DGEInfo 04/2005 – Beratungspraxis
Die DGE hat ein neues grafisches dreidimensionales Modell zur Umsetzung von
Ernährungsrichtlinien entwickelt. Die Dreidimensionale Lebensmittelpyramide basiert auf dem
DGE-Ernährungskreis und wird erweitert durch Informationen über die ernährungsphysiologische Qualität der
Lebensmittel. Visualisiert ist dies in vier Pyramidenseiten.
Grafische Modelle sind generell für eine erfolgreiche, praxisnahe Vermittlung wissenschaftlich fundierter
Ernährungsregeln unverzichtbar. Über Inhalte und optimale Ausgestaltung von grafischen Darstellungen
entstand eine intensive Diskussion, ausgelöst durch neue Pyramiden- bzw. Dreiecksmodelle aus den USA.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) hat sich dieser Herausforderung aktuell gestellt und in
einer Reihe von Workshops und Expertengesprächen eine Dreidimensionale Lebensmittelpyramide als neues
innovatives Modell etabliert. Dieses Modell basiert auf fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen unter
Berücksichtigung der aktuellen D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr und der 10 Regeln der
DGE.Weiterhin wurden aktuelle Ernährungsprobleme wie die Adipositasepidemie und veränderte Lebensstile
berücksichtigt.
Das Modell wurde in enger Zusammenarbeit mit Vertretern des aid infodienst, dem
Bundesverbraucherministerium sowie Wissenschaftlern und Experten aus der Praxis entwickelt und umgesetzt.
Die Lebensmittelpyramide liefert Anleitungen für eine optimierte Lebensmittelauswahl. Basis dieser
Umsetzung bildet der Ernährungskreis unter Berücksichtigung der D-A-CH-Referenzwerte. Die Segmentgrößen des
Kreises stellen das prozentuale Mengenverhältnis der einzelnen Lebensmittelgruppen zueinander dar.
Erweiterte Informationen über die ernährungsphysiologische Qualität der Lebensmittel werden in den vier
Pyramidenseiten veranschaulicht. Die Lebensmittel sind darin nach objektiven Kriterien, vorrangig nach
Energiedichte und Nährstoffgehalt, in die jeweiligen Gruppen eingeteilt. Innerhalb dieser Dreiecke werden
die Lebensmittel anhand ihrer ernährungsphysiologischen Qualität hierarchisiert. Als ernährungsphysiologisch
empfehlenswert eingeordnet werden Produkte wie Obst, Gemüse, Fisch, fettarme Milchprodukte, fettarmes
Fleisch, Rapsöl, Trink- und Mineralwasser. Diese Lebensmittel stehen innerhalb der Pyramidenseiten unten und
dürfen häufiger verzehrt werden. Als ernährungsphysiologisch weniger wertvoll werden Produkte wie
Energydrinks, Limonaden, Süßigkeiten, Schmalz, Butter, Eier oder fettreiche Fleischwaren eingeordnet. Diese
Lebensmittel stehen innerhalb des Dreiecks an der Spitze und sollten sparsam verwendet werden.
Die Dreidimensionale Lebensmittelpyramide zeichnet sich dadurch aus, dass sie sowohl quantitative
(Lebensmittelmengen) als auch qualitative (ernährungsphysiologischer Wert) Empfehlungen verbrauchernah
darstellt. Quantitative Empfehlungen, d. h. die Mengenanteile der einzelnen Lebensmittelgruppen an der
Gesamtmenge, werden durch den DGE-Ernährungskreis abgebildet. Darauf aufbauend wird die
ernährungsphysiologische Qualität auf den Pyramidenseiten dargestellt. Quantitative und qualitative Aussagen
zusammengenommen sind Basis für eine geeignete Lebensmittelauswahl.
Zur Einordnung der Lebensmittel in die vier Pyramidenseiten wurden folgende Kriterien zu Grunde gelegt:
- Lebensmittel vorwiegend pflanzlichen Ursprungs
Kriterien: Energiedichte;
Nährstoffdichte (Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, Ballaststoffe); präventive Aspekte
(Krebs, Herz- Kreislauf-Erkrankungen)
- Lebensmittel vorwiegend tierischen Ursprungs
Kriterien: Energiedichte;
Nährstoffdichte (z. B. Calcium, Eisen, Zink, Selen, B-Vitamine, Vitamin D); Fettqualität (gesättigte
Fettsäuren, n-3 Fettsäuren)
- Speisefette und Öle
Kriterien für Fette: Fettsäurenzusammensetzung (n-3, n-6, n-9 Fettsäuren,
gesättigte Fettsäuren, Verhältnis von n-6- zu n-3-Fettsäuren); Viamin E; Cholesterol/unerwünschte
Begleitstoffe; trans-Fettsäuren; küchentechnische Nutzung
Kriterien für Öle: Verhältnis von n-6- zu
n-3-Fettsäuren; Vitamin E-Gehalt
- Getränke
Kriterien: Energiegehalt (mäßig: <7 % Kohlenhydrate, hoch: >7 %
Kohlenhydrate); essenzielle Nährstoffe; sekundäre Pflanzenstoffe; anregende Substanzen; Süßungsmittel
Werden die 4 Pyramidenseiten aufgeklappt, ist das Modell auch zweidimensional nutzbar.
Die Dreidimensionale Lebensmittelpyramide bezieht nicht nur wünschenswerte Lebensmittel, sondern
insbesondere auch Produkte des täglichen Verzehrs ein. Ziel ist es, eine ausreichende Zufuhr der
lebensnotwendigen Nährstoffe in einem ausgewogenen Verhältnis zu erreichen. Die von DGE, aid infodienst und
Bundesverbraucherministerium gewählte dreidimensionale Darstellung soll es ermöglichen, komplexe
Informationen sinnvoll und effektiv zu vermitteln. Somit stellt die Dreidimensionale Lebensmittelpyramide
ein grundlegendes Kommunikationsmit-tel für Mittlerkräfte dar. Einsatz könnte die Dreidimensionale
Lebensmittelpyramide finden für Schule, Ausbildung und Beratung.
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