Ernährung kann (entzündlich) rheumatische Erkrankungen beeinflussen
Rheuma
Rheuma ist der Überbegriff für eine Vielzahl von Erkrankungen, die ganz
unterschiedliche Ausprägungen und Krankheitsverläufe aufzeigen. Die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Rheuma als Erkrankungen, die an den
Bewegungsorganen auftreten und fast immer mit Schmerz und häufig auch mit
Bewegungseinschränkung verbunden sind. Dabei werden die 4 Hauptgruppen
- entzündlich-rheumatische Erkrankungen (z. B. rheumatoide Arthritis),
- degenerative Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen (z. B. Arthrose),
- weichteilrheumatische Erkrankungen (z. B. Fibromyalgie) und
- Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden (z. B. Gicht)
unterschieden (Bonnemann & Scharlach 2006).
Rheuma tritt nicht nur bei älteren Menschen, sondern auch bei Jüngeren und
sogar Kindern auf. Schätzungsweise 15 % der Bevölkerung sind mindestens einmal
im Jahr wegen rheumatischer Beschwerden in ärztlicher Behandlung, und zwar 1 %
wegen einer entzündlich-rheumatischen Krankheit, 5 % werden wegen
Rückenschmerzen und je 3 % wegen Arthrosen, weichteilrheumatischer Beschwerden
oder unklarer Schmerzsyndrome des Bewegungsapparates (Wolf 2001).
Bedeutung der Ernährungstherapie
Neben der medikamentösen, physikalischen und chirurgischen Therapie kann die
Ernährung eine wichtige weitere Maßnahme bei der Behandlung von Erkrankungen
aus dem rheumatischen Formenkreis sein. Die Ernährung kann ursächlicher
Auslöser sein wie bei der Gicht1 , sie kann Entzündungsaktivitäten mindern und
den Schmerz reduzieren wie z. B. bei entzündlichen Erkrankungen, und sie kann
insbesondere bei den degenerativen Veränderungen tragender Gelenke indirekt
über eine Gewichtsreduktion positive Effekte erzielen. Des Weiteren werden
durch die Modifikation der Lebensmittelauswahl, durch die
Mahlzeitenzusammenstellung und durch eine Veränderung des Lebensstils,
besonders bezüglich Bewegungsverhalten, Stressabbau und Freizeitverhalten,
positive Effekte hinsichtlich häufig gleichzeitig vorliegender Krankheiten
erzielt, bei z. B. Diabetes mellitus, Arteriosklerose und
Fettstoffwechselstörungen. Lebensmittelunverträglichkeiten, wie Laktose- oder
Fructoseintoleranz, sowie Glutensensitivität kommen bei Patienten mit
rheumatischen Erkrankungen deutlich häufiger als in der Allgemeinbevölkerung
vor. Von herausragender Bedeutung ist die Prävention der Osteoporose. Hier ist
die Ernährungsberatung gefragt, den Patienten die Umsetzung von rheumagerechter
Ernährung, genussvollem Essen und Trinken und gesundheitsförderndem Lebensstil
zu vermitteln, wie Pera (2007) in dem Vortragsband „State of the art:
Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit des Arbeitskreises Ernährungsmedizin
in der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie“ schildert (Karger & Hein
2007). Darin stellt der Arbeitskreis den Stand der wissenschaftlichen
Erkenntnis der Ernährungsmedizin in der Rheumatologie sowie die Anwendung in
der Praxis dar. Entsprechende Ergebnisse werden im Folgenden erwähnt.
Rheumatoide Arthritis
Die rheumatoide Arthritis (RA) betrifft 0,3 bis 1,5 % der Bevölkerung in
Industrieländern. Frauen erkranken 2- bis 3-mal häufiger als Männer (Bodman
& Roitt 1994; Symmons et al. 2002). Die RA stellt eine chronisch
entzündliche Autoimmunerkrankung dar, die zu schmerzhaften, geschwollenen
Gelenken mit Bewegungseinschränkungen und fortschreitender Gelenkzerstörung
führt. Ihre Ursachen sind weitgehend unbekannt. Neben genetischen Faktoren
tragen Rauchen, Übergewicht sowie die Ernährung zum Krankheitsrisiko bei
(Pattison et al. 2004). Innerhalb der Ernährung scheint der Verzehr von rotem
Fleisch, Protein und Kaffee das Risiko zu erhöhen, während fetter Fisch und
Olivenöl es senken. Die Evidenz für eine Prävention der RA durch einen hohen
Obst- und Gemüseverzehr wird auf Grund der wenigen publizierten Studien als
möglich eingestuft (Watzl 2007).
Vor dem Hintergrund einer genetischen Disposition kommt es zu einer dauerhaft
gesteigerten Entzündungsreaktion. Daraus resultiert die überschießende
Freisetzung von Entzündungsmediatoren, die eine Entzündungskaskade anstoßen,
die u. a. zur Schädigung und Zerstörung von Gelenkknorpel und knöchernen
Strukturen führt. Entzündungsmediatoren sind hauptsächlich Cytokine (z. B. TNF
und Interleukine) sowie Eicosanoide (z. B. Prostaglandine und Leukotriene).
Einfluss von Ernährungsfaktoren auf den Krankheitsverlauf
Der Stoffwechsel der Eicosanoide mit seiner Wirkung auf die Immunreaktion
gehört zu den pathogenetischen Mechanismen, die über die Ernährung zu
beeinflussen sind. Er wird durch die anteilsmäßige Zufuhr der n-6 Fettsäure
Arachidonsäure (AA) und der langkettigen n-3 Fettsäuren Eicosapentaensäure
(EPA) und Docosahexaensäure (DHA) beeinflusst. Die nur in tierischem Fett
enthaltene AA ist Ausgangssubstanz für proinflammatorische Mediatoren
(entzündungsfördernde Botenstoffe). Direkte Gegenspieler von AA sind die
(langkettigen) n-3 Fettsäuren. Sie wirken direkt, z. B. indem sie AA als
Ausgangssubstanz für Eicosanoide verdrängen und den AA-Stoffwechsel hemmen.
Indirekt wirken sie über die Beeinflussung der Expression inflammatorischer
Gene. Außerdem werden aus EPA und DHA antiinflammatorische Mediatoren
(entzündungshemmende Botenstoffe; z. B. Resolvine und Protectine) produziert
(Calder 2006).
Abb. 1: Bildung von Entzündungmediatoren aus n-6 PUFAs und
Hemmung durch n-3 PUFAs (modifiziert nach Goldberg & Katz 2007)
n-3 Fettsäuren als Nahrungsergänzungsmittel / Supplement
Zum Effekt der n-3 Fettsäuren auf RA-Beschwerden liegen Ergebnisse aus
verschiedenen randomisierten, kontrollierten, doppelblinden
Interventionsstudien vor. In einer aktuellen Meta-Analyse (Goldberg & Katz
2007) und in Übersichtsarbeiten (Calder 2006, Stamp et al. 2005, Rennie et al.
2003 und 8 weitere darin zitierte Reviews) wurden diese ausgewertet. Das
einheitliche Ergebnis lautet, dass die Einnahme von langkettigen n-3
Fettsäuren- bzw. Fischöl-Supplementen die bei RA auftretenden entzündliche
Gelenkbeschwerden effektiv lindern kann. Dabei wurde deutlich, dass die Wirkung
nach etwa 3 Monaten einsetzt (vom Patient geschilderter Schmerz, Dauer der
Morgensteifheit, Zahl der schmerzhaften und/oder beweglichen Gelenke, Einnahme
nichtsteroidaler Antirheumatika). In einer neuen, der bisher größten
doppelblind durchgeführten placebokontrollierten randomisierten Studie zu
diesem Thema wurde ebenfalls gezeigt, dass die Supplementierung von
Fischlebertran mit 2,2 g EPA und DHA pro Tag die tägliche Einnahme der
nichtsteroidalen Antirheumatika bei fast 40 % der RA-Patienten um mehr als 30 %
reduzieren kann (Galarraga et al. 2008). Somit ist der klinische Nutzen der
Einnahme langkettiger n-3 Fettsäuren bei RA sicher.
Um den antiinflammatorischen Effekt zu erreichen, wird bei herkömmlicher Kost
eine Menge von ca. 3 g EPA und DHA pro Tag empfohlen (Stamp et al. 2005). In
einer kontrollierten klinischen Studie stellte sich bei gleichzeitiger
Verminderung der Arachidonsäure eine Dosis von 900 mg EPA/Tag als wirksam
heraus. In dieser Studie wurde erstmals gezeigt, dass die Verminderung der
Arachidonsäure und EPA additiv wirksam sind (Adam 2003).
Fischverzehr als Quelle für langkettige n-3 Fettsäuren
Es wurde keine Studie gefunden, die speziell den Effekt des Fischverzehrs auf
RA-Symptome untersucht hat. Aufgrund der geschilderten Wirkung von langkettigen
n-3 Fettsäuren sollten RA-Patienten im Einklang mit den allgemeinen
Ernährungsempfehlungen zum regelmäßigen Fischverzehr angehalten werden: mind. 2
Portionen pro Woche, davon mind. 1 Portion fetter Fisch (Rennie et al. 2003).
Antioxidanzien
Antioxidanzien können protektive Effekte bei RA haben, da Sauerstoffradikale
wahrscheinlich an der Gelenkschädigung beteiligt sind (Stamp et al. 2005).
Entzündliche Reaktionen im Körper sind oxidative Prozesse, bei denen verstärkt
Antioxidantien wie Vitamin E, Vitamin C, β-Carotin oder Selen benötigt werden.
Patienten mit RA sollten die empfohlenen Zufuhrwerte für die antioxidativ
wirksamen Vitamine und Mineralstoffe/Spurenelemente durch den Verzehr
pflanzlicher Lebensmittel erreichen. Vitamin E und Selen wurden in klinischen
Studien bei Patienten mit RA erniedrigt gefunden, die Erfolge einer
Supplementierung werden unterschiedlich beurteilt (Stamp et al. 2005). Für eine
Empfehlung zur Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln gibt es keine Basis
(Rennie et al. 2003,).
Lebensmittelunverträglichkeit
Der die Entzündung auslösende Stimulus, das Antigen, könnte auch ein
Lebensmittel sein. Manche Patienten bzw. einige Fallberichte bringen den
Verzehr bestimmter Lebensmittel mit der Verstärkung der Gelenkbeschwerden in
Beziehung. Dies hatte verschiedene Studien zur Untersuchung des Zusammenhangs
zur Folge. Ein allgemeiner Nutzen von hypoallergenen Elementardiäten2 konnte
bisher nicht bewiesen werden; einzelne Patienten konnten aber geringfügig davon
profitieren. Fasten unterdrückt die Entzündung und hat kurzzeitig positive
Effekte; allerdings ist das Fasten nicht auf längere Zeit praktizierbar und es
kann die Effekte einer bei RA-Patienten häufig vorkommenden mangelhaften
Nährstoffversorgung zusätzlich verschlechtern. Auch die Elimination
potenzieller Antigene aus der Ernährung ist keine praktische Strategie in der
Therapie aller RA-Patienten. Für eine kleine Zahl an Patienten mit klinisch
diagnostizierter Lebensmittelunverträglichkeit kann eine Eliminationsdiät ein
möglicher Therapieansatz sein, allerdings stehen die Langzeitwirkung und die
Einhaltung durch die Patienten noch in Frage. In jedem Fall ist eine solche
Diät nur unter Betreuung durch Ernährungsfachkräfte durchzuführen, um negative
Einflüsse auf den Ernährungszustand zu vermeiden (Stamp et al. 2005, Rennie et
al. 2003, Ditrich 2007).
Entzündungshemmende Ernährung
Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass zumindest die Beschwerden
wie Schwellungen, Übererwärmung und Schmerzen bei entzündlichen rheumatischen
Erkrankungen (RA) durch eine geeignete Ernährung gelindert und der Einsatz von
Medikamenten reduziert werden kann.
Patienten mit entzündlichen Autoimmunerkrankungen wie RA, bei der die
Eicosanoidsynthese gesteigert ist, profitieren von einer verminderten Zufuhr
von AA und einer erhöhten Zufuhr der EPA. Wird weniger AA mit der Nahrung
aufgenommen, so werden im Körper weniger entzündungsfördernde Eicosanoide
gebildet. Besonders reich an AA sind Schweineschmalz mit 1700 mg, Schweineleber
mit 870 mg, Eigelb mit 300 mg oder Leberwurst mit 230 mg, jeweils pro 100 g
Lebensmittel. Der Gehalt in Muskelfleisch von Schwein, Huhn, Rind oder Kalb
liegt zwischen 120 mg und 53 mg pro 100 g (DGE 2003). Eine laktovegetabile
(vegetarische) Ernährung ist arm an AA. Zudem sollte die Ernährung reich an n-3
Fettsäuren sein, denn sie können die Bildung der entzündungsfördernden
Eicosanoide vermindern. Fischöle und Raps-, Walnuss- und Leinöl sind
besonders reich an n-3 Fettsäuren.
Adam et al. (2003) zeigten, dass verschiedene ernährungstherapeutische
Maßnahmen die Immunreaktion bei RA beeinflussen können. Sie untersuchten die
Wirkung einer AA-reduzierten Kost und einer zusätzlichen Gabe von
Fischölfettsäuren. Es zeigte sich, dass eine Besserung der Symptome binnen 3
Monaten eintrat. Durch EPA-Gabe (900 mg pro Tag) trat eine Besserung sowohl bei
der Kontrollgruppe unter einer herkömmlichen Kost als auch bei der
Interventionsgruppe unter einer AA-armen Kost ein. Dabei erwies sich die
EPA-Behandlung als additiv wirksam zu einer arachidonsäurearmen Kost. Eine
Nachuntersuchung an 20 Patienten zeigte, dass Ernährungstherapie den
Langzeitverlauf der Erkrankung verbessern kann (Schnurr & Adam 2005,
zitiert in Adam 2007).
Kontrollierte klinische Studien wiesen eine Besserung klinischer Symptome der
RA unter einer vegetarischen Kost nach (Übersicht bei Adam 2007, Stamp 2005),
einige davon auch eine Verminderung der Einnahme nichtsteroidaler
Antirheumatika. Diese Studien haben auch gezeigt, dass eine Wirkung der
vegetarischen Ernährung nach etwa 3 Monaten zu erwarten ist und sich im Verlauf
von bis zu 12 Monaten noch steigern lässt.
Empfehlungen zur entzündungshemmenden Ernährung
Der Arbeitskreis „Ernährungsmedizin in der Deutschen Gesellschaft für
Rheumatologie“ (Karger 2007) stellt entsprechend Angaben zu einer
entzündungshemmenden Ernährung zusammen, die mit den bestehenden Empfehlungen
der DGE (2003) übereinstimmen.
Generell sollte die Ernährung
- an den individuellen Lebensstil angepasst sein und schmecken sowie
- alle Nährstoffe enthalten, die der Körper braucht.
- Es sollte aber nichts gegessen werden, was nicht bekommt.
- Einseitige Ernährungstrends sind zu meiden und auf ausgefallene und einseitige Kostformen ist zu verzichten.
Für die Lebensmittelauswahl sind folgende Punkte zu beachten:
- Meidung fettreicher tierischer Lebensmittel wie Schweineschmalz, Schweineleber, Eigelb oder fettreiche Fleisch- und Wurstsorten. Nicht mehr als 2 Portionen Fleisch oder Wurst pro Woche.
- Verzehr von n-3 Fettsäurereichem Fisch wie Makrele, Lachs und Hering 2-mal pro Woche.
- Verwendung von Raps-, Soja-, Walnuss- und Leinöl, die reich an n-3 Fettsäuren sind; Raps- und Sojaöl sind gute Quellen für Vitamin E.
- Verzehr von 5 Portionen Obst und Gemüse am Tag, sie enthalten antioxidative Substanzen wie Vitamin C, β-Carotin sowie weitere Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe.
- Bevorzugung fettarmer Milch und Milchprodukte.
- Zurückhaltung bei alkoholischen Getränken.
Weitere Empfehlungen:
- Einnahme von Fischölkapseln nur nach ärztlicher Verordnung. EPA zu Beginn in höherer Dosis (900 mg pro Tag), danach in verminderter Dosis (300 mg pro Tag) (Karger 2007, Adam 2002).
- Bei Übergewicht das Körpergewicht normalisieren.
- Regelmäßig bewegen, besonders günstig sind gelenkschonende Sportarten wie Rad fahren oder Schwimmen. Bewegung an der frischen Luft (Vitamin D) ist wichtig.
Mortalität und Komorbidität / Herz-Kreislauf-Krankheiten
Für RA-Patienten ist die Mortalität – geprägt durch kardiovaskuläre Ereignisse
– erhöht, die Lebenszeitverkürzung beträgt 10 Jahre und mehr. Eine effektive
Basistherapie kann das Mortalitätsrisiko normalisieren. Aus der – wenn auch
nicht endgültig geklärten – Verbindung zwischen RA und kardiovaskulären
Ereignissen ergibt sich der Ansatz für eine Ernährungstherapie unter
Berücksichtigung der Komorbidität (Karger 2007).
Eine mit ähnlichen entzündlichen PrVzessen einhergehende Erkrankung ist die
Arteriosklerose. Darüber hinaus wurde eine auf das doppelte gesteigerte
Inzidenz der Arteriosklerose bei Rheumatikern im Vergleich zur
Durchschnittsbevölkerung festgestellt (Hahn 2007, zitiert in Adam 2007).
Folglich sind die ernährungstherapeutischen Maßnahmen bei beiden Erkrankungen
sehr ähnlich (Adam 2007).
Fazit: Ernährungstherapie bei RA
Die Ernährungstherapie ist eine bedeutsame Ergänzung der medikamentösen
Therapie und sollte gleichzeitig mit ihr begonnen werden. Patienten mit
entzündlichen rheumatischen Erkrankungen können ihre Therapie mit einer
ergänzten laktovegetabilen Kost aktiv unterstützen und den Langzeitverlauf
verbessern: Grundlage bildet eine vegetarische Ernährung mit viel Gemüse und
Obst sowie dem täglichen Verzehr von fettreduzierter Milch und fettreduzierten
Milchprodukten. Diese Ernährung sollte 2-mal wöchentlich durch Seefisch ergänzt
werden. Dafür sollte der Konsum an fetten Fleisch- und Wurstsorten vermindert
oder auch gemieden werden. Der Effekt der Ernährungstherapie setzt erst nach 3
Monaten ein und verstärkt sich im Verlauf von 12 Monaten.
Arthrose
Arthrose ist eine degenerativ-rheumatische, multifaktorielle Gelenkerkrankung
(„Verschleißrheuma“), die in frühen Phasen meist asymptomatisch verläuft.
Schädigungen an Knorpel, Knochen und Weichteilen des Bewegungssystems führen in
aller Regel erst im späteren Verlauf zu typischen Beschwerden wie z. B.
Bewegungs- und Belastungsschmerz und noch später auch funktionellen Störungen.
In Deutschland sind ca. 5. Mio. Einwohner betroffen (Wolf 2001).
Ernährungsmedizinische Maßnahmen zielen auf die Normalisierung von erhöhtem
Körpergewicht mit einer ausgewogenen Reduktionskost. Dies soll zur
Normalisierung der Funktion von Leptinrezeptoren und der Leptinsynthese
beitragen, worüber katabole Prozesse im Gelenk und Knorpeldegeneration bei
Arthrose positiv beeinflusst werden (Bolten 2007, Toussirot et al. 2007). Eine
moderate Gewichtsreduktion korreliert bei übergewichtigen Patienten mit
Kniegelenksarthrose mit der Verbesserung der klinischen Symptome (Christensen
2007, zitiert in Langer 2007).
Aber auch andere die Arthrose begünstigende, an Abbau- und Entzündungsprozessen
beteiligte Faktoren können durch ernährungstherapeutische Interventionen
beeinflusst werden. Bolten (2007) nimmt einen partiellen Einfluss der Ernährung
auf die Arthrose an, wissenschaftliche Erkenntnisse zu diesem Thema liegen aber
nur in beschränktem Umfang vor. Der Einfluss nutritiver Faktoren – diskutiert
werden z. B. Antioxidanzien, Vitamin D, Chondroitin und Glucosamin, mehrfach
ungesättigte Fettsäuren, Lipidgemische und Pflanzenextrakte – in der Therapie
der Arthrose ist nicht abschließend beurteilbar, ebenso wie potenziell
unerwünschte Wirkungen (Bolten 2007, Ameye & Chee 2006, McAlindon &
Biggee 2005).
Adipositas und rheumatische Erkrankungen
Bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen liegt häufig eine erhebliche
Risikokonstellation (Immobilität infolge der Erkrankung, mögliche
Nebenwirkungen der Medikamente wie Heißhunger und Flüssigkeitsretention) für
eine ungewollte Gewichtszunahme vor. Gleichzeitig nimmt Adipositas als
Komorbidität wesentlichen Einfluss auf die funktionelle Beeinträchtigung.
Bei den rheumatischen Erkrankungen Gicht und Arthrose spielt Adipositas auch
eine ursächliche Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf. Der Zusammenhang
zwischen Adipositas und der Entstehung von Knie- und Hüftgelenksarthrose ist
belegt, ebenso wie die Besserung der Kniegelenksarthrose bei Gewichtsreduktion
(s. o.).
Adipositas hat möglicherweise auch einen Einfluss auf die Krankheitsaktivität
von entzündlich-rheumatischen und immunologischen Systemerkrankungen.
Patienten mit RA und verwandten entzündlichen Erkrankungen haben infolge der
systemischen Krankheitsaktivität ein zusätzliches und von den traditionellen
Risikofaktoren unabhängiges Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko. Für sie treffen
deshalb im Falle einer Adipositas die ohnehin nachgewiesenen Vorteile einer
Gewichtskontrolle bzw. einer Gewichtsreduktion in besonderem Maße zu. Eine
möglichst frühzeitige Prävention der Adipositas bzw. einer effizienten
Gewichtskontrolle bei bereits adipösen Patienten ist besonders bedeutsam
(Langer 2007).
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Management. Report of a task force of the EULAR Standing Committee for
International Clinical Studies Including Therapeutics (ESCISIT). Ann Rheum
Dis. 2006; 65: 1312-24
2Elementardiäten liefern Lebensmittel bzw. -inhaltsstoffe in Form
einfacherer Komponenten, z. B. Protein als freie Aminosäuren, Fett als
mittelkettige Triglyceride und Kohlenhydrate als kleinere Zuckermoleküle.
Solche Diäten haben vermutlich ein geringeres allergenes Potenzial.