Stichwort 11/2005
Am 3. November startete die zweite Nationale Verzehrsstudie (NVS II) „Was esse ich“.
Die repräsentative Studie, die von November 2005 bis Ende 2006 durchgeführt wird, soll die
Ernährungsgewohnheiten der deutschen Bevölkerung ermitteln.
NVS I 1985 – 1988
Die erste Nationale Verzehrserhebung für Deutschland (NVS I), d. h. die alten Bundesländer,
wurde von 1985 bis 1988 durchgeführt. Seitdem sind 20 Jahre vergangen, in denen sich das
Lebensmittelangebot und die Ernährungsgewohnheiten deutlich gewandelt haben. Neue Trends wie z. B.
Fast Food oder Convenience-Produkte sind zum festen Bestandteil des Alltags geworden. Neben dem
Lebensmittelangebot und den Ernährungsgewohnheiten haben sich ebenso das Arbeits- und
Freizeitverhalten der Deutschen weiterentwickelt. Die Auswirkungen dieser Veränderung werden sich
über den Lebensmittelverzehr auch in der Nährstoffversorgung der Bevölkerung widerspiegeln.
NVS II 2005 – ...
Die NVS II soll Grundlage und Beginn einer fortlaufenden Dokumentation des Ernährungsverhaltens
in Deutschland darstellen. Die zukünftig regelmäßige Erhebung repräsentativer Verzehrs- und
Verhaltensdaten der Deutschen soll ein kontinuierliches Ernährungsmonitoring ermöglichen. Dies
geschieht in Anlehnung an die National Health and Nutrition Examination Surveys (NHANES), die in
den USA seit 1971 durchgeführt werden. Die Nationale Verzehrsstudie II wird im Auftrag des
Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) von der
Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel (BFEL) durchgeführt.
Zielsetzung
Ziel ist die Gewinnung von umfassendem, repräsentativem Datenmaterial, aus dem eine Vielzahl von
wissenschaftlich und ernährungspolitisch relevanten Fragen beantwortet werden können. An erster
Stelle interessieren Informationen über Ernährungsverhalten und -gewohnheiten sowie über Qualität
und Quantität des Lebensmittelverzehrs der Deutschen.Weiterhin können aus den Daten Aussagen zum
Gesundheitszustand sowie zur Nährstoff- und Energieversorgung der Bevölkerung abgeleitet werden.
Die NVS II will zudem Aufschluss über den Zusammenhang zwischen bestimmten Ernährungsgewohnheiten,
sozialen Aspekten und Krankheiten gewinnen. Auch die Identifizierung von ernährungsrelevanten
Risikogruppen, die z. B. zu wenig oder zu viel an bestimmten Nährstoffen aufnehmen, wird so
ermöglicht. Im Rahmen einer Begleitforschung werden Informationen über die Nährstoffversorgung bei
Migranten und den Stellenwert des Außer-Haus-Verzehrs für die Ernährung der Deutschen
analysiert.
Die gewonnenen Informationen sollen genutzt werden für die Ermittlung der Bedeutung von
Präventionsprogrammen, Verbraucheraufklärung und Ernährungsberatung und in deren inhaltliche
Gestaltung einfließen. Ziel des Ernährungsmonitorings ist unter anderem die Erkennung von Trends
und Entwicklungen, so dass Politik und Gesundheitsaufklärung immer auf aktuelle Veränderungen
reagieren können. Die kontinuierlich erhobenen Daten sollen eine Orientierungshilfe sowohl für
Politik, Wirtschaft und auch Wissenschaft darstellen.
Durchführung
20 000 deutschsprachige Personen werden bundesweit aus einer Einwohnermeldestichprobe ermittelt.
Dazu werden aus ca. 500 zufällig ausgewählten Gemeinden in Deutschland Personen aus privaten
Haushalten zwischen 14 und 80 Jahren zufällig ausgesucht und angeschrieben. Im November 2005 wurde
mit den Interviews begonnen.
Die Studie verläuft in mehreren Stufen. In der ersten Stufe werden die ausgewählten 20 000
Teilnehmer in einem persönlichen Interview (rund 60 Minuten) zu ihrer Person und ihrem
Ernährungsverhalten befragt. Für die Erfassung des Ernährungsverhaltens, das die Nahrungsaufnahme
der letzten 3 Monate wiederspiegeln soll, wird eine computergestützte diet history (DISHES 2005)
eingesetzt. Über einen Fragebogen werden das Aktivitätsverhalten und andere gesundheitsrelevante
Parameter wie Körpergewicht, -umfang und -größe ermittelt.
Bei 1 000 zufällig ausgewählten Teilnehmern wird zusätzlich anhand eines 2 x
4-Tage-Wiegeprotokolls die genaue Verzehrsmenge der Lebensmittel erfasst. Bei zwei sich
anschließenden telefonischen Kontakten zur Erfassung der aktuellen Verzehrsgewohnheiten kommt
jeweils ein 24-h- Recall zum Einsatz. Für diese Recalls werden jeweils 70 bis 80 % der
Studienteilnehmer befragt. Um saisonale Effekte zu berücksichtigen, erstrecken sich die Erhebungen
über insgesamt 13 Monate in vier aufeinanderfolgenden Wellen.
Teilnehmer
Die Angaben zum Lebensmittelverzehr, die von den Teilnehmenden der Studie gemacht werden, werden
mit Hilfe des Bundeslebensmittelschlüssels (BLS) auf ihre Inhaltsstoffe zurückgeführt und
ausgewertet.
Die Auswertung erfolgt anonym. Alle Teilnehmer bekommen eine persönliche Auswertung bezüglich
ihrer Ernährungsgewohnheiten. Für die Qualität der Daten ist nicht zuletzt die Bereitschaft zum
Mitmachen der ausgewählten Personen wichtig.
Akteure
Die Durchführung der Befragungen wird von dem Münchener Marktforschungsunternehmen
TNS-Healthcare übernommen. Planung, Koordination und Auswertung der NVS II erfolgt in der
Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel in Karlsruhe und wird von einem
Nutzerbeirat und einem Wissenschaftsbeirat begleitet. Dem Wissenschaftsbeirat gehören Experten aus
den Bereichen der Ernährungswissenschaft, der Ernährungsepidemiologie, der
Ernährungsverhaltensforschung, der Statistik und der Sozialwissenschaften an. Mitglieder des
wissenschaftlichen Präsidiums der DGE sind vertreten. Sie beraten das NVS-Team bei fachlichen
Aspekten und tragen damit zu einer Qualitätssicherung der zu erhebenden Daten bei.
Weitere Informationen zur NVS II sind unter www.was-esse-ich.de zu finden.
Literatur:
- www.was-esse-ich.de/uploads/media/Eckpunktepapier.pdf, Zugriff am 13.10.05
- www.tnshealthcare.de/pdf/Kurzdarstellung%20NVSII.pdf, Zugriff am 13.10.05