DGE-aktuell 04/2004 vom 11.05.2004
Gelungene Fortbildungsveranstaltung der DGE in Bonn
(dge) Die Menschen in Deutschland werden immer älter. Eine ausgewogene, vollwertige Ernährung trägt dazu bei, dass dies bei guter geistiger und körperlicher Gesundheit verläuft. Die Ernährung muss speziell an den nachlassenden Geruchs- und Geschmackssinn angepasst werden, häufig müssen verschiedene Diätkostformen berücksichtigt werden, ohne dass die Freude am Essen und Trinken verloren geht. Vor dieser Herausforderung stehen die Verantwortlichen für die Verpflegung der Senioren jeden Tag. Hier knüpft die Kampagne "Fit im Alter: Gesund essen, besser leben", finanziert und initiiert vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft an. Im Rahmen dieser Kampagne fand am 11. Mai 2004 eine Fortbildungsveranstaltung zum Thema "Ernährungsaspekte in Senioreneinrichtungen" in Bonn statt. Mehr als 100 Teilnehmer, darunter Heim- und Küchenleiter, Anbieter von "Essen auf Rädern", Vertreter von Cateringunternehmen, konnten in verschiedenen Vorträgen und Workshops ihr Fachwissen auffrischen und mit Kollegen Erfahrungen austauschen.
Hintergrundinformation: Gerade im Alter kommt der bedarfsgerechten Ernährung im Hinblick auf Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit eine wichtige Rolle zu. Altersassoziierte Veränderungen machen den Organismus des Seniors anfälliger für Mangelernährung und Dehydratation (Austrocknung). Da die Therapie der Mangelernährung im hohen Alter sehr schwierig und mühsam ist, kommt der Prävention dabei eine entscheidende Rolle zu. Der individuelle Ernährungszustand, die aufgenommene Nahrungsmenge sowie mögliche Risikofaktoren müssen regelmäßig erfasst und bei Bedarf sofort behoben werden, forderte PD Dr. Dorothee Volkert von der Universität Bonn.
In Deutschland sind rund 1 Million Menschen an Demenz erkrankt. Durch einen fortschreitenden Untergang von Nervenzellen kommt es im Verlauf der Krankheit zu nachlassender Gedächtnisleistung, Orientierungslosigkeit, schwerwiegenden Verhaltensänderungen und letztendlich zum Verlust der Selbstständigkeit. Die Erkrankung wirkt sich negativ auf das Ess- und Trinkverhalten der Betroffenen aus. Das Risiko für Mangelernährung und Austrocknung steigt. Claudia Menebröcker (Diätassistentin und DKL/DGE) nannte als mögliche Ursachen einen erhöhten Energiebedarf durch Unruhe und ständiges Umherlaufen, Signale wie Hunger und Durst nicht deuten zu können, eine Veränderung des Geruchs- und Geschmackssinns, negative Auswirkungen bestimmter Medikamente auf Appetit usw. Grundsätzlich gelten für demente Senioren die gleichen Ernährungsempfehlungen wie für alle anderen Senioren auch. Meist muss jedoch ein individuelles Ernährungsregime erarbeitet werden, um die adäquate Versorgung tatsächlich sicherzustellen. So bevorzugen Demente Gerichte "von früher", regionale Gerichte, süße und fettreiche Speisen. Für das hauswirtschaftliche Personal und das Pflegepersonal ist vor allem Gelassenheit sowie die Akzeptanz der "veränderten Tischmanieren" beim Umgang mit den Betroffenen hilfreich. "Menschen mit Demenz können sich nicht anpassen, die Umwelt muss sich an die Betroffenen anpassen", so Claudia Menebröcker.
Ziel einer Ernährungsempfehlung im Alter und hohen Alter ist immer, das Wohlbefinden zu erhalten oder herzustellen, akute Krankheitssymptome zu lindern bzw. zu beseitigen. Die Vermeidung von Unter- und Mangelernährung Hochbetagter und Pflegebedürftiger hat dabei Priorität. Restriktive Diätvorschriften und daraus resultierende Einschränkungen der Lebensmittelauswahl sind sekundär, wenn nicht sogar häufig überflüssig. Ein ausreichendes Angebot an Nährstoffen, Energie und Flüssigkeit über Speisen und Getränke ist verpflichtend für jede Einrichtung vorgeschrieben. Die Entscheidung über die Akzeptanz von Essen und Trinken trifft jedoch grundsätzlich der Essensteilnehmer selbst, so Renate Frenz (Ernährungsberaterin DGE). Sie ermutigte die Zuhörer, alle Diät- und Sonderkostformen (mit Nährwertangaben, Portionsgrößen, Hinweisen zum Anrichten usw.) in einem Verpflegungskatalog als Maßnahme der Qualitätssicherung festzuhalten. "Ein solches Handbuch gehört in die Hand eines jeden Mitarbeiters und muss laufend ergänzt und aktualisiert werden", betonte Frenz.