DGEinfo 02/2007 - Beratungspraxis
Frage: Welchen Einfluss nehmen trans-Fettsäuren auf die Gesundheit?
Antwort: Eine Ernährung, die reich an
trans-Fettsäuren ist, erhöht das LDL-Cholesterol im Blut und
senkt das HDL-Cholesterol. Daraus resultiert ein ungünstigeres
Verhältnis von Gesamtcholesterol zu HDL-Cholesterol, welches
einen Risikofaktor für koronare Herzkrankheiten darstellt. Neben
der Cholesterolkonzentration im Blut steigt auch der
Nüchternspiegel von Triglyceriden im Blut an. Darüber hinaus gibt
es Hinweise, dass auch die Lipoprotein-a-Konzentration durch die
Aufnahme von trans-Fettsäuren zunimmt.
trans-Fettsäuren sind ungesättigte Fettsäuren mit einer oder
mehreren Doppelbindungen in trans-Konfiguration. Sie entstehen
durch natürliche sowie durch lebensmitteltechnologische Prozesse.
So gelangen sie in zahlreiche Lebensmittel, z. B. Milch oder
Pflanzenmargarine. Für trans-Fettsäuren ist keine positive
Funktion im Organismus bekannt. Demgegenüber sind negative
Auswirkungen auf den Stoffwechsel durch ihren Verzehr eindeutig
belegt. Die Industrie reagierte mit neuen Technologien, um den
Gehalt der trans-Fettsäuren in Lebensmitteln zu senken. Erstmals
wurde in den D-A-CH-Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr 2000
ein Richtwert für die Aufnahme von trans-Fettsäuren benannt. In
Dänemark gibt es sogar gesetzlich festgelegte Obergrenzen für den
trans-Fettsäurengehalt in Lebensmitteln und auch in den USA
werden derzeit Maßnahmen zur „Verbannung“ der trans-Fettsäuren
diskutiert.
Begriffsbestimmung
Ungesättigte Fettsäuren liegen in der Natur hauptsächlich in
cis-Konfiguration vor. Durch verschiedene Prozesse (Hydrierung,
Isomerisierung) kann es zu einer Veränderung der Konfiguration
der Doppelbindungen kommen: Es entstehen trans-Fettsäuren, d. h.
die Wasserstoffatome an den durch Doppelbindungen verknüpften
Kohlenstoffatomen befinden sich auf entgegengesetzten Seiten. Die
drei Hauptgruppen der trans- Fettsäuren sind
trans-Hexadecensäure, trans-Octadecensäure und die geometrischen
Isomere der Linolsäure. Der bekannteste Vertreter der letzten
Gruppe ist die trans-Elaidinsäure (C 18 : 1 trans 9).
Im Körper werden die trans-Fettsäuren ebenso über die
β-Oxidation verstoffwechselt wie die in cis-Konfiguration
vorliegenden Fettsäuren.
Entstehung
In der Natur entstehen trans-Fettsäuren durch
Mikroorganismen, die vor allem im Pansen von Wiederkäuern
vorkommen und dort Fettsäuren aus der aufgenommenen Nahrung
hydrieren. Deshalb enthalten Milch sowie das Depotfett von
Wiederkäuern trans-Fettsäuren, beispielsweise die
trans-Vaccensäure (C 18 : 1 trans 7) (1, 9).
In der Lebensmitteltechnologie wird die
Hydrierung dazu verwendet, die Textur und die Stabilität von Ölen
zu verändern (Fetthärtung). Aus flüssigen Ölen sollen
streichfähige Produkte wie z. B. Margarine hergestellt werden,
indem die ungesättigten Fettsäuren in gesättigte Fettsäuren
umgewandelt werden. Bei der teilweisen Härtung ungesättigter
Fettsäuren entstehen zunächst Fettsäuren, die noch
Doppelbindungen enthalten. Diese Doppelbindungen können sowohl
in cis- als auch in trans-Konfiguration vorliegen. Erst die
Fettsäuren der so genannten durchgehärteten Fette sind komplett
gesättigt. Am Beispiel der zweifach ungesättigten Linolsäure (C
18 : 2) bedeutet dies, dass sie zunächst durch Hydrierung zur
cis-Ölsäure (C 18 : 1) und weiter zur trans-Elaidinsäure (C 18 :
1 trans 9) umgewandelt wird und durch weitere Härtung die
gesättigte Stearinsäure (C 18 : 0) entsteht.
Auch durch starkes Erhitzen von Ölen und Fetten, z. B. beim
Braten bei hohen Temperaturen, können trans-Fettsäuren entstehen
(EFSA).
Vorkommen in Lebensmitteln
Hauptquelle für trans-Fettsäuren sind Lebensmittel, bei deren
Herstellung hydrierte Fette verwendet werden. Auch das Fett von
Wiederkäuern trägt zur Aufnahme bei.
Fette von Wiederkäuern
Produkte von Wiederkäuern wie Milch und Rinderfett enthalten
durchschnittlich 3–5 % trans-Fettsäuren (Gew.% des Gesamtgehalts
an Fettsäuren). Etwas höhere Anteile haben Lamm- und Hammelfett.
Unter allen trans-Fettsäuren in diesen Produkten kommt die
trans-Vaccensäure (C18 : 1 trans 7) mit 30–50 % (Gew.% vom
Gesamtgehalt an Fettsäuren) am häufigsten vor (6).
Pflanzenfette
In teilgehärteten Pflanzenfetten ist die trans-Elaidinsäure
die am häufigsten vertretene trans-Fettsäure, sie macht einen Anteil von 20–30 %
aller trans-Fettsäuren (Gew.% vom Gesamtgehalt an Fettsäuren)
aus.
Der trans-Fettsäurengehalt in Margarine kann erheblich schwanken,
je nachdem in welchem Ausmaß teilgehärtete Fette verwendet
werden. In der TRANSFAIR-Studie (1995/96) wurden die
trans-Fettsäurengehalte in Margarinen aus verschiedenen
Europäischen Ländern verglichen. Die damaligen Analysen ergaben
für Streichfette eine Schwankungsbreite von 1–17 %. Neuere
Analysen ergeben wesentlich geringere Gehalte, die meisten
Streichfette enthalten nur noch 1–2 % trans-Fettsäuren. Diese
Reduktion wurde erreicht, indem die Öle nun durchgehärtet werden.
Dies hat allerdings eine Erhöhung des Anteils an gesättigten
Fettsäuren zur Folge (6). Margarinearten, die aus nur einer Sorte
Öl hergestellt werden, bilden eine Ausnahme. Die
Sonnenblumenmargarine z.B. muss zu 97 % Sonnenblumenöl enthalten.
Durch eine Mischung aus durchgehärtetem Fett und flüssigem Öl
kann keine optimale Konsistenz erreicht werden, deshalb muss ein
Teil des Sonnenblumenöls teilgehärtet werden. Dadurch enthalten
diese Margarinesorten mit 4–5 % einen etwas höheren Anteil an
trans-Fettsäuren (17). Diätmargarinen sollten keine trans-
Fettsäuren enthalten.
Lebensmittel mit einem hohen Anteil an trans-Fettsäuren
Einen zum Teil wesentlich höheren Anteil an trans-Fettsäuren
haben Backwaren, Frühstücksflocken mit Fettzusatz, Pommes frites,
Trockensuppen, Fertiggerichte sowie Süßwaren und Snacks. Je nach
verwendetem Fett können bis zu 30 % aller Fettsäuren in
trans-Konfiguration vorliegen (18). Der Gehalt an
trans-Fettsäuren in verschiedenen Lebensmitteln der gleichen
Kategorie kann sehr stark schwanken. Eine Untersuchung in Kanada
zeigte, dass der Gehalt an trans-Fettsäuren in 16 verschiedenen
Brotsorten von 1–30 % (Gew.% des Gesamtgehalts an Fettsäuren)
schwankte (8).
Einfluss auf die Gesundheit
Eine an trans-Fettsäuren reiche Ernährung erhöht das
LDL-Cholesterol im Blut und senkt das HDL-Cholesterol, verglichen
mit einer Ernährung, die reich an einfach und mehrfach
ungesättigten cis-Fettsäuren ist. Das Verhältnis von
Gesamtcholesterol zu HDL-Cholesterol wird auf diese Weise erhöht,
dies stellt einen Risikofaktor für koronare Herzkrankheiten (KHK)
dar. Neben der Cholesterolkonzentration im Blut wird auch der
Nüchternspiegel von Triglyceriden im Blut erhöht; außerdem gibt
es Anhaltspunkte, dass auch die Lipoprotein-a-Konzentration durch
die Aufnahme von trans-Fettsäuren erhöht wird (10, 13, 14).
Interventionsstudien und Kohortenstudien haben gezeigt, dass bei
einer höheren Aufnahme von trans-Fettsäuren das Risiko, an
Dyslipoproteinämie sowie KHK zu erkranken, erhöht ist (15, 19).
In der evidenzbasierten Leitlinie zum Fettkonsum wird die Evidenz
dafür, dass trans-Fettsäuren das Risiko für eine
Dyslipoproteinämie mit erhöhtem LDL- und erniedrigtem
HDL-Cholesterol und für KHK erhöhen, als überzeugend eingestuft.
Ein Einfluss der trans-Fettsäuren auf das Risiko für Adipositas,
Typ-2-Diabetes, Hypertonie und Krebs ist zurzeit nicht belegt
(4).
Es gibt Ergebnisse, die darauf hinweisen, dass die Auswirkungen
einer Ernährung reich an trans-Fettsäuren stärker sind, als die
einer Ernährung reich an gesättigten Fettsäuren (6).
Entscheidender als die Menge an trans-Fettsäuren und gesättigten
Fettsäuren allein ist allerdings die Summe aus beiden Fraktionen.
Noch nicht abschließend geklärt ist die Frage, ob sich die
Auswirkungen auf Stoffwechselparameter von durch Hydrierung
hergestellten trans-Fettsäuren von denen natürlicher
trans-Fettsäuren unterscheiden.
Verzehrshäufigkeit
Die Daten der NVS 1991 geben eine durchschnittliche tägliche
Aufnahme von trans-Fettsäuren von 3,4 g für Frauen und 4,1 g für
Männer an. Nach Angaben der TRANSFAIR-Studie liegen die Werte
bei durchschnittlich 2,2 g in Deutschland (16). Eine andere
Veröffentlichung gibt einen täglichen Konsum an trans-Fettsäuren
von 2,3 g für Männer und 1,9 g/Tag für Frauen an (7, 17).
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) e. V. empfiehlt,
dass in der täglichen Ernährung möglichst wenig trans-Fettsäuren
vorkommen sollten. Nach den D-A-CH-Referenzwerten soll der Konsum
von trans-Fettsäuren weniger als 1% der Nahrungsenergie ausmachen
(5). Bei einem Energierichtwert von 2 400 kcal (männlich, 25 bis
<51 Jahre, PAL 1,4) entspricht dies 2,6 g trans-Fettsäuren.
Der Konsum von trans- Fettsäuren ist über die Auswahl der
Lebensmittel zu steuern. So ist es empfehlenswert, Zurückhaltung
bei frittierten Produkten (z. B. Pommes frites, Kartoffelchips),
Gebäck aus Blätterteig, Keksen, Süßwaren, Fertiggerichten etc. zu
üben und bei verpackten Lebensmitteln auf die Zutatenliste zu
schauen. Gehärtete Fette und Öle müssen als solche mit der Angabe
„gehärtet“ ausgewiesen werden (11), meist geschieht das über die
Bemerkungen „enthält gehärtete Fette“ oder „pflanzliches Fett, z.
T. gehärtet“. Das gilt z. B. für Margarine, Trockensuppen,
Fertiggerichte etc.
Literatur:
- Brückner J: Trans-Fettsäuren: gesundheitliche Aspekte des
Verzehrs. EU 42 (1995) 122–6
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Trans-Fettsäuren sind
in der Ernährung unerwünscht – zu viel Fett auch. Stellungnahme
Nr. 015/2006 des BfR vom 30.01.2006
- Byrne C, Rockett H, Holmes MD: Dietary fat, fat subtypes,
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postmenopausal women with no history of benign breast disease.
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- Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. Evidenzbasierte
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- Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische
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- EFSA: Opinion of the Scientific Panel on Dietetic Products,
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EFSA J 81 (2004) 1–49
- Fritsche J, Steinhart H: Contents of trans fatty acids
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- Jahreis G: Trans-Fettsäuren: Entstehung, Aufnahme, Risiken.
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