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Dreidimensionale Lebens-
mittelpyramide
Abbildung der dreidimensionalen Lebensmittelpyramide

DGE-Info
Aus dem Bereich: Ernährung

KiGGS
01.08.2007

Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys

DGEInfo 07/2007 - Forschung, Klinik und Praxis

Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) des Robert-Koch-Instituts (RKI) ist eine bundesweite Studie zum Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ziel ist es, umfassende und bevölkerungsrepräsentative Informationen über den Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen im Alter von 0–17 Jahren in Deutschland zu erheben, zu analysieren und bereitzustellen. Die Daten eignen sich für die Gesundheitsberichterstattung des Bundes, die epidemiologische Forschung sowie für die Konzeption von Präventions-und Interventionsmaßnahmen.



17641 Kinder und Jugendliche (8985 Jungen und 8656 Mädchen) nahmen von Mai 2003 bis Mai 2006 an 167 Orten der Bundesrepublik an der Studie teil.

Das Untersuchungsprogramm umfasste eine schriftliche Befragung der Eltern sowie der Probanden selbst (ab 11 Jahren), medizinische Untersuchungen, z. B. Schilddrüsensonografie und Tests (z. B. Motorik), ein computerunterstütztes ärztliches Elterninterview (CAPI) sowie eine Blutentnahme und Sammlung von Spontanurin.

Ergänzend zur Studie wurden in 4 Modulen spezielle Fragestellungen an Teilstichproben der Kern-Studie näher untersucht.

  • psychische Gesundheit – BELLA-Studie
  • motorische Entwicklung und Kompetenz – Motorik Modul – MoMo
  • Umweltbelastungen – Kinder-Umwelt-Survey – KUS
  • Ernährungsmodul – EsKiMo

Die Ergebnisse dienen der Verbesserung des Wissensstandes über den Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, der Identifizierung von Problemfeldern und Risikogruppen, der Definition von Gesundheitszielen sowie der Entwicklung und Umsetzung von Ansätzen für Interventionen und Prävention.

Im Folgenden werden ausgewählte Ergebnisse der ersten umfassenden Ergebnisdarstellung vorgestellt.

Lebensmittelverzehr bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland

Mittels eines am RKI neu entwickelten Ernährungsfragebogens (FoodFrequency Questionnaire, FFQ) wurden retrospektiv die durchschnittlichen Verzehrshäufigkeiten und Portionsmengen „in den letzten Wochen“ von ca. 50 Lebensmittelgruppen erfasst. Eingesetzt wurden 2 inhaltlich identische Varianten des Fragebogens: für Eltern 1- bis 10-jähriger Kinder „Was isst ihr Kind“ und für Kinder im Alter von 11–17 Jahren „Was isst du?“. Beide Versionen sind unter www.kiggs.de einsehbar.

Die Ergebnisse basieren auf den Verzehrsdaten von 7 168 Jungen und 6 919 Mädchen im Alter zwischen 3–17 Jahren. Keine Berücksichtigung fanden Kinder von 0–2 Jahren, da diese z. T. noch gestillt werden oder Beikost erhalten bzw. bereits vollständig an den Familienmahlzeiten teilnehmen.

Ausgewertet wurde der Lebensmittelverzehr nach Geschlechts- und Altersgruppen sowie nach Migrationshintergrund.

Getränke

Jungen trinken signifikant häufiger mehrmals täglich Softdrinks (Erfrischungsgetränke wie Cola, Limonade) als Mädchen. Mädchen hingegen konsumieren etwas häufiger täglich Leitungswasser, Mineralwasser und Früchtetee (inkl. Kräutertee). Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil der Personen, die täglich bzw. mehrmals täglich Softdrinks zu sich nehmen, signifikant – bei Jungen etwas stärker als bei Mädchen.

Ein gegenläufiger Trend zeigt sich beim Saftkonsum – mit zunehmendem Alter sinkt der Anteil der Jungen und Mädchen, die mehrmals täglich Saft trinken. Nahezu konstant bleibt über das Alter hinweg der tägliche Konsum von Mineralwasser und Früchtetee.

Mehr Mädchen und Jungen aus Migrantenfamilien trinken generell mehrmals täglich Softdrinks als Nichtmigranten. Säfte hingegen werden signifikant häufiger mehrmals täglich von Nichtmigranten getrunken (Ausnahme deutschstämmige Mädchen). Türkische Migranten trinken häufiger mehrmals täglich Leitungswasser als deutschstämmige und Nichtmigranten.

Info

Weitere Informationen finden sich auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts (RKI) unter www.kiggs.de .

Die 41 Einzelbeiträge zur Anlage und Durchführung sowie zu Ergebnissen der KiGGS- Studie zum Download bereit.

Milch und Milchprodukte

Milch trinkt täglich ungefähr die Hälfte der Jungen und Mädchen, wobei Jungen signifikant häufiger mehrmals täglich Milch trinken als Mädchen. Mit zunehmendem Alter zeigt sich im täglichen Milchkonsum bei beiden Geschlechtern ein absteigender Trend.

Käse (Weich-, Schnitt- oder Hartkäse) und Frischkäse werden von Jungen und Mädchen ungefähr gleich häufig konsumiert. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil, der mehrmals täglich (bei Jungen auch einmal pro Tag) Käse isst. Signifikant mehr Jungen als Mädchen essen mehrmals täglich Milchprodukte (Quark, Joghurt oder Dickmilch). Hingegen konsumieren signifikant mehr Mädchen 1–3-mal pro Monat bzw. 1–6-mal pro Woche Milchprodukte. Mit zunehmendem Alter sinkt die Häufigkeit des täglichen oder mehrmals täglichen Konsums.

Türkische und deutschstämmige Migranten trinken tendenziell seltener täglich Milch. Einmal täglich wird Käse signifikant häufiger von türkischen Jungen und Mädchen gegessen als von anderen Kindern und Jugendlichen.

Fleisch

Einmal täglich Fleisch (Fleisch ohne Geflügel, Wurst, Schinken) isst nur ein geringer Teil der Studienteilnehmer, Jungen häufiger als Mädchen. Die Mehrheit der Jungen und Mädchen konsumiert Fleisch 1- bis 6-mal wöchentlich. Dies entspricht weitgehend den Empfehlungen der DGE und des FKE. Ein wesentlicher Teil der Jungen und Mädchen isst täglich oder mehrmals täglich Wurst (Wurst oder Schinken). Der Geflügelkonsum verteilt sich bei einem Großteil der Jungen und Mädchen auf 1- bis 6-mal wöchentlich. Der Anteil, der im abgefragten Zeitraum nie Geflügel verzehrt hat, ist bei Mädchen signifikant höher als bei Jungen. Mit steigendem Alter sinkt bei Mädchen der Anteil, der einmal täglich Wurst isst, und der Anteil an Jungen und Mädchen, die weniger als einmal in der Woche Geflügel konsumieren, steigt signifikant. Sonstige Migranten sowie deutschstämmige Migranten essen einmal täglich (und tendenziell auch mehrmals täglich) Fleisch im Vergleich zu Nichtmigranten. Türkische Migranten konsumieren signifikant seltener einmal oder mehrmals täglich Wurst als deutschstämmige und Nichtmigranten. Ein signifikant größerer Anteil an türkischen und sons tigen Migranten isst häufiger als 2-mal wöchentlich Geflügel im Vergleich zu Nichtmigranten.

Fisch

Die Mehrheit der Jungen und Mädchen isst 1- bis 3-mal im Monat Fisch. Sowohl bei Jungen als auch bei Mädchen nehmen diese Verzehrshäufigkeiten mit dem Alter ab. Mit zunehmendem Alter sinkt auch der Anteil, der den empfohlenen Mindestverzehr von einmal pro Woche Fisch erreicht, bei beiden Geschlechtern. Bei türkischen Jungen und bei Jungen und Mädchen aus sonstigen Migrantenfamilien ist der Anteil, der häufiger als 2-mal pro Woche Fisch konsumiert, signifikant höher als bei Nicht-Migranten. Am höchsten ist der 1- bis 2-mal wöchentliche Konsum bei deutschstämmigen Migranten und bei Mädchen aus sonstigen Migrantenfamilien.

Cerealien und Brot

Jungen konsumieren insgesamt häufiger Cerealien (Frühstückscerealien) und Weißbrot (Weißbrot, Graubrot oder Brötchen) als Mädchen. Weißbrot wird insgesamt häufiger gegessen als Vollkornbrot (Vollkornbrot, Vollkornbrötchen oder Schwarzbrot). Beim Konsum von Vollkornbrot ist die Häufigkeitsverteilung bei Mädchen und Jungen relativ identisch. Insgesamt sind beim Vollkorn- und Weißbrotkonsum keine großen Differenzen nach Alter zu beobachten.

Jungen im Alter von 7–13 Jahren essen am häufigsten täglich Cerealien. Bei Mädchen zeigt sich mit zunehmendem Alter eine Abnahme des täglichen Verzehrs.

Türkische Jungen und Mädchen sowie weibliche sonstige Migranten konsumieren häufiger mehrmals täglich Cerealien als Nichtmigranten.

Türkische Jungen und Mädchen verzehren signifikant häufiger mehrmals täglich Weißbrot als sonstige und Nichtmigranten.

Obst und Gemüse

Ungefähr die Hälfte der Jungen und Mädchen essen mindestens einmal am Tag frisches Obst, Mädchen häufiger als Jungen. Mit zunehmendem Alter nimmt der ein- oder mehrmalige tägliche Konsum von frischem Obst bei Mädchen und Jungen ab.

14 % der Mädchen und 13 % der Jungen verzehren täglich gegartes Gemüse (gekochtes Gemüse aus frischem Gemüse zubereitet, Tiefkühl- und Konservengemüse). Mindestens einmal täglich konsumieren 21 % der Jungen und 29 % der Mädchen rohes Gemüse (Blattsalat, Rohkost oder rohes Gemüse). Während die Anteile der Jungen und Mädchen, die häufiger als 2-mal pro Woche gegartes Gemüse oder Tiefkühlgemüse essen, mit zunehmendem Alter sinkt, steigt diese Häufigkeit bei Konservengemüse leicht an. Allgemein ist mit zunehmendem Alter ein sinkender Obst- und Gemüsekonsum erkennbar.

Migrantenspezifische Unterschiede umfassen einen tendenziell häufigeren mehrmals täglichen Obstkonsum bei deutschstämmigen Migranten sowie einen signifikant höheren Konsum von rohem Gemüse bei türkischen Jungen verglichen mit Nichtmigranten. Sonstige Migranten konsumieren häufiger mehr als 2-mal pro Woche gegartes Gemüse und signifikant mehr als türkische Jungen. Tiefkühlgemüse wird am häufigsten pro Woche von Nichtmigranten verzehrt, signifikant mehr als von türkischen und deutschstämmigen Migranten und sonstigen Migranten.

Nudeln, Reis, Kartoffeln

Nudeln, Reis und Kartoffeln (gekocht) werden von Mädchen und Jungen etwa gleich häufig konsumiert. Der Anteil, der häufiger als 2-mal wöchentlich Nudeln, Reis oder Kartoffeln verzehrt, sinkt mit zunehmendem Alter.

Der Konsum von mehr als 2-mal wöchentlich Pommes (frittierten oder gebratenen Kartoffeln) nimmt (bei Mädchen leicht) zu. Mehr als die Hälfte der sonstigen Migranten isst mit einem Konsum von mehr als 2-mal pro Woche signifikant häufiger Nudeln oder Reis als deutschstämmige Migranten sowie Jungen ohne Migrationshintergrund. Von deutschstämmigen sowie Mädchen und Jungen ohne Migrationshintergrund werden häufiger als 2-mal wöchentlich Kartoffeln verzehrt. Türkische und sonstige Migranten konsumieren häufiger als 2-mal pro Woche Pommes.

Fast Food und Knabberartikel

Fast Food (Bratwurst, Currywurst, Hamburger oder Döner Kebab) wird von 72 % der Jungen und 75 % der Mädchen lediglich 1- bis 3-mal im Monat verzehrt, von 9 % der Jungen und 15 % der Mädchen im abgefragten Zeitraum sogar nie. Deutlich mehr Jungen konsumieren mehrmals pro Woche Fast Food und Knabberartikel als Mädchen.

Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil, der 1- bis 2-mal pro Woche oder häufiger Fast Food verzehrt bei Mädchen leicht und bei Jungen stark an. Knabberartikel (Chips, Salzstangen, Cracker) werden deutlich häufiger (1- bis 2-mal pro Woche und häufiger) von türkischen Jungen und Mädchen im Vergleich zu anderen Gruppen verzehrt.

Süßigkeiten

Schokolade konsumieren täglich 16 % der Jungen und Mädchen, (andere) Süßigkeiten 19 % der Jungen sowie 20 % der Mädchen. Kuchen wird von ungefähr der Hälfte der Jungen und Mädchen lediglich 1- bis 3-mal pro Woche gegessen. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil der Jungen und Mädchen, die weniger als einmal wöchentlich Kuchen essen, der tägliche Verzehr von Keksen, Süßigkeiten und Schokolade sinkt.

Männliche türkische und sonstige Migranten essen häufiger einmal täglich Kekse als Nichtmigranten. Jungen ohne Migrationshintergrund konsumieren seltener Kekse und Schokolade als die anderen Jungen. Mädchen ohne Migrationshintergrund verzehren seltener täglich Kekse als deutschstämmige oder sonstige Migrantinnen und seltener täglich Schokolade als türkische Mädchen.

Supplemente

Multivitamintabletten (z. B. als Brausetabletten) und andere Vitamin- und Mineralstofftabletten konsumierten etwa 72 % der Jungen und 76 % der Mädchen nie im erfragten Zeitraum. Mit zunehmendem Alter steigt die Einnahmehäufigkeit. Je nach Alter und Geschlecht liegt der Anteil, der häufiger als 3-mal monatlich Multivitamintabletten einnimmt, etwa zwischen 8 % und 12 %. Andere Vitamin- oder Mineralstofftabletten (z. B. Vitamin C, Vitamin E, Calcium, Eisen) wurden von etwa 17 % der Jungen und Mädchen eingenommen.

Fertiggerichte

Etwa 19 % der Jungen und Mädchen haben im erfragten Zeitraum nie Fertiggerichte konsumiert. Insgesamt verzehren Jungen häufiger Fertiggerichte als Mädchen. Mit zunehmendem Alter steigt der Verzehr von 1- bis 6-mal pro Woche von Fertiggerichten.

Vegetarier

Kein Fleisch, Geflügel oder Wurst verzehren lediglich 1,7 % der über 3-jährigen Jungen und 3,2 % der Mädchen, 2,1 % der 14- bis 17-jährigen Jungen und 6,1 % der Mädchen. Deutlich mehr junge Vegetarier finden sich in Mittel- und Großstädten (3,2 % bzw. 3,1 %) sowie unter Migranten, wobei die türkischen Vegetarier mit 9,8 % den größten Anteil aufweisen.

Quelle: Mensink GBM, Kleiser C, Richter A: Lebensmittelverzehr bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS). Bundesgesundheitsblatt, Bundesgesundheitsforschung, Bundesgesundheitsschutz (2007) 50:609–623




 
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