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Dreidimensionale Lebens-
mittelpyramide
Abbildung der dreidimensionalen Lebensmittelpyramide

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Aus dem Bereich: Ernährung

Gentechnisch veränderte Lebensmittel – Eine Gefährdung durch horizontalen Gentransfer?
01.09.2000

Forschung, Klinik und Praxis 09/2000

Schlüsselworte: Gentechnik – horizontaler Gentransfer – Antibiotika-Resistenzgene – transgene Pflanzen



Seit der Veröffentlichung des sogenannten Pustzai-Reports über die gesundheitlichen Risiken von gentechnisch veränderten Kartoffeln und mit der weltweiten Zunahme von Lebensmitteln im Handel, die Zutaten aus gentechnisch veränderten Organismen enthalten, werden Fragen nach der Sicherheit neuartiger Erzeugnisse verstärkt diskutiert. Sind diese Lebensmittel sicher? Müssen wir uns um horizontalen Gentransfer sorgen? Werden vermehrt Antibiotika-Resistenzen auftreten? Nachfolgend wird dieser Fragenkomplex an Hand ausgewählter Literatur diskutiert.

Im Zusammenhang mit dem Verzehr von Lebensmitteln, die mit Hilfe der Gentechnik hergestellt wurden, wird ein möglicher Gentransfer aus diesen Lebensmitteln auf Mikroorganismen der menschlichen Darmflora und auf die Mucosa-Epithelzellen des menschlichen Darms bzw. in körpereigene Zellen diskutiert. Würde dies aus pflanzlichen transgenen Produkten erfolgen, so spricht man von einem horizontalen Gentransfer. Ein horizontaler Gentransfer bedeutet, dass eine genetische Information aus einer Spenderzelle (hier transgene pflanzliche Zelle) in die Empfängerzelle (Mikroorganismus oder humane Zelle) gelangt und hier in seiner aktiven Form in die Empfänger-DNA eingebaut wird und damit auch auf Nachkommen weitergegeben werden kann. Dies bedeutet, dass

  • das in das Lebensmittel neueingeführte Gen einschließlich der Kontrollregionen durch die mechanische Zerkleinerung und die enzymatischen Verdauungsvorgänge im Magen-Darm-Trakt in seiner vollständig intakten Form freigesetzt wird,
  • die freigesetzte DNA in ihrer intakten Form im Darmtrakt hinreichend lang stabil erhalten bleibt,
  • die freigesetzte DNA in ihrer intakten Form von einer Empfängerzelle (humane Zelle) auf- genommen wird und in die genetische Information der Zelle integriert wird,
  • die integrierte neue DNA in der Empfängerzelle exprimiert wird, d. h. sich die neue genetische Eigenschaft ausprägt.

Das geordnete Eintreffen dieser aufgeführten Schritte ist Voraussetzung für einen erfolgreichen Gentransfer und wird als sehr unwahrscheinlich angesehen.

Persistenz von DNA

Doerffler und Mitarbeiter untersuchten bei Mäusen den Verbleib von oral aufgenommener DNA (DNA des Bakteriophagen M 13 oder Plasmid DNA pEGFP) während der Magen-Darm-Passage und den Übertritt in die Blutbahn und in die inneren Organe. 95 % der DNA wurde in der Regel bereits während der Magenpassage abgebaut; die verbleibenden 5 % wurden jedoch in der weiteren Darmpassage nicht mehr wesentlich hydrolysiert. Die Tiere schieden Bruchstücke der fremden DNA bis zu einer Größe von 1 700 Basenpaare im Kot aus. Diese Kettenlänge könnte durchaus einem intakten Gen entsprechen. Nach mehrmaliger Fütterung ließen sich Brückstücke der fremden DNA (bis zu 970 Basenpaare) auch im Blut der Tiere nachweisen. Über die Blutbahn gelangte die fremde DNA in Zellen der Milz und Leber. Die DNA wurde meist innerhalb von mehreren Stunden wieder abgebaut. Im allgemeinen ließ sich keine Integration der fremden DNA in die Mäuse-DNA nachweisen und es wurde auch keine Expression der fremden DNA beobachtet. Wurde die DNA an trächtige Mäuse verfüttert, konnten vereinzelt Bruchstücke der fremden DNA in verschiedenen Organen der Embryos bzw. der Nachkommen identifiziert werden. Die fremde DNA konnte jedoch niemals in allen Zellen der Nachkommen oder in Keimbahnzellen nachgewiesen werden. Die Arbeiten von Doerffler und Mitarbeiter zeigen zwar, dass mit der Nahrung aufgenommene DNA nicht vollständig hydrolysiert wird und teilweise in Zellen eintreten kann, aber die Autoren kommen zu dem Schluss, dass hier kein besonderes neues Risiko von rekombinierter DNA gegenüber „klassischer“ DNA vorliegt. Die Übertragung von DNA aus der Nahrung auf menschliche (tierische) Zellen ist wahrscheinlich ein äußerst seltenes Ereignis, aber dennoch sicherlich in der Evolution ein seit vielen Millionen von Jahren begangener Weg. DNA ist ein allgemeiner, aber notwendiger Bestandteil unseres Ökosystems und die Organismen mussten sich stets mit ihr auseinandersetzen.

Der Gentransfer auf die Darmepithelzellen ist nur von geringer Bedeutung, denn auf Grund der ständigen Abschilferung der Epithelzellen ist kaum eine Etablierung der fremden DNA möglich. Von größerer Bedeutung könnte der Transfer von DNA auf Mikroorganismen der Darmflora sein. Bei Verzehr von gentechnisch veränderten Mikroorganismen als Lebendkulturen besteht die Möglichkeit eines Gentransfers. Die Wahrscheinlichkeit ist beim Verzehr von unverarbeiteten (rohen) Lebensmitteln aus transgenen Pflanzen geringer, da bis zum Zeitpunkt der Exposition die verzehrte DNA durch die Aktivität von Verdauungsenzymen weitgehend abgebaut wird. Selbst wenn intakte Gene aus den verzehrten transgenen Pflanzen auf Mikroorganismen der Darmflora übertragen werden sollten, ist die Expression dieser Gene unwahrscheinlich, da die pflanzlichen Regulationssequenzen des übertragenen genetischen Materials in den Mikroorganismen der Darmflora keine Funktion ausüben.

Antibiotika-Resistenzgene als Marker

Antibiotika-Resistenzgene werden in der Gentechnik als Markergene zur Identifizierung der transgenen Zellen (Pflanze) verwendet. Sie sind ein technisches Hilfsmittel. Diese Gene haben für die Pflanze nach erfolgter Transformation keine Bedeutung mehr. Antibiotika-Resistenzgene werden zur Herstellung und „Vermehrung" der Genkonstrukte in Mikroorganismen eingesetzt, die für die spätere Transformation der Pflanze verwendet werden sollen. Diese Markergene befinden sich unter der Kontrolle eines prokaryotischen Promotors und werden später in der Pflanze nicht exprimiert. Hierbei werden meistens Resistenzgene gegen Ampicillin und Streptomycin/Spectinomycin verwendet.

Für die Selektion der transgenen Pflanzen (Zellen) können auch Antibiotika-Resistenzgene unter der Kontrolle eukaryotischer Promotoren verwendet werden. Die Genprodukte werden in der Pflanze exprimiert. Zum Einsatz kommen in quasi allen Fällen die Resistenzgene hph (Hygromycinresistenz) und nptII, das Resistenz gegen Kanamycin, Neomycin, Geneticin, Butirosin, Gentamicin A und B sowie Paromomycin verleiht.

Für den Gentransfer aus einer pflanzlichen Zelle auf Mikroorganismen der Darmflora müssen die gleichen Schritte, wie oben aufgeführt, erfolgreich erfolgen. Zusätzlich muss der Mikroorganismus für die Aufnahme der DNA kompetent sein. Der menschliche Darm enthält ca. 10 14 Mikroorganismen und für den möglichen Gentransfer käme vor allem der Bereich des Dickdarms in Frage.

Bislang sind 40 Bakterienarten aus terrestrischen und aquatischen Habitaten bekannt, die DNA durch Transformation aufnehmen können. Allerdings weiß man nur wenig darüber, ob und mit welcher Frequenz Bakterien eine Kompetenz ausbilden und in der Lage sind, heterologe DNA aufzunehmen. Für die stabile Integration der DNA ist das Vorhandensein homologer DNA-Sequenzen mit eine Voraussetzung. Das Fehlen solcher homologen Sequenzabschnitte im Rezipienten, aber auch die geringe Fähigkeit des Rezipienten, fremde DNA aufnehmen zu können, sind vermutlich die Gründe dafür, dass bisher kein Gentransfer von Markergenen aus transgenen Pflanzen auf Bakterien detektiert werden konnte, wie die Arbeiten von Smalla et al. vermuten lassen.

Wie bei jeder DNA kann auch bei rekombinierter DNA ein möglicher Gentransfer nicht völlig ausgeschlossen werden. Der Gentransfer allein bedeutet noch nicht, dass das Gen aktiv werden kann (exprimiert wird). Für die erfolgreiche Expression müssen die notwendigen Regulationseinheiten ebenfalls integriert und vom neuen Wirt erkannt werden.

Schlüter und Potrykus haben Berechnungen über die Wahrscheinlichkeit angestellt, mit der ein Antibiotikaresistenzgen aus einer transgenen Pflanze auf einen bakteriellen Rezipienten übertragen werden kann. Handelt es sich um Bakterien mit effizientem Transformationssystem, aber ohne Homologien zur aufgenommenen DNA (wie z. B. bei Bacillus subtilis), liegt die Wahrscheinlichkeit bei 2x10 -11 bis 2,7x10 -17. Bei Bakterien ohne Transformationssystem, aber mit Homologien zur aufgenommenen DNA (z. B. Agrobacterium tumefaciens) liegt sie bei 2x10 -14 bis 1,3 x 10 -21.

Würde das neue Gen in den codierenden Bereich eines endogenen Säugergens, z. B. in den Darmepithelzellen, insertiert werden, würde dessen Expression mit hoher Wahrscheinlichkeit gestört. Allerdings ist vermutlich auf Grund des diploiden Chromosomensatzes die andere Kopie des Gens in der Lage, die Produktion des Genproduktes zu übernehmen. Die Konsequenzen des Transfers sind gering, da die Darmepithelzellen nur eine kurze Lebensdauer besitzen und es sich um nicht-reproduzierende Zellen handelt, so dass die Transformation auf die betroffene Zelle beschränkt bleibt.

Ausbildung von Antibiotika-Resistenzen

Die Untersuchungen zum Gentransfer zeigen, dass eine Übertragung von Antibiotika-Resistenzgenen aus transgenen Pflanzen auf Darmbakterien äußerst unwahrscheinlich ist. Eher besteht die Chance eines Gentransfers durch die mit der Nahrung aufgenommenen Mikroorganismen, die natürlicherweise Antibiotika-Resistenzgene aufweisen. Nach vorsichtigen Schätzungen nehmen wir täglich mit der Nahrung 106 Mikroorganismen mit Antibiotika-Resistenzgenen auf.

Welches Risiko bestünde, wenn aus einer transgenen Pflanze das Antibiotikum-Resistenzgen auf einen Mikroorganismus übertragen würde und zur Ausprägung käme? In der Pflanzengentechnik werden vorwiegend Resistenzgene gegenüber Kanamycin und Ampicillin verwendet. In der Humanmedizin wird Kanamycin nahezu ausschließlich lokal verwendet; nur sehr selten erfolgt eine orale Verabreichung. Durch die lokale Verwendung kann das Antibiotikum nicht durch resistente Keime in seiner therapeutischen Wirkung beeinträchtigt werden. In unserem Darmtrakt befinden sich je nach medizinischer Vorgeschichte und Nahrungsaufnahme 10–30 % Kanamycin-resistente Mikroorganismen. Die Übertragung des Kamamycin-Resistenzgens aus einer transgenen Pflanzen auf Mikroorganismen des Darmtraktes würde in Anbetracht der bereits vorhandenen resistenten Keime kein neues zusätzliches Risiko bedeuten. Ähnliches gilt auch für das Ampicillin-Resistenzgen TEM wie es z. B. im transgenen Bt-176 Mais vorkommt. Ampicilline bzw. deren Abkömmlinge werden in der Humantherapie intensiv oral genutzt. Bei E. coli liegt weltweit die Resistenzquote bei 20–50 % und in Deutschland hat sie einen Wert von fast 40 % erreicht. 90 % der Resistenzen werden durch die Integration des TEM-Gens und der Ausprägung der TEM1-ß-Lactamase hervorgerufen. Bei Proteus mirabilis liegt die Resistenzquote in Deutschland bei fast 25 %. Salmonellen und Shigellen weisen regional unterschiedlich Resistenzquoten von 2–10 % auf. Bei Vorliegen einer Penicillin-Resistenz können andere Wirkstoffe oder eine Kombination mit einem β-Lactamase-Hemmer eingesetzt werden. Hier sind somit noch hinreichende Therapeutika vorhanden.

Man kann davon ausgehen, dass nahezu ausschließlich Bakterien, die bereits ein TEM-Gen enthalten, durch einen Gentransfer betroffen werden. Da aber Bakterien, die das TEM-Gen unter Selektionsdruck durch einen horizontalen Gentransfer aus einer transgenen Pflanze aufnehmen, keinen Selektionsvorteil aufweisen, wird sich insgesamt die Zahl der Bakterien mit dem TEM1-Gen über die Zeit nicht wesentlich erhöhen. Diese neuen Transformanten unterscheiden sich nicht von den bereits vorhandenen Ampicillin-resistenten Keimen. Dieser mögliche zusätzliche, aber sehr seltene horizontale Gentransfer hat keine besondere negative Auswirkung auf die Behandlung bakterieller Erkrankungen. Insgesamt können, nach den Ausführungen von Pühler, aus wissenschaftlicher und medizinischer Sicht keine neuen oder zusätzlichen Gefährdungen durch die Kanamycin- oder Ampicillin-Resistenzgene in transgenen Pflanzen gesehen werden. Im Hinblick auf die öffentliche Diskussion werden aber zunehmend Antibiotika-Resistenzgene aus den Pflanzen nachträglich entfernt und in Zukunft auf die Verwendung solcher Gene als Marker verzichtet werden.

Fazit

Gentechnisch veränderte Lebensmittel bzw. transgene Pflanzen werden vor ihrem Inverkehrbringen intensiv untersucht. Erhalten sie die uneingeschränkte Zulassung, kann man sicher sein, ein Produkt zu konsumieren, das die Gesundheit nicht negativ beeinflusst. Die Gefahr, dass Antibiotika-Resistenzmarker, die in gentechnisch veränderten Pflanzen eingesetzt werden, zu einer zusätzlichen Verbreitung dieser Gene in Bakterien beitragen, ist sehr gering. Allerdings wäre es wünschenswert, dass die alternativen Möglichkeiten zur Selektion bald zur Marktreife gebracht werden, um ein größtmögliches Maß an Sicherheit zu gewährleisten und um der oftmals unsachlichen Diskussion ein Ende zu bereiten.

Klaus-Dieter Jany und Claudia Kiener, Molekularbiologisches Zentrum der Bundesforschungsanstalt für Ernährung, Karlsruhe

Quellen:

  1. Hohlweg U, Schubbert R, Doerfler W: Fremde DNA überwindet die Darm-, Blut- und die Plazentaschranke. Bioforum 3 (2000) 120–122
  2. Schubbert R, Hohlweg U, Renz D, Doerfler W: On the fate of orally ingested foreign DNA in mice: chromosomal association and placental transmission to the fetus. Mol Gen Genet 259 (1998) 569–576
  3. Schlüter K, Potrykus I: Horizontaler Gentransfer von transgenen Pflanzen zu Mikroorganismen und seine ökologische Relevanz. In: Schulte E, Käppeli O: Gentechnisch veränderte krankheits- und schädlingsresistente Nutzpflanzen – eine Option für die Landwirtschaft? Publikation des Schwerpunktprogrammes Biotechnologie des Schweizerischen Nationalfonds, Bern (1999) 160–190
  4. Smalla K, Gebhard F, Heuer H: Antibiotika-Resistenzgene als Marker in gentechnisch veränderten Pflanzen – Gefahr durch horizontalen Gentransfer? Nachrichtenbl Deut Pflanzenschutz 52 (2000) 62–68
  5. Pühler A: Horizontaler Transfer von Antibiotika-Resistenzgenen – Diskussion und Erkenntnisse. Nachr Chem Tech Lab 47 (1999) 1088–1092



 
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