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DGE-aktuell
Aus dem Bereich: Presse

Trink- oder Leitungswasser ist ein geeigneter Durstlöscher
27.05.1999

DGE-aktuell 5/99 vom 27.05.1999

In der heißen Jahreszeit sind die Parkplätze der Getränkemärkte häufig überfüllt, denn viele Menschen kaufen große Mengen Getränke und vor allem Mineralwasser ein. Dabei verfügen fast alle Haushalte über Trinkwasser aus der Wasserleitung. Vielen schmeckt jedoch Mineralwasser besser, andere haben gesundheitliche Bedenken, Leitungswasser zu trinken.



Prof. Helmut Erbersdobler, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V., meint: "Trink- oder Leitungswasser aus der öffentlichen Wasserversorgung ist einwandfrei und ein empfehlenswerter, kalorienfreier Durstlöscher. Vorsicht ist geboten, wenn Trinkwasser in landwirtschaftlich stark genutzten Gebieten aus hauseigenen Brunnen stammt oder wenn im Haushalt veraltete Bleirohre installiert sind und sehr weiches, leicht saures Wasser durch Kupferrohre fließt. Im Zweifelsfall kann eine Untersuchung des Wassers Aufschluß geben, ob das Trinkwasser durch gesundheitsgefährdende Metalle, die aus dem hauseigenen Leitungssystem stammen, belastet ist."

Die strengen Vorschriften des Gesetzgebers in der Trinkwasserverordnung gewährleisten eine gute Wasserqualität vom Wasserwerk bis zum Endverbraucher. Kaum ein Lebensmittel wird so regelmäßig und häufig kontrolliert wie unser Trinkwasser, dessen Überwachung durch das Gesundheitsamt erfolgt. Dadurch wird eine Gesundheitsgefährdung besonders durch Krankheitserreger ausgeschlossen, so die DGE. Für einzelne Substanzen wie Blei, Kupfer und Nitrat hat der Gesetzgeber Grenzwerte festgelegt. So dürfen in einem Liter Trinkwasser beispielsweise nicht mehr als 40 Mikrogramm Blei und nicht mehr als 50 Milligramm Nitrat enthalten sein. Diese Werte werden im Trinkwasser aus der öffentlichen Wasserversorgung in der Regel eingehalten. Wer das "kühle Naß" aus dem Wasserhahn genießen möchte, sollte sich jedoch vorher über die Art der hauseigenen Wasserrohrleitungen informieren. Vor allem in Altbauten sind häufig noch Bleirohre installiert. Das Blei aus den Rohren wird im Wasser gelöst und ist in höheren Konzentrationen besonders für Ungeborene, Säuglinge sowie Kinder schädlich. Auch aus Kupferleitungen kann sich, besonders wenn das Wasser im Härtebereich 4 und darunter sowie im pH-Wert unterhalb von 7,3 liegt, zuviel Kupfer lösen. In diesem sehr seltenen Fall kann das stark kupferhaltige Trinkwasser bei Säuglingen und Kleinkindern zur frühkindlichen Leberzirrhose führen. Nach derzeitigem Wissen wird eine mittlere Belastung des Trinkwassers mit 2 Milligramm Kupfer pro Liter Wasser als gesundheitlich unbedenklich angesehen.

In landwirtschaftlich stark genutzten Gebieten kann es zu Überschreitungen der gesetzlich festgelegten Grenzwerte beispielsweise für den Nitratgehalt kommen. Das ist zu beachten, wenn das Wasser aus hauseigenen Brunnen und nicht aus dem örtlichen Leitungsnetz kommt.

Prof. Erbersdobler empfiehlt: "Risikogruppen wie Schwangere, Säuglinge und Kinder sollten generell auf Leitungswasser aus Bleirohren verzichten. Über den Basisgehalt an Kupfer, Blei, Nitrat und anderen Stoffen im Trinkwasser erteilen die örtlichen Wasserwerke oder das Gesundheitsamt Auskunft. Sie sind verpflichtet die Untersuchungsergebnisse in regelmässigen Abständen zu veröffentlichen. Für die Gehalte in den hauseigenen Leitungen kann das Gesundheitsamt jedoch keine Garantie übernehmen. Wer diesbezüglich unsicher ist, kann sein Wasser beim zuständigen Gesundheitsamt prüfen lassen."

Tipps für die Praxis:

  • Leitungswasser aus der öffentlichen Wasserversorgung kann unbedenklich auch von Kindern reichlich getrunken werden. Davon ausgenommen ist Wasser aus überalteten Bleileitungen oder mit überhöhten Nitratgehalten.
  • Bestehen Ihre Wasserleitungen aus Blei, können Sie den Bleigehalt des Leitungswassers senken, wenn Sie es ablaufen lassen. Vor allem morgens ist es besser, das Wasser rund 3 Minuten – oder bis es kühler aus dem Hahn läuft - abfließen zu lassen, weil es gegebenfalls die ganze Nacht über in den Leitungen gestanden hat. Dies sollte man am besten grundsätzlich einhalten auch wenn die Leitungen okay sind. Die Devise ist: Erst Duschen dann Trinken.
  • Für die Zubereitung von Babynahrung sollte Leitungswasser immer erst nach 1 bis maximal 3 Minuten entnommen und dann abgekocht werden.
  • Wenn Ihr Leitungswasser für Säuglinge nicht geeignet ist, verwenden Sie für die Zubereitung von Säuglingsnahrung ein Mineralwasser, das durch den Aufdruck "geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung" gekennzeichnet ist. Es enthält pro Liter maximal 10 mg Nitrat, 0,02 mg Nitrit, 1,5 mg Fluorid, 240 mg Sulfat und 20 mg Natrium.



 
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