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DGE-special
Aus dem Bereich: Presse

Ballaststoffzufuhr und Dickdarmkrebs
10.02.1999

DGE-special 1/99 vom 10.02.1999

DGE hält an Empfehlungen für die Ballaststoffzurfuhr fest

In Fachpublikationen und den Medien wurden Ergebnisse der "Nurses` Health Study" veröffentlicht, die angeblich keinen Zusammenhang zwischen der Ballaststoffaufnahme und dem Darmkrebsrisiko der Studienteilnehmer ergaben. Dies hat viele Verbraucher verunsichert.



Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) bewertet die Ergebnisse so: Die Ergebnisse der "Nurses` Health Study" beweisen nicht, daß Ballaststoffe nicht doch vor Dickdarmkrebs schützen. Der Grund: Zur Vorbeugung von Dickdarmkrebs empfiehlt die DGE mindestens 30 g Ballaststoffe pro Tag. In der "Nurses` Health Study" nahm die Gruppe der Studienteilnehmerinnen mit der höchsten Ballaststoffaufnahme im Durchschnitt lediglich 25 g Ballaststoffe pro Tag auf. Diese Mengen sind für einen ausreichend schützenden Effekt zu niedrig. Außerdem wurden in der Studie weitere Faktoren der Entstehung von Dickdarmkrebs wahrscheinlich nicht ausreichend berücksichtigt.

Viele Befunde anderer Studien weisen darauf hin, daß den Ballaststoffen neben anderen Ernährungsfaktoren wie Fetten, Beta-Carotin, Selen und Calcium, eine wesentliche Bedeutung bei der Entstehung von Dickdarmkrebs zukommt. Ballaststoffe beugen zudem Verstopfung vor und haben einen positiven Effekt auf den Cholesterinspiegel. Eine ballaststoffarme Ernährung begünstigt hingegen beispielsweise die Entstehung von Gallensteinen und Hämorrhoiden. Die DGE hält deshalb nach wie vor an ihrem Richtwert für die Ballaststoffaufnahme von mindestens 30 g pro Tag fest.

Die "Nurses` Health Study" hat über einen Zeitraum von 16 Jahren die Ernährungsgewohnheiten von mehr als 88.000 Amerikanerinnen im Alter von 34 bis 59 Jahren ausgewertet. Anhand von Fragebögen mit bis zu 136 aufgeführten Lebensmitteln wurde unter anderem die Ballaststoffaufnahme ermittelt. Das Ergebnis: Die Ballaststoffaufnahme der Studienteilnehmer, die in fünf Gruppen eingeteilt waren, lag in der Gruppe mit der geringsten Ballststoffaufnahme im Durchschnitt bei 9,8 g, in der Gruppe mit der höchsten Ballaststoffaufnahme bei durchschnittlich 24,9 g. Insgesamt lag die Aufnahme weit unter dem Richtwert von 30 g pro Tag, den die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) empfiehlt.

Eine Reihe von epidemiologischen Studien zeigen, daß ein niedriger Verzehr von Ballaststoffen mit einer hohen Verbreitung (Inzidenz) von Dickdarmkrebs einhergeht. Gleichzeitig weisen eine Vielzahl biochemischer und klinisch-experimenteller Befunde darauf hin, daß insbesondere den gut fermentierbaren, wasserlöslichen Ballaststoffen vor allem aus Gemüse und Obst und der resistenten Stärke (beispielsweise aus Kartoffeln) eine wesentliche Bedeutung beim Schutz von Darmkrebs zukommt. Dabei ist die Wirkung der Ballastststoffe nach derzeitigem Kenntnisstand eng mit dem Gallensäurestoffwechsel im Darm verknüpft, der wiederum vom Fettverzehr abhängt. Bei fettreicher Ernährung treten vermehrt primäre Gallensäuren in den Dickdarm über, aus denen krebsfördernde (prokarzinogene) sekundäre Gallensäuren entstehen können. Im Dickdarm angesiedelte Bakterien fermentieren wasserlösliche Ballaststoffe, insbesondere Pektin, und resistente Stärke zu den kurzkettigen Fettsäuren Acetat, Butyrat und Propionat. Diese Fettsäuren senken den pH-Wert im Darm und hemmen so die Umwandlung primärer Gallensäuren in die prokarzinogenen sekundären Gallensäuren. Die Fettsäure Butyrat, die beim Abbau resistenter Stärke überwiegend entsteht, hemmt zudem direkt das Wachstum von Krebszellen im Dickdarm.

Prof. Kasper, Würzburg, Präsidiumsmitglied der DGE urteilt: "Die Beziehungen zwischen der Ernährung und der Entstehung eines Darmtumors sind äußerst komplex. Die "Nurses` Health Study" untersuchte mit der Ballaststoffaufnahme nur einen Teilbereich der mulitfaktoriellen Entstehung von Darmkrebs und ließ bei der Ballaststoffaufnahme einige Punkte außer acht. So kann die Ballaststoffaufnahme der Studienteilnehmer von im Mittel maximal 25 g pro Tag nicht als ballaststoffreiche Ernährung bezeichnet werden. Außerdem ist zweifelhaft, daß anhand der in den Fragebögen angegeben Lebensmittel die verschiedenen Ballaststoffarten ausreichend exakt differenziert wurden. Nicht erfaßt wurde zudem, wieviel resistente Stärke die Teilnehmer aufgenommen haben. Die verzehrten Fette, die entsprechend ihrem Fettsäuremuster unterschiedlich auf die Karzinomentstehung wirken, wurden ebenfalls nicht differenziert. Beispielsweise bleibt unberücksichtigt, daß Omega-3-Fettsäuren einen eindeutigen Schutzeffekt auf die Krebsentstehung (Karzinogenese) haben, während die Omega-6-Fettsäuren sie begünstigen. Somit liefert die "Nurses` Health Study" keine Ergebnisse, die darauf schließen lassen, daß die bekannten präventiven Wirkungen einer erhöhten Ballaststoffaufnahme widerlegt sind."

Tipps der DGE für eine gesunde ballaststoffreiche Ernährung:

  • Ballaststoffe sind kein unnötiger Ballast. Essen Sie mindestens 30 g Ballaststoffe täglich.
  • Achten Sie auch bei Ballaststoffen auf eine vielseitige Ernährung. Essen Sie etwa die Hälfte der Ballaststoffe aus Getreide- und Getreideprodukten, diese enthalten überwiegend wasserunlösliche Ballaststoffe, die die Darmtätigkeit anregen. Die restlichen Ballaststoffe sollten aus Obst und Gemüse stammen. Diese enthalten überwiegend wasserlösliche Ballaststoffe, die eine günstige Wirkung auf den Cholesterinspiegel haben und das Entstehen krebserregender Substanzen verringern können.



 
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