DGE-aktuell 11/2007 vom 27/28.09.2007
DGE-Arbeitstagung informiert über Belastungen von Gemüse
und Obst
(dge) Zu hohe Pestizidgehalte in Weintrauben aus Spanien, in
Rucola aus Italien oder Paprika aus den Niederlanden. So oder
ähnlich lauten immer wieder zahlreiche Meldungen in den Medien.
Dabei wünschen sich 71 % der Verbraucher rückstandsfreies Obst
und Gemüse, weitere 22 % möchten, dass Pestizidrückstände nur bis
zu den erlaubten Grenzwerten enthalten sind. Zu diesem Ergebnis
kommt eine aktuelle Studie der Gesellschaft für Konsumforschung,
Nürnberg.
Lebensmittel mit überschrittenen Höchstmengen sind zwar nicht
mehr verkehrsfähig, gefährden aber nicht automatisch die
Gesundheit. Eine Überschreitung der Höchstmenge besagt lediglich,
dass mehr Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurden, als bei guter
landwirtschaftlicher Praxis nötig ist, um die gewünschte Wirkung
in der Pflanze zu erzielen. Dass Biogemüse und -obst weit weniger
mit Pestiziden belastet sind als Gemüse und Obst aus
konventionellem Anbau und neuere, präzisere Analysemethoden in
der Lebensmittelüberwachung die Nachweisgrenzen stetig sinken
lassen, waren weitere Botschaften der Arbeitstagung „Prävention
durch bunte Vielfalt – Wie viel Obst und Gemüse braucht der
Mensch?“, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE)
am 27. und 28. September 2007 in Bonn durchführte.
Hintergrundinformation: Das gesundheitliche
Risiko hängt nicht davon ab, ob die Höchstmenge überschritten
wird, sondern von der tatsächlich aufgenommenen Menge an
Pflanzenschutzmitteln. Entscheidend ist, wie viel von dem
betreffenden Lebensmittel verzehrt wird. Werden täglich stark
belastete Tomaten gegessen, sind die Auswirkungen auf den Körper
ggf. größer als bei verschiedenen Gemüsearten. Bei Früchten wie
Ananas, Orangen oder Bananen, deren Schale nicht verzehrt wird,
ist ein erhöhter Pestizidgehalt der Schale weniger entscheidend
für die Gesundheit. Für eine gesundheitliche Langzeitbewertung
wird der ADI-Wert (acceptable daily intake) zur Beurteilung
herangezogen. Er gibt an, wie viel von einer Substanzmenge
täglich und lebenslang aufgenommen werden kann, ohne dass es zu
gesundheitlichen Risiken kommt
Wie ist zu erklären, dass Berichte über
Höchstmengenüberschreitungen zunehmen? Neuere Messtechniken in
der Lebensmittelüberwachung erlauben präzisere Aussagen und eine
erhöhte Stichprobenzahl. So verdoppelte sich die Anzahl der
Proben des amtlichen Lebensmittel-Monitorings von 7.719 im Jahr
2001 auf 15.874 im Jahr 2004. Ähnliches zeigt das Ökomonitoring:
Hier stieg die Probenzahl von 366 im Jahr 2002 auf 504 im Jahr
2006. Die Lebensmittelüberwachung sorgt heutzutage außerdem für
eine größere Transparenz. Verbraucher und Medien haben die
Möglichkeit, sich in einer bisher nie da gewesenen Breite über
den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu informieren. Auf den
Internetseiten von Bundes- und Länderministerien und deren
Behörden1 können Verbraucher beispielsweise den Ablauf von
Zulassungsverfahren, die toxikologische Bewertung, die
Höchstmengenfestsetzung und die Rückstandsbefunde einsehen.
Bio oder konventionell? Das Ökomonitoring des Chemischen und
Veterinäruntersuchungsamts Stuttgart kommt zu dem Schluss, dass
konventionelles Obst und Gemüse von 2002 bis 2006 im Mittel 0,4
mg Pestizide pro kg enthielten. Trotz nachgewiesener Rückstände
sind konventionell erzeugtes Obst und Gemüse keine „Giftbomben“.
2005 stellten lediglich 13 von über 16.000 untersuchten
Lebensmittelproben ein erhöhtes gesundheitliches Risiko dar. Im
Vergleich schneidet Biogemüse und -obst deutlich besser ab: Hier
lag der Durchschnittsgehalt bei 0,003 mg/kg bzw. 0,002 mg/kg. Die
moderne Analytik hat sich also längst vom Begriff
„rückstandsfrei“ verabschiedet. Genau genommen heißt es heute:
„keine Rückstände oberhalb der Nachweisgrenze der Analysenmethode
erfassbar“.
1z. B. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Bundesamt für
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), Europäische
Union, Verbraucherschutzministerium NRW