfügbar wie heutzutage. Sich ausreichend, abwechslungsreich und vollwertig zu ernähren, ist heute einfacher denn je. Das vielfältige Angebot auf dem Markt sollte dementsprechend von jedem Verbraucher genutzt werden.
Zu den Vitaminen, bei denen eine unzureichende Versorgungssituation vorliegen kann, gehören allerdings Folat, insbesondere bei Frauen vor und zu Beginn einer Schwangerschaft sowie Vitamin D bei älteren Menschen. Auch bei Vitamin E wäre eine höhere Zufuhr wünschenswert. Durch eine ungünstige Lebensmittelauswahl oder gesundheitsbelastende Lebensbedingungen kann es gelegentlich zu einer unzureichenden Versorgung mit einem oder mehreren Nährstoffen kommen, die durch eine Umstellung der Ernährungsweise behoben werden kann.
Für Vitamine bestehen Empfehlungen bzw. Schätzwerte für die tägliche Zufuhr, die im Jahr 2000 in den D-A-CH-Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr veröffentlicht wurden1 . Eine Empfehlung - im Sinne der Referenzwerte - deckt den Bedarf von 98 % aller Personen einer definierten Gruppe der gesunden Bevölkerung. Um den individuellen und physiologischen Schwankungen gerecht zu werden und um eine ausreichende Vitaminspeicherung sicherzustellen, sind Zuschläge von 20-30 % einbezogen. Wird beispielsweise weniger als 100 mg Vitamin C pro Tag mit der täglichen Nahrung aufgenommen, so bedeutet dies nicht unbedingt einen Vitaminmangel. Es handelt sich vielmehr zunächst um eine rechnerische Vitaminunterversorgung, die durch Blut- und Urinuntersuchungen bestätigt werden müsste, denn bei einer Vitaminunterversorgung sind keine Vitaminmangelsymptome vorhanden. Da der Körper über Vitaminspeicher und auch ein gewisses Adaptationsvermögen verfügt, ist das akribische tägliche Einhalten der Referenzwerte nicht notwendig. Ein Vitaminmangel setzt voraus, dass es in Folge einer chronisch unzureichenden Vitaminversorgung bereits zu klinisch relevanten Störungen kommt, die mit charakteristischen Mangelsymptomen einhergeht. In Deutschland kommt beispielsweise die klassische Vitamin C-Mangelkrankheit Skorbut mit Störungen der Knochenbildung und des Wachstums beim Kind oder in späteren Lebensabschnitten Blutungen in Schleimhäuten, Haut sowie inneren Organen heutzutage praktisch nicht mehr vor.
Untersuchungen in Deutschland zeigen, dass die meisten Altersgruppen die Referenzwerte für die Vitaminzufuhr im Durchschnitt erreichen - mit Ausnahme von Vitamin D und Folat und in bestimmten Altersgruppen auch Vitamin E. Bei Vitamin D ist zu berücksichtigen, dass ein wesentlicher Beitrag zur Vitaminversorgung über die Synthese in der Haut unter Einfluss des Sonnenlichts erfolgt. Es konnten jedoch in verschiedenen Altersgruppen Risikogruppen mit ungünstiger Lebensmittelauswahl und Vitaminversorgung identifiziert werden. Wichtige Risikofaktoren sind:
Bei folgenden Zielgruppen können die Vitamine Folat, B12, D und E als kritische Nährstoffe eingeordnet werden: