DGEInfo 09/2007 - Forschung, Klinik und Praxis
Was sind Smoothies?
Smoothies sind so genannte
Ganzfruchtgetränke bzw. Fruchtshakes. Im Gegensatz zu
herkömmlichen Fruchtsäften, die aus dem gepressten Saft einer
Frucht bestehen, wird bei Smoothies die ganze Frucht bis auf die
Schale und Kerne verarbeitet. Basis der Smoothies ist somit das
Fruchtmark oder Fruchtpüree, das je nach Rezept mit Säften
gemischt wird, um eine cremige und sämige Konsistenz zu erhalten
(engl. smooth: „fein, gleichmäßig, sämig”). Ursprünglich gab es
Smoothies nur in den USA bzw. in den sich in vielen Ländern
etablierenden Saftbars, wo sie frisch zubereitet und meist mit
Eis oder gefrorenen Früchten gekühlt angeboten werden.
Mittlerweile sind Smoothies in vielen Ländern als
Industrieprodukt im Handel oder an Verkaufsständen erhältlich
– sie offerieren eine schnelle Art des Genusses von Obst
(und Gemüse).
Was ist drin?
Eine eindeutige Definition für die Inhaltsstoffe eines Smoothies liegt nicht
vor. Hinsichtlich Rezeptur und Zutaten gibt es sehr unterschiedliche Produkte
auf dem Markt, die alle unter dem Begriff „Smoothies” verkauft werden. Einige
Anbieter stellen Smoothies hauptsächlich aus Saft(konzentraten) her. Viele als
Smoothies angebotene Getränke unterscheiden sich daher nicht deutlich von
Fruchtsäften. „Echte” Smoothies bestehen jedoch nur aus Frucht, also aus
Fruchtmark oder -püree, Direktsäften und ggf. Fruchtstücken. Häufig ist die
Banane eine Grundzutat. Es gibt auch Smoothies mit einem Anteil an Gemüse,
Joghurt oder Milch oder anderen natürlichen Zutaten wie Schokolade, grünem Tee
und Erdnussbutter. Detaillierte, umfassende Angaben zu den Nährstoffgehalten
der Smoothies sind der Öffentlichkeit kaum zugänglich.
Obst- und Gemüseersatz?
Obst und Gemüse in ihrer natürlichen Form oder gering verarbeitet sind für
die Ernährung ideal. Sie sind wichtige Lieferanten für Vitamine, Mineralstoffe,
Ballaststoffe und die vielfältig gesundheitsfördernden sekundären
Pflanzenstoffe. Gleichzeitig enthalten sie in aller Regel kein Fett und haben
eine hohe Nährstoffdichte. Die aktuelle Empfehlung der DGE sieht für Erwachsene
die tägliche Aufnahme von rund 400 g Gemüse und 200-250 g Obst vor. Für die
Praxis lautet die Empfehlung „5 am Tag”, das bedeutet 5 Portionen (1 Portion
entspricht 1 Handvoll) Obst und Gemüse täglich. Wegen der Vielzahl sekundärer
Pflanzenstoffe sollte die ganze Breite des Angebots an Gemüse und Obst genutzt
werden.
Tabelle 1 zeigt, welche Mengen vom 5 am Tag e. V. als jeweils 1 Portion Obst
oder Gemüse angesehen werden (1).
Tab. 1: Portionsgrößen von Obst und Gemüse
| Portionsgrößen |
verzehrsfertige Portion |
| 1 Portion oder 1 Stück Obst oder Gemüse |
100–200 g |
| Trockenobst und Nüsse (geschält, ungeröstet) |
25 g |
| Gemüse roh (Rohkost, Salate) |
100–200 g |
| Gemüse gegart |
100–200 g |
| Fertiggerichte / Obst |
125 g |
| Fertiggerichte / Gemüse roh |
100 g |
| Fertiggerichte / Gemüse gegart |
200 g |
| Obst- oder Gemüsesaft, 1 Glas |
100–200 ml |
Um die Empfehlung, täglich 5 Portionen Obst und Gemüse zu essen, leichter
umsetzen zu können, kann 1 Portion Gemüse durch 200 ml Gemüsesaft bzw. 1
Portion Obst durch 200 ml Fruchtsaft ersetzt werden (2). Dies sollte jedoch
nicht täglich geschehen. Den gesamten Obstverzehr durch Saft zu ersetzen,
ist keineswegs empfehlenswert.
Fruchtsäfte enthalten, verglichen mit ihren Ausgangsprodukten, nicht das
identische Spektrum an Inhaltsstoffen. Erwähnt sei nur der geringere Gehalt an
Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen in den Säften. Dennoch ist die
ernährungsphysiologische Qualität von Säften positiv zu beurteilen.
Untersuchungen der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel
(BfEL), Karlsruhe, haben beispielsweise gezeigt, dass durch den Konsum
carotinoidreicher Gemüsesäfte verschiedene Stoffwechselfunktionen im Körper
günstig beeinflusst werden können (3).
Wenn in einem Smoothie der Gehalt an Fruchtsäften überwiegt, sind diese
Produkte ernährungsphysiologisch wie Saft zu bewerten. Sie können somit
gelegentlich 1 Portion Obst oder Gemüse am Tag ersetzen.
Besteht ein Smoothie (Portion von 200-250 ml) maximal zur Hälfte aus Saft
und mindestens zur Hälfte aus Mark, Püree oder stückigen Bestandteilen, können
dadurch gelegentlich bis zu 2 Portionen Obst bzw. Gemüse ersetzt werden. Dies
gilt unter der Voraussetzung, dass er ohne Zusätze wie Zucker(arten),
Zusatzstoffe (Aromen, Farbstoffe, Konservierungsstoffe) sowie isolierte
Nährstoffe hergestellt und nicht durch Entzug von Wasser konzentriert ist.
Die Vorteile von Obst und Gemüse
Frisches Obst und rohes oder schonend gegartes Gemüse sind einem Smoothie,
das nicht aus ganzem Obst oder Gemüse besteht, sowohl aus
ernährungsphysiologischer Sicht als auch aus anderen Gründen vorzuziehen:
- Der Gehalt an bestimmten Inhaltsstoffen ist höher als bei Saft oder
Smoothies und die Energiedichte in aller Regel niedriger.
- Frische ganze Früchte und frisches Gemüse, roh oder schonend gegart,
bringen ein großes Volumen mit sich und tragen stärker zur Sättigung
bei.
- Obst und Gemüse bieten ein „Kauerlebnis” und eine riesige geschmackliche
Variationsbreite, die bei den Smoothies verloren geht.
- Durch das Kauen dauert der Vorgang des Essens länger als beim raschen
Hinunterschlucken? eines Smoothies, so dass der Sättigungseffekt besser zur
Geltung kommen kann.
- Der Verzehr von Convenience-Produkten bedeutet auch einen Verlust von
Esskultur. Der Bezug zu „natürlichen” Lebensmitteln geht verloren, wenn diese
ausschließlich in (hoch) verarbeiteter Form konsumiert werden.
- Smoothies sind in der Regel teurer als Obst und Gemüse oder Saft.
- Ökologisch ungünstig ist die Tatsache, dass Smoothies eine Verpackung
benötigen.
Mit ihrer geringen Energiedichte und ihrem hohen Gehalt an lebensnotwendigen
Nährstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen haben Obst und
Gemüse zahlreiche gesundheitsfördernde Wirkungen. Eine wichtige Rolle spielen
sie insbesondere auch in der Prävention von Übergewicht. Obst und Gemüse sind
aufgrund ihres hohen Wasser- und Ballaststoffgehalts und der damit verbundenen
geringen Energiedichte gut sättigend. Das Gefühl der Sättigung hängt wesentlich
vom Volumen der gegessenen Nahrung ab und weniger von der Menge der
aufgenommenen Energie. Je volumenreicher und wasserhaltiger beispielsweise eine
Vorspeise ist, desto weniger wird bei den nachfolgenden Gängen eines Menüs
gegessen (4). In anderen Untersuchungen wurde festgestellt, dass ein hoher
Gemüseanteil in der Ernährung die Energiedichte der Nahrung und auch die
Energieaufnahme senkt. Wer viel Gemüse und Obst isst, kann auch leichter
Übergewicht verhindern (5, 6).
Problem Aufkonzentrierung
Angesichts der besonderen Wirkung des „Volumens” von Obst und Gemüse ist es
nicht förderlich, wenn Smoothies durch Wasserentzug „konzentriert” werden.
Damit geht das für die Sättigung wichtige Volumen verloren, und natürlich nimmt
auch die Energiedichte des Produkts zu. Wenn man das Prinzip der
Aufkonzentrierung weiter denkt, kommt man irgendwann zu einer Pille oder einem
Pulver, sprich zu einem Nahrungsergänzungsmittel. Seit Ende der 1990er Jahre
drängen immer mehr derartige Produkte auf den Markt. So sind u. a.
Rotweinkapseln, Fruchtfasertabletten, Grapefruitextrakt, Apfelessigdragees oder
Carotin-Tabletten in den Regalen für Nahrungsergänzungsmittel zu finden. Die
ernährungsphysiologische Qualität von Nahrungsergänzungsmitteln auf der Basis
von Gemüse- und Obstextrakten ist selten überprüft. Aus Ergebnissen
wissenschaftlicher Studien über die positiven Eigenschaften von Gemüse und Obst
werden Schlussfolgerungen direkt auf die Extrakte, die im
Nahrungsergänzungsmittel zu finden sind, übertragen. Ein solches Vorgehen ist
jedoch keinesfalls ein wissenschaftlicher Nachweis für die gesundheitlich
relevante Wirkung der Nahrungsergänzungsmittel. Der Nachweis einer
gesundheitlich relevanten Wirkung ist jeweils für das einzelne
Nahrungsergänzungsmittel zu erbringen. Andernfalls liegt eine Täuschung des
Verbrauchers vor. Grundsätzlich ersetzen Nahrungsergänzungsmittel keine
vollwertige und ausgewogene Ernährung (7).
Kritische Werbeaussagen
Problematisch sind auch manche Werbeaussagen zu Smoothies. So gibt es
Produkte, bei denen dargestellt wird, dass mit 100 ml des Produkts 50 % der
empfohlenen täglichen Menge an Obst und Gemüse abgedeckt wird. Dies ist für
Deutschland insofern nicht zutreffend, da sich die Aussage auf die von der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Menge von 400 g Obst und Gemüse
pro Tag bezieht. Die WHO-Empfehlung muss vor allem auch Entwicklungsländern mit
geringer Verfügbarkeit und geringem Konsum von Obst und Gemüse gerecht werden,
so dass sie unter der Empfehlung für Deutschland, die von der DGE und dem 5 am
Tag-Verein ausgesprochen wird, von 600-650 g Obst und Gemüse
pro Tag liegt.
Fazit
Zusammenfassend sollte ein „guter” Smoothie
- einen hohen Anteil (mind. 50 %) an „ganzem” Obst oder Gemüse als stückige Bestandteile oder Pürees von ganzen Früchten oder Gemüse enthalten,
- keinen zugesetzten Zucker,
- keine Zusatzstoffe,
- keinen Zusatz von isolierten Nährstoffen enthalten und
- nicht durch Entzug von Wasser konzentriert sein.
Dann kann ein Smoothie (200–250 ml) gelegentlich bis zu 2 Portionen Obst
bzw. Gemüse am Tag ersetzen. Dies ist eine schnelle und unkomplizierte Art des
Genusses von Obst bzw. Gemüse, wenn frische Produkte nicht zur Verfügung
stehen. Smoothies sollten nicht zusätzlich verzehrt werden, denn insbesondere
solche mit viel Obst haben einen hohen (fruchteigenen) Zuckergehalt. Generell
sind nach wie vor frisches Obst und rohes bzw. schonend gegartes Gemüse mit
ihrem vollen Spektrum an Nährstoffen und gesundheitsfördernden sekundären
Pflanzenstoffen, ihrem geringen Energiegehalt und ihrem großen, sättigenden
Volumen zu bevorzugen.
Quellen:
- 5 am Tag e.V.: Richtlinien für die Vergabe des „5 am Tag”-Zeichens. http://www.5amtag.de/index2.htm > 5 am Tag > Spielregeln
- Aktuelles Interview (Dr. B. Watzl): Sekundäre Pflanzenstoffe. Ernährungs-Umschau (46) 1999, B21?B24
- DGE: Mitteilung von Dr. B. Watzl, Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel. DGEinfo 11/1998
- DGE (B. Watzl, G. Rechkemmer): DGE-Stellungnahme zu ?Gemüse- und Obstprodukten? als Nahrungsergänzungsmittel. DGEinfo Forschung, Klinik und
Praxis 06/2002
- Ello-Martin J A, Ledikwe J H, Rolls R J: The influence of
food portion size and energy density on energy intake: implications for
weight management. Am J Clin Nutr 82(Suppl): 236S?241S (2005)
- Ledikwe J
H, Blanck H M, Kettel Khan L, Serdula M K, Seymour J D, Tohill B C, and
Rolls B J: Dietary energy density is associated with energy intake and
weight status in US adults. Am J Clin Nutr (2006) 83: 1362?1368
- Rolls B
J, Ello-Martin J A, Tohill B C: What can intervention studies tell us about
the relationship between fruit and vegetable consumption and weight
management? Nutr Rev (2004) 62: 1?17