DGE-aktuell 03/98 vom 24.02.1998
Risiko der Mangelernährung bei langfristigen Kau- und
Schluckbeschwerden ist vermeidbar.
Kennen auch Sie das Gefühl, das einem bei Halsentzündungen die Lust am Essen nimmt? Die unweigerlich beim Schlucken auftretenden Schmerzen verderben den Appetit und Sie möchten am liebsten gar nichts mehr essen - vor allem nichts Festes. In solchen Situationen greifen viele kurzfristig auf Suppen, Pudding oder Eis zurück. Bei
kurzfristigen Erkrankungen bringt diese einseitige Ernährung keine gesundheitlichen
Probleme.
Werden aber Patienten mit langfristigen Kau- und Schluckbeschwerden, z.B. im Alter oder
nach Operationen im Mund und Rachen, zuhause versorgt, muß auf eine ausreichende
Versorgung mit Nähr- und Ballaststoffen geachtet werden, so die Deutsche Gesellschaft
für Ernährung e.V. (DGE). Ansonsten kann es langfristig zu einem Nährstoffmangel kommen
und der Krankheitsverlauf kann nachteilig beeinflußt werden.
Oft reicht das Pürieren von Speisen oder der Verzicht auf feste Bestandteile in der
Nahrung aus. Zum Teil sind bilanzierte Diäten oder eine Ernährungssonde für eine
ausreichende Ernährung nötig.Chronische Kau- und Schluckbeschwerden können im Alter, nach Unfällen, bei verschiedenen
Erkrankungen im Mund- und Rachenbereich oder als Folge einer Operation auftreten. Meist
können die Betroffenen nichts Festes essen und leiden unter Appetitlosigkeit.
Besteht die Ernährung einseitig aus Pudding, Eis oder Brühsuppen, kann es langfristig zu
einem Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen kommen. Ein Mangel an
Ballaststoffen kann außerdem zu Verstopfung (Obstipation) führen.
„Auch Zuhause können Patienten vollwertig ernährt werden - vor allem, solange
breiige Speisen geschluckt werden können", meint Prof. Heinrich Kasper,
Präsidiumsmitglied der DGE. " Ein abwechslungsreicher Speiseplan mit ausreichender
Ballaststoffzufuhr ist realisierbar, wenn Rohkost und erhitzte Speisen stark zerkleinert
oder püriert werden. Speisen sollten jedoch schonend erhitzt und nicht zerkocht werden,
damit möglichst viele Nährstoffe erhalten bleiben. Eine abwechslungsreiche Kost sichert
den Nährstoffbedarf und wirkt sich positiv auf den Krankheitsverlauf aus."
Kann nur noch flüssige Kost geschluckt werden, ist eine ausreichende Zufuhr von Nähr-
und Ballaststoffen schwierig. In diesen Fällen können in Absprache mit dem Arzt
zusätzliche Vitamin- und Mineralstoffpräparate notwendig werden.
Für Patienten, die ihren Nährstoffbedarf auch mit zusätzlichen Vitamin- und
Mineralstoffpräparaten nicht decken können, stehen industriell hergestellte
Zusatzdiäten und Trinknahrungen (vollbilanzierte Formeldiäten mit Ballaststoffen) in
verschiedenen Geschmacksrichtungen zur Verfügung. In Problemfällen muß über eine Sonde
ernährt werden.
Empfehlenswert bei Kau- und Schluckbeschwerden sind:
- Milch, Milchprodukte sowie Quarkspeisen. Sie liefern Calcium, das für den Aufbau und
Erhalt von Knochen und Zähnen wichtig ist und Osteoporose (Knochschwund) vorbeugt.
- Selbstgepreßte oder gekaufte Obst- und Gemüsesäfte liefern z.B. Vitamin C, Folsäure
und Kalium. Säfte mit Fruchtfleisch enthalten zudem Ballaststoffe.
- Püriertes Gemüse und Kartoffeln sowie passierte Rohkost enthalten wichtige
Kohlenhydrate und Ballaststoffe sowie Vitamin- und Mineralstoffe.
- Vollkorn-Getreidebreie aus feingemahlenen Haferflocken, Hirseflocken oder Weizengrieß
sorgen für die nötigen B-Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Ballaststoffe.
- Püriertes Fleisch liefert vor allem Eiweiß, B-Vitamine und Eisen. Filetierter oder
pürierter Seefisch ist Quelle für Eiweiß, Omega-3-Fettsäuren und Jod.
- Suppen aus blanchiertem und passiertem Gemüse sowie Brühen lassen sich besonders
leicht schlucken.
- Obstbreie, Gelatinespeisen und Puddinge eignen sich gut als Nachtisch oder
Zwischenmahlzeit.
- Gewürze und Kräuter sorgen für Abwechslung im Geschmack und fördern den Appetit.
- Die Kombination von farbigem Gemüse, Kartoffel- oder Getreidebrei sowie Fleisch und
Fisch ist farblich attraktiv und regt so den Appetit an.
- Günstig ist es, mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag zu verteilen, da die
Betroffenen oft nur wenig essen wollen oder können.
- Saure Speisen oder Fruchtsäfte können bei Entzündungen und Verätzungen im Mund- und
Rachen Schmerzen verursachen.
- Unter Umständen können flüssige vollbilanzierte Formeldiäten (industriell
hergestellt) hilfreich sein.