DGE-aktuell 12/2001 vom 24.04.2001
Ergebnisse des Ernährungsberichts 2000 der DGE
Die Menschen in Deutschland werden zunehmend älter. Doch
nicht nur die Jahre zählen, sondern auch die Erhaltung der Lebensqualität bis
ins hohe Alter. Eine ausreichende und gesunde Ernährung ist ein wichtiger Baustein
dazu. Wie es um die Ernährungssituation von Senioren, älter als 65 Jahre, bestellt
ist, die noch im eigenen Haushalt leben und selbständig sind, war deshalb für
die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in ihrem 9. Ernährungsbericht eine wichtige
Fragestellung. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Ernährungswissenschaft
der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universität, Bonn, wurden dazu in einer regionalen
und nationalen Studie mehr als 1900 Frauen und Männer im Alter von 65 bis älter
als 85 Jahren befragt. Ermittelt wurden das Körpergewicht und die Körpergröße,
aber auch Ernährungsgewohnheiten, Lebensmittelauswahl, Energie- und Nährstoffzufuhr.
Das Ergebnis: Senioren sind noch recht mobil und erfreuen sich überwiegend guter
Gesundheit. Sie legen großen Wert auf regelmäßige Mahlzeiten. Obwohl ihnen die
Bedeutung der Ernährung für ihre Gesundheit bewusst ist, verhalten sie sich
aber oft nicht dementsprechend ernährungsbewusst.
Etwa die Hälfte der Studienteilnehmer bezeichnete ihren
Gesundheitszustand als gut oder sehr gut. Sie sind überwiegend rüstig, können
das Haus verlassen und einkaufen oder andere Besorgungen erledigen. Rund die
Hälfte der Älteren sind noch sportlich aktiv. Sie wandern, schwimmen oder fahren
Rad. Mangelnder Appetit, Kau- und Schluckbeschwerden, die gebrechlichen Senioren
oft das Essen vergällen, kommen bei diesen rüstigen Senioren selten vor. Entsprechend
gut ist auch ihr Ernährungszustand. Sie zeigen eher einen Trend zum Übergewicht.
Mit zunehmenden Alter nimmt der Trend der Studienteilnehmer zu Übergewicht ab.
Senioren und Seniorinnen legen auf regelmäßige Mahlzeiten großen Wert. Fast
alle Studienteilnehmer nahmen täglich eine warme Mahlzeit ein. Im Gegensatz
zu jüngeren Menschen essen Senioren überwiegend zu Hause. Außer-Haus-Verzehr
ist für sie ohne Bedeutung. Gegenseitige Hilfe bei der Zubereitung der Mahlzeiten
ist selbstverständlich: Männer werden von ihren Partnerinnen "bekocht". Frauen,
die nicht mehr für sich selbst kochen können, erhalten von ihren Kindern oder
anderen Angehörigen Hilfe. Service-Angebote wie z.B. "Essen auf Rädern" werden
von rüstigen Senioren kaum in Anspruch genommen. Täglich Obst, Gemüse, Milchprodukte
und stärkehaltige Beilagen, mehr Misch- und Vollkornbrot als Weißbrot und mehr
als einen Liter Flüssigkeit am Tag als Getränke - diese Mindestanforderungen
an eine gesunde Ernährung werden von den meisten Senioren erfüllt. Doch näher
betrachtet fällt auf, dass die Ernährungsweise zum Teil zu einseitig ist. Senioren
essen zu oft Fleisch und Wurst, aber zu selten oder gar keinen Fisch. Nährstoffreiche
Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Milch- und Vollkornprodukte stehen meist nur
einmal täglich auf dem Speiseplan; manche Senioren essen sogar gar kein Obst.
Obwohl die rüstigen Senioren insgesamt einen guten Ernährungszustand
haben, könnten auch sie gesundheitlich von einigen Änderungen in ihren Ernährungsgewohnheiten
profitieren. Gemüse und Obst schützen vor Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen.
Sie sollten mehrmals täglich, auch als Rohkost und Salat, auf dem Speiseplan
stehen. Fleisch, Wurst und Eier sollten dagegen seltener als bisher verzehrt
werden. Diese Empfehlungen gelten insbesondere für ältere Männer. Ihre Essgewohnheiten
sind insgesamt ungünstiger als die der Frauen.