Mathematisches Modell zur Ermittlung der Lebensmittelbelastung
DGEinfo 02/2007 - Essen & Trinken
Der Übergang von Kunststoffzusätzen aus der Verpackung in Lebensmittel kann gesundheitsschädlich
sein. Zur schnellen und einfachen Ermittlung der Belastung von Lebensmitteln haben Wissenschaftler
ein mathematisches Modell entwickelt. Damit lässt sich die Konzentration für unterschiedliche
Kunststoffe in Lebensmitteln berechnen.
Aus hygienischen Gründen sind die meisten Lebensmittel in Kunststoffverpackungen gehüllt. Zur
Sicherstellung von Langlebigkeit und Robustheit enthalten Flaschen, Saftkartons sowie
Kunststofffolien Zusätze, welche jedoch auch in das jeweilige Lebensmittel übergehen können. Zum
Gesundheitsschutz der Verbraucher sind Grenzwerte für diese Stoffe festgelegt.
Mit Hilfe eines neuen mathematischen Modells kann die Menge der Zusätze, welche in die
Lebensmittel übergehen, festgestellt werden. Auf diese Weise lässt sich die Konzentration
unterschiedlicher Kunststoffe in der Nahrung berechnen.
Entwickelt wurde das System im EU-Projekt „FOODMIGROSURE“ von Wissenschaftlern des
Frauenhofer Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung in Kooperation mit Partnern aus der
Industrie.
Zur Vereinfachung des Verfahrens wurde zunächst gesetzlich festgelegter flüssiger
Lebensmittelersatz zur Analyse verwendet. Die Auswertungen zeigten aber, dass eine
Schlussfolgerung von Lebensmittelersatz auf feste Lebensmittel nicht möglich ist. Denn die
Laborergebnisse, die man mit flüssigen Ersatzstoffen erhält, erweisen sich nicht immer als
zuverlässig. Die Lebensmittelbelastung liegt häufig höher als angenommen.
Verlässliche Daten liefert das neue Verfahren, welches auf Untersuchungen realer Lebensmittel
basiert. Auf dieser Grundlage entstand eine weltweit einzigartige, systematische Datensammlung.
Anhand verschiedener Modelle lässt sich zeigen,
- wie sich Zusätze im Kunststoff bewegen,
- wie viele dieser Stoffe an der Kontaktfläche von Kunststoff und Lebensmittel in das Lebensmittel
übergehen sowie
- wie sich die Zusätze im Lebensmittel selbst verteilen.
Folglich berücksichtigen die Modelle neben der Lebensmittelstruktur (z. B. Fettgehalt und
Festigkeit) auch die Kunststoffart der Verpackung sowie verschiedene Zusatzstoffe und die
Lebensmittelmenge, die vom Verbraucher durchschnittlich verzehrt wird.
In einer Formel zusammengefasst, lässt sich somit für ein Lebensmittel berechnen, wie viele
Zusatzstoffe aus der Verpackung enthalten sind.
Das Ziel des Forschungsprojektes ist die Etablierung einheitlicher und standardisierter
Analysemethoden in Europa mittels dieses mathematischen Gerüstes.
Das Verfahren trägt zur Kosteneinsparung in der Industrie bei. Die computerunterstützte Prüfung
liefert im Vergleich zu einer Prüfung im Labor bei geringerem Aufwand genauere Ergebnisse.
Quelle: Frauenhofer-Gesellschaft Presseinfo v. 12.12.06