Nahrung und Verbrauch 06/2001
Weltweit werden jährlich mehr als 9 Millionen Tonnen marine Makroalgen geerntet.
Haupterzeuger sind China, Japan, die Philippinen sowie Nord- und Südkorea. Zu den
Makroalgen, die überwiegend in Aquakulturen angebaut werden, gehören Braun-, Rot- und
Grünalgen. Während Algenerzeugnisse in asiatischen Ländern seit Jahrhunderten
Bestandteil der traditionellen Küche sind, wo sie als Gemüse gekocht, für Salate
verwendet oder als Würzmittel angeboten werden, haben sie auf dem deutschen Markt erst in
den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Ein Problem kann sich aus dem zum Teil extrem
hohen Jodgehalt der Makroalgen ergeben, der auf den Produkten allerdings nur selten
angegeben ist.
Besonders hoch kann der Jodgehalt in getrockneten Algen- und
Seetangprodukten sein. Die Lebensmittelüberwachung der Bundesländer wies in
beanstandeten Algenerzeugnissen bis zu rund 6 500 mg Jod pro kg Trockengewicht nach. Nach
Ansicht des Bundesinstitutes für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin
(BgVV) können Lebensmittel und Würzmittel aus Algen oder Seetang mit mehr als 20 mg Jod
pro kg Trockenmasse die Gesundheit schädigen.
In Ländern mit ausreichender Jodversorgung, wie z. B. dem asiatischen Raum, wo die
Makroalgen traditionell verwendet werden, ist ein plötzliches Überangebot an Jod kaum
mit einem gesundheitlichen Risiko verbunden. Anders in sogenannten endemischen
Jodmangelregionen, zu denen Deutschland zu rechnen ist: Hier bilden sich als Folge einer
Fehlanpassung an den chronischen Jodmangel in der Schilddrüse vor allem bei älteren
Menschen häufig kleine autonome Zentren (autonome Adenome) aus. Werden diese autonomen
Zentren durch ein plötzliches Überangebot an Jod aktiviert, kann dies zu einer
lebensbedrohlichen Überfunktion der Schilddrüse führen. Andererseits kann ein
Überangebot an Jod bei Vorliegen einer normalen Schilddrüsenfunktion die Synthese von
Schilddrüsenhormonen hemmen, aus der eine kompensatorische Unterfunktion und die
Ausbildung eines Kropfes resultieren können. Gefährdet sind auch Patienten mit einer
Dermatitis herpetiformis Duhring - einer seltenen, entzündlichen Hauterkrankung, bei der
es durch ein Jodüberangebot zur Auslösung von Krankheitsschüben kommen kann. Die
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. empfiehlt Jugendlichen und Erwachsenen eine
tägliche Jodzufuhr von insgesamt 180-200 Mikrogramm µg Als oberer tolerabler
Zufuhrwert werden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1 000 µg pro Tag
benannt. Auf Grund der genannten Umstände in dem Jodmangelgebiet Deutschland sollte eine
Zufuhr von 500 µg Jod pro Tag hier aber aus Vorsorgegründen nicht überschritten
werden. Für Nahrungsergänzungsmittel hat das BgVV deshalb eine Obergrenze für Jod von
100 µg pro Tag empfohlen und auch für die rezepturmäßige Verwendung von
jodiertem Speisesalz wurden Höchstmengen festgesetzt. Aus demselben Grund hält das BgVV
Algenprodukte mit mehr als 20 mg Jod/kg Trockenmasse aus Gründen des gesundheitlichen
Verbraucherschutzes nicht für verkehrsfähig. Es plädiert für die Festsetzung von
Höchstmengen auf europäischer Ebene und die obligatorische Kennzeichnung des
Jodgehaltes.
Quelle: bgvv Pressed 13 (2001)