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Dreidimensionale Lebens-
mittelpyramide
Abbildung der dreidimensionalen Lebensmittelpyramide

DGE-Info
Aus dem Bereich: Ernährung

Chinin
01.09.2005

DGEInfo 08/2005 – Stichwort

Chinin, 6’-Methoxycinchonan-9-ol, ist ein Alkaloid, das aus der Rinde des Chinarindenbaums (Cinchona pubescens) gewonnen wird. Der Chinarindenbaum gehört zu der Familie tropischer Rubiaceae (Rötegewächse). Chinin hat die Strukturformel C20H24N2O2. Es ist ein weißes, wasserunlösliches, kristallines Pulver mit einem charakteristisch bitteren Geschmack.



Abbildung der molekularen Struktur des Chinins

Im therapeutischen Bereich wird Chinin als Drogenauszug schon seit Beginn des 17. Jahrhunderts gegen Malaria eingesetzt. Mit der Entwicklung synthetischer Malariamedikamente ging der Bedarf an Chinin jedoch zurück. Seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts konnte es als Malariamittel im Kampf gegen Plasmodien-Stämme, die Resistenzen gegenüber den synthetischen Substanzen aufwiesen, erneut an Bedeutung gewinnen. Die Antimalariawirkung beruht dabei vermutlich auf einer Interkalation (intercalare=einschieben) mit der DNA ungeschlechtlicher Formen des Malariaerregers (erythrozytäre Schizonten), so dass die Replikation und Transkription der Parasiten-DNA gestört ist. Neben seinem Einsatz als Malariamittel wirkt Chinin schmerzstillend, fiebersenkend und örtlich betäubend. Auf Grund seiner muskelrelaxierenden Eigenschaften findet es Anwendung bei der Therapie von nächtlichen Wadenkrämpfen.

Früher wurde Chinin wegen seiner stimulierenden Wirkung auf die Uterusmuskulatur als wehenförderndes Mittel eingesetzt. In diesem Zusammenhang wurde Chinin auch als Abortivum (Abtreibungsmittel) missbraucht, was auf Grund der Aufnahme sehr hoher Dosen oftmals zum Tod der Mutter führte.

Chinin als Pharmazeutikum

In Bezug auf chininhaltige Arzneimittel gibt es eine Vielzahl unerwünschter Wirkungen, die im therapeutischen Dosisbereich bei langfristiger oder wiederholter Aufnahme häufig auftreten. Sie werden als Cinchonismus bezeichnet und können bei Personen, die eine Chininüberempfindlichkeit aufweisen, bereits schon durch kleine Mengen an Chinin hervorgerufen werden. Mögliche Nebenwirkungen können sein:

  • Gastrointestinale Störungen (Übelkeit, Erbrechen)
  • Neurotoxische Wirkungen (Kopfschmerzen, Tinnitus, Sehstörungen, Verwirrtheitszustände)
  • Überempfindlichkeitsreaktionen (Hautreaktionen, Blutbildveränderungen, Leberfunktionsstörungen)
  • Erregungsleitungsstörungen am Herzen
  • Blutdruckabfall (in hohen Dosen)
  • Nierenschäden (selten)
  • Hämatologische Störungen (hämolytische Anämie, Leuko- und Thrimbopenie)
  • Hyperinsulinämie und Hypoglykämie

Chinin in Lebensmitteln

Bekannter als die medizinischen Einsatzgebiete ist die Verwendung von Chinin in Lebensmitteln.Wegen seines stark bitter schmeckenden Geschmacks wird es alkoholfreien Erfrischungsgetränken (Bitterlimonaden, Tonic-Wässer), Trinkbranntweinen und weinhaltigen Getränken zugesetzt.

Die deutsche Aromenverordnung von 1981 schreibt für Chinin, Chininhydrochlorid und Chininsulfat Höchstmengen in Spirituosen von 300 mg Chinin/kg und in alkoholfreien Erfrischungsgetränken von 85 mg Chinin/kg vor. Lebensmittel, die Chinin oder seine Salze enthalten, müssen mit „chininhaltig“ gekennzeichnet sein.

Als tödliche orale Chinin-Dosis gelten für Erwachsene 5 bis 10 g, wobei jedoch für herzkranke Erwachsene eine Aufnahme von 2 g Chinin bereits lebensbedrohlich ist.

Bei bestimmten Personengruppen können chininhaltige Getränke, sofern sie in größeren Mengen konsumiert werden, gesundheitlich problematisch sein. Das ist besonders bei Personen mit Tinnitus,Vorschädigungen des Sehnervs, Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase-Mangel (Symptom: hämolytischer Anämie) oder einer Überempfindlichkeit gegenüber Chinin oder Cinchonaalkaloiden der Fall. Eine ärztliche Rücksprache bezüglich der Aufnahme chininhaltiger Limonaden ist bei Personen notwendig, die entweder Herzrhythmusstörungen haben oder Medikamente einnehmen, mit denen Chinin Wechselwirkungen zeigt. Bei der Einnahme von Antikoagulantien ist dies der Fall. Es kommt zu einer Wirkungsverstärkung, so dass eine Dosisreduktion des gerinnungshemmenden Präparates notwendig werden kann. Eine ähnliche Wirkungsverstärkung wird auch bei der Einnahme von Muskelrelaxantien beobachtet.

Erst kürzlich äußerte sich das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu den Gefahren von Chinin und chininhaltigen Getränken [1]. Weil für bestimmte Verbrauchergruppen der Verzehr von chininhaltigen Getränken gesundheitsschädigend sein kann, hält das BfR Etikettierungshinweise auf den jeweiligen Produkten für notwendig. Auch die Angabe einer Kontakt- oder Internetadresse halten sie für sinnvoll, über die sich Verbraucher gezielt Informationen beschaffen können. Zudem sollten nicht mit Risiko behaftete Personen über chininhaltige Erfrischungsgetränke sowie über die Symptomatik des Cinchonismus und Chininüberempfindlichkeit aufgeklärt werden. Laut BfR sei die Senkung der derzeitigen Höchstmenge für Chinin, Chininhydrochlorid und Chininsulfat von 85 mg/kg auf 75 mg/kg zu überdenken.

Literatur:
  1. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Chininhaltige Getränke können gesundheitlich problematisch sein.www.bfr.bund.de/cd/3862?index=67&index_id=6388, Zugriff am 29.06.2005
  2. Lohs K, Elstner P, Stephan U: Fachlexikon Toxikologie. Landsberg: ecomed (1999)
  3. Lexikon der Ernährung. Bd. 1 A bis Fettk. Berlin/Heidelberg: Spektrum (2001)
  4. Täufel A, Ternes, Tunger, Zobel: Lebensmittel-Lexikon A-K. Hamburg: Behr´s (1998)
  5. Forth W, Henschler D, Rummel W (Hrsg): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. 5. Auflage. Mannheim/Wien/ Zürich: Wissenschaftsverlag (1987)
  6. Hermann J: Chinarinde. Eine historische Reise um die Erde. www.pharmazeutische-zeitung.de/pza/2001-18/titel.htm, Zugriff am 29.06.2005



 
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