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Aus dem Bereich: Presse

Knackige Keime als Vitaminspritze für Herbst und Winter
24.10.2000

DGE aktuell 27/2000 vom 24.10.2000

Wenn das Angebot an Obst und Gemüse im Herbst geringer wird und vermehrt Wintergemüse oder Tiefgekühltes auf den Tisch kommen, stehen Keimlinge hoch im Kurs. "Gerade in der kalten Jahreszeit bilden Keimlinge, wie Weizen-, Soja- und Sesamkeime, eine günstige Nahrungsergänzung", bestätigt Dr. Helmut Oberritter, Wissenschaftlicher Leiter der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE). "Keime enthalten viel Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe. Sie übertreffen hierin sogar viele Gemüse- und Obstsorten. Keime sind zudem energiearm und enthalten mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Gemeinsam mit Gemüse und Obst liefern sie einen wertvollen Beitrag zu Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Zum rohen Verzehr eignen sich die Keime von Weizen, Roggen oder Gerste, sowie gekeimte Mungobohnen und Linsen oder Luzerne, aber auch Senf-, Sesam- und Sonnenblumenkeime. Bei Erbsen, Sojabohnen und Kichererbsen rät die DGE dagegen, die Keime unbedingt vor dem Verzehr zu blanchieren. Sie enthalten schädliche Stoffe, die nur zum Teil während des Keimens abgebaut werden. Wer auf der Fensterbank noch einen Platz frei hat, der kann die knackigen Vitaminspritzen ganz einfach selber ziehen. Die DGE zeigt, worauf es dabei ankommt.



Als "Keimlinge" oder "Keimsprossen" sind sie bekannt und bei Vielen beliebt: die zarten und schmackhaften Jungpflanzen, die gerade die Samenschale durchbrochen oder bereits einen dünnen Stengel gebildet haben. Während dieses Keimvorgangs vom Samen zur Jungpflanze verändert sich der Nährwert im Keimling immens. Das Ergebnis: Der Gehalt an Ballaststoffen und Vitaminen nimmt zu. Keimlinge von Mungobohne, Sojabohne, Weizen und Alfalfa weisen z. B. erheblich Mengen an den Vitaminen C, B1, B2, Niacin und E auf. Die Qualität der Eiweiße und Fette verbessert sich, der Energiegehalt sinkt, Kohlenhydrate werden zu einfachen Zuckern abgebaut - der Keimling erhält seine typisch süßliche Geschmacksnote - und verlieren viel von ihrem blähenden Effekt. Dazu enthalten Keimlinge beträchtliche Mengen an Mineralstoffen. Die Gehalte an Calcium, Phosphor, Magnesium, Zink und Eisen können sich durchaus mit denen von beispielsweise Gurke, Tomate oder Paprika messen. Ebenfalls von Vorteil ist, dass durch den Keimvorgang der Phytinsäuregehalt sinkt. Denn Phytinsäure in Getreidekörnern oder Hülsenfrüchten vermindert die Aufnahme einiger lebenswichtiger Mineralstoffe aus Nahrungsmitteln. Während des Keimens nicht oder nur teilweise abgebaut werden einige gesundheitsschädigende Substanzen in den Samen von Soja-, Erbsen-, und Kichererbsen, allesamt Hülsenfrüchte. Sie müssen durch Blanchieren unschädlich gemacht werden. Zu den gesundheitsschädigenden Stoffen zählen Trypsin-Inhibitoren, die bestimmte Eiweiß-abbauende Enzyme im Körper hemmen sowie Hämagglutinine, die in größeren Mengen rote Blutkörperchen verklumpen können. Keimlinge von Gartenbohnen sollten deshalb gar nicht verzehrt werden. Unbedenklich roh verzehren lassen sich Keime der Mungobohne, der Linse und Luzerne.

Wer das verringerte Gemüseangebot in Herbst und Winter durch knackige Keime anreichern und diese selbst ziehen möchte, kann dies mit einigen Tipps leicht tun:

  • Zum Keimen eignen sich sowohl Getreidekörner (z.B. Hafer, Weizen, Roggen oder Mais) als auch Hülsenfrüchte (z.B. Soja- und Mungobohnen, Kichererbsen, grüne Erbsen, Linsen) sowie z.B. Rettich, Senf, Gartenkresse, Sonnenblumen oder Sesamsamen.
  • Achten Sie beim Kauf der Samen darauf, dass sie ungebeizt sind.
  • Als Gefäße für das Keimen eignen sich Keimschalen oder mit Gaze überspannte Einmachgläser. Waschen Sie die Samen, geben Sie sie in das Gefäß und lassen Sie sie mit mindestens der zweifachen Menge Wasser bedeckt über Nacht einweichen.
  • Gequollene Samen am nächsten Tag heraussuchen, gründlich spülen, abtropfen lassen, in das Keimgefäß geben und an einen hellen Platz stellen. Dies wiederholen Sie zweimal täglich. Wenn Sie ein mit Gaze überspanntes Glas verwenden, stellen Sie es kopfüber und schräg auf, denn nur so kann das Restwasser ablaufen.
  • Nach 3-4 Tagen sind die Keime fertig! Waschen Sie die knackigen Jungpflanzen vor dem Verzehr nochmals gründlich. Die Keime von Erbsen, Sojabohnen und Kichererbsen sollten Sie vor dem Essen unbedingt blanchieren.



 
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