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Dreidimensionale Lebens-
mittelpyramide
Abbildung der dreidimensionalen Lebensmittelpyramide

DGE-aktuell
Aus dem Bereich: Presse

DGE und aid beschließen gemeinsame Ernährungspyramide
16.07.2004

DGE-aktuell 07/2004 vom 16.07.2004

Ergebnisse des DGE-aid-Expertenworkshops

(dge/aid) Mehr Vollkornprodukte, reichlich Gemüse und Obst, bevorzugt pflanzliche Öle, das sind die zentralen Ernährungsbotschaften, die DGE und aid künftig stärker akzentuieren wollen. Auf dieser Basis entwickeln beide Gesellschaften eine gemeinsame Ernährungspyramide, deren Grundlagen auf einem Workshop am 14.07.04 in Bonn erarbeitet wurden.



Hintergrund der Veranstaltung ist die weltweite wissenschaftliche Diskussion von Ernährungsratschlägen. Im Mittelpunkt der intensiv geführten Debatte steht die Frage, ob der Kohlenhydratanteil der Nahrung gesenkt werden soll. Folglich wären dann verstärkt Proteine und Fette zu verzehren. Diese Überlegungen werden in den USA bereits in konkrete Empfehlungen mittels verschiedener Pyramidenmodelle umgesetzt. Auch in Deutschland werden Diätformen dieser neuen "Low-carb"-Richtung nach Atkins, LOGI, Glyx oder South Beach propagiert - und stoßen auf große Resonanz.

DGE und aid weisen darauf hin, dass diese Diäten und Ratschläge häufig wissenschaftlich nicht abgesichert sind und damit kein Anlass für veränderte Nährstoffempfehlungen besteht. "Ernährungsempfehlungen sind für die Gesundheit der Bevölkerung von erheblicher Tragweite und erfordern ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein. Es ist daher die Aufgabe von unabhängigen wissenschaftlichen Fachgesellschaften, solche Zusammenhänge aufgrund aktueller Studienergebnisse zu überprüfen", so Prof. Dr. Helmut Heseker, Präsidiumsmitglied der DGE. "Für die Verbraucher ist es wichtig, dass Ernährungsempfehlungen leicht verständlich und alltagstauglich sind", betonte Dr. Margareta Büning-Fesel, Geschäftsführerin des aid-infodienst.

Hintergrundinformation: Empfehlenswert ist nach wie vor ein hoher Kohlenhydratverzehr von mindestens 50 % der Nahrungsenergie überwiegend in Form komplexer Kohlenhydrate, z. B. Vollkornbrot, Vollkornnudeln, Vollkornreis, Vollkorn-Getreideflocken, Gemüse, Obst und Kartoffeln. Diese Lebensmittel liefern neben Vitaminen sekundäre Pflanzenstoffe und Ballaststoffe und tragen zur Magenfüllung und Sättigung bei. Bei geringerer Kohlenhydratzufuhr ist mit einer kompensatorisch höheren Aufnahme von Fetten zu rechnen. Durch den verlangsamten Einstrom der Kohlenhydrate aus den oben genannten Lebensmitteln ins Blut werden hohe Blutzuckerspiegel vermieden und der Insulinstoffwechsel weniger belastet. Demnach entsprechen die Empfehlungen der DGE einer Kost mit niedrigem Glykämischen Index (GI).

Letzterer ist aufgrund der zahlreichen variablen Einflussgrößen (Zusammensetzung eines Lebensmittels, Verarbeitungsgrad, Zusammensetzung der Mahlzeit, individuelle Schwankungen) derzeit noch keine verlässliche Größe zur Bewertung der Lebensmittelqualität. Die momentan verwendeten Tabellen enthalten kaum Daten, die dem Lebensmittelangebot in Deutschland entsprechen (z. B. Vollkornbrot).

Es gilt weiterhin die Empfehlung zu einem moderaten Fettkonsum von maximal 30 % der Nahrungsenergie bzw. 35 % bei entsprechender körperlicher Bewegung. Fettreiche Lebensmittel haben einen hohen Anteil an der Energiezufuhr und spielen bei hohem Konsum eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Übergewicht. Um Erkrankungsrisiken zu verringern, spielt noch vor der Quantität die Qualität der Fette eine bedeutende Rolle. Wie die DGE seit langer Zeit betont, sollte der Konsum gesättigter Fettsäuren zugunsten einfach- und mehrfach ungesättigter Fettsäuren verringert werden. Die Zufuhr mehrfach ungesättigter Fettsäuren wie Omega-3-Fettsäuren, z. B. in Makrele, Hering, Lachs und in Raps-, Soja- und Walnussöl sollte gesteigert werden, um das Verhältnis von Omega-3-Fettsäuren zu Omega-6-Fettsäuren zu verbessern.

Die Experten weisen darauf hin, dass die Proteinzufuhr zwischen der empfohlenen täglichen Zufuhr von 0,8 g und einer zulässigen Höchstzufuhr von 2,0 g je Kilogramm Körpergewicht liegen kann. Proteine haben einen stark sättigenden Effekt, der vermutlich dazu führt, dass Adipöse bei kohlenhydratarmer, aber fett- und proteinreicher Kost (z. B. Atkins-Diät) anfänglich weniger Energie aufnehmen. Dabei kommt es kurzfristig zu stärkeren Gewichtsverlusten als unter fettarmer und damit meist auch proteinarmer Diät. Langfristig (1 Jahr) sind allerdings keine Unterschiede mehr nachweisbar.

Eine neue gemeinsame DGE/aid-Ernährungspyramide soll zusammen mit dem Ernährungskreis der DGE gewährleisten, dass Lebensmittelempfehlungen in verständlicher Weise den unterschiedlichen Zielgruppen vermittelt werden können.

Die Botschaft der Experten an die Bevölkerung ist eindeutig: Es gibt nicht die "Wunderdiät", die nur 6 Tage, 6 Wochen oder 6 Monate eingehalten werden muss. Der Begriff der Diät sollte in seiner eigentlichen Definition verstanden werden: "Lebensweise" - eine lebenslange sorgfältige Auswahl der Lebensmittel und Speisen reich an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, aber moderat in der Fettzufuhr, in Verbindung mit reichlich körperlicher Bewegung. Bei der Lebensmittelauswahl sollte der Verbraucher stärker als bisher auf die Qualität der verzehrten Kohlenhydrate (soweit möglich nach dem Glykämischen Index) und Fette (geringer Anteil an gesättigten Fettsäuren) achten.




 
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