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Aus dem Bereich: Presse

Haysche Trennkost ist als langfristige Ernährungsform nicht zu empfehlen
21.04.1998

DGE-special 02/98 vom 21.04.1998

Immer wieder werden Ernährungsweisen propagiert, bei denen Kohlenhydrate und Proteine getrennt verzehrt werden. Sie sollen zur Vorbeugung von Krankheiten, Steigerung des Wohlbefindens oder zum Abnehmen dienen. Diese Ernährungsformen beruhen auf der Hayschen Trennkost, die davon ausgeht, daß Kohlenhydrate und Eiweiß nicht gemeinsam verdaut werden können und eine Mischkost zur Übersäuerung des Körpers führt. Das Urteil der DGE: Diese Vorstellungen entbehren jeder wissenschaftlichen Basis. Eine vollwertige Ernährung nach den Hayschen Lehren ist auf Dauer nur eingeschränkt möglich, da die Lebensmittelauswahl nicht ausgewogen ist.



Die Trennkost wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom amerikanischen Arzt Dr. Howard Hay aufgrund eigener Erfahrungen entwickelt. Er glaubte, die Ursache aller Zivilisationskrankheiten liege in einer Übersäuerung des Körpers, die unter anderem durch Mischung von Eiweiß und Kohlenhydraten in der Ernährung hervorgerufen wird. Die Theorien von Hay besagen, daß Eiweiß und Kohlenhydrate im Verdauungstrakt nicht gleichzeitig verdaut werden können.
"Diese Theorie ist wissenschaftlich nicht haltbar", urteilt Prof. Heinrich Kasper, Präsidiumsmitglied der DGE. "Das Enzymsystem unseres Magen-Darm-Traktes ist so angelegt, daß Eiweiß und Kohlenhydrate problemlos gleichzeitig verdaut werden können. Es findet keine verzögerte Verdauung oder sogar "Gärung" im Darm statt. Außerdem enthalten fast alle Lebensmittel z. B. Milch, Getreide und Hülsenfrüchte sowohl Eiweiß als auch Kohlenhydrate."

 

Einige Prinzipien der Hayschen Ernährung

Laut Dr. Hay soll die Lebensmittelauswahl zu 75 bis 80 Prozent aus basenbildenden Lebensmitteln wie Obst, Salate, Gemüse und zu 20 bis 25 Prozent aus säurebildenden Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Käse, Fette und unraffinierte Öle sowie aus Kohlenhydraten, z.B. Vollkornprodukten, bestehen. Hay empfiehlt, konzentriert eiweißhaltige Lebensmittel mittags und nicht nach 15.00 Uhr und konzentriert kohlenhydrathaltige Lebensmittel abends und nur in Kombina-tion mit sogenannten neutralen Lebensmitteln zu verzehren. Als neutral gelten z. B. Fette, gesäuerte Milchprodukte, Quark, Käsesorten über 60 Prozent Fett in der Trockenmasse, zahlreiche Gemüsearten, Garten- und Wildkräuter sowie Nüsse, außer Erdnüsse.

 

Beurteilung der Trennkost-Theorien durch die DGE

  • Die Trennkost ist vorwiegend lacto-vegetabil. Das heißt, sie enthält hauptsächlich Gemüse, Salate und Obst, die vor allem roh verzehrt werden. Die Empfehlung, weniger Fleisch zu essen, ist von Vorteil, weil dadurch weniger gesättigte Fettsäuren und Cholesterin aufgenommen wird.
  • Die Trennkost ist energie- und fettarm. Dies ist positiv zu bewerten.
  • Die Lebensmittelauswahl sichert keine ausreichende Nährstoffversorgung, wenn nur 20 bis 25 Prozent der Nahrung aus "säurebildenden Lebensmitteln wie Getreideprodukte, Fleisch und Fisch bestehen:
  • Getreide und Getreideerzeugnisse liefern essentielle Nährstoffe wie B-Vitamine, Folsäure, Magnesium, Eisen und Selen. Sie kommen in der Hayschen Trennkost deutlich zu kurz. Getreide und daraus hergestellte Produkte sollten in einer vollwertigen Ernährung im Mittelpunkt stehen und mengenmäßig überwiegen. Zu empfehlen ist die Haysche Trennkost nur dann, wenn der Getreideanteil in der Kost deutlich erhöht wird.
  • Darüber hinaus wird zu wenig Käse empfohlen, der vor allem für die Calciumzufuhr wichtig ist, zu wenig Seefisch, der z.B. für die Zufuhr von Jod und Omega-3-Fettsäuren wichtig ist, sowie zu wenig Fleisch, ein wichtiger Lieferant für Eisen.
  • Eine basenüberschüssige Kost bringt keine nachweisbaren gesundheitlichen Vorteile. Eine Übersäuerung des Körpers ist beim Gesunden nicht zu befürchten, da Puffersysteme den Säure-Basen-Spiegel im Blut und Gewebe konstant halten. Zu einer Azidose (Übersäuerung) kann es z.B. bei einer Stoffwechselentgleisung beim Diabetes mellitus kommen. Dies muß vom Arzt behandelt werden.
  • Es wird der Eindruck vermittelt, daß durch das Trennprinzip bestimmte Krankheiten wie Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus oder Fettstoffwechselstörungen maßgeblich beeinflußt beziehungsweise geheilt werden können. Wer seine Ernährung umstellt und reichlich Obst, Gemüse und Salat verzehrt und gleichzeitig auf große Fleischportionen, fette Wurst, Zucker, Süßigkeiten sowie auf täglichen Alkohol verzichtet, kann den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen - auch ohne Trennkost.



 
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